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Rezension: KAUFEN- Eine kleine Kulturgeschichte des modernen Einzelhandels in Deutschland-Callwey

Das vorliegende Werk nimmt den 100.Jahrestag der Gründung des Handelsverbands Deutschland zum Anlass die Geschichte des modernen Einzelhandels entlang der großen Veränderungen in der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nachzuerzählen und zum Schluss einen Blick auf dessen Zukunft zu richten, die bereits begonnen hat. 

Das reich bebilderte Werk ist in fünf große Abschnitte untergliedert. Diese bestehen jeweils aus diversen Kapiteln, in denen kompetente Fachleute sehr gute Beiträge zur Kulturgeschichte des modernen Einzelhandels verfasst haben. Bei den Abschnitten handelt es sich um folgende:

-Der Einzelhandel auf dem Sprung in die Moderne 
-Versorgung und Konsum im Dritten Reich
-Wirtschaftswunder, Wachstum, Wohlfahrtsstaat
-Vereintes Land, Vereinter Handel 
-Vor Ort im Netz und Jederzeit 

Die Geburtsstunde einer neuen Konsumkultur begann um 1900. In Warenhäusern wurden nun Preise ausgezeichnet. Das schaffte Vertrauen. Der moderne Handel in architektonisch interessanten Häusern mit großen Schaufenstern und modernen Einrichtungen wie Fahrstühlen und elektrischem Licht zog die Konsumenten an, verdrängte aber die traditionellen Läden damals nicht. 

Man liest von Konsumgenossenschaften und deren Grundidee, dass sich Konsumenten gleichberechtigt zusammenschließen und den Einkauf gemeinschaftlich tätigen. Bereits um die Jahrhundertwende entwickelten sich die ersten Konsumgenossenschaften zu einer Bewegung, die 1903 in der Gründung des "Zentralverbandes der deutschen Konsumvereine" mündete. 

Des Weiteren liest  man von den ersten Massenfilialbetrieben und Ladenketten, vom Aufkommen der Markenartikel wie auch von der allmählichen Akzeptanz von Werbung und kann sich alsdann in die Geschichte des Warenhauses vertiefen, das im Zuge der Industrialisierung begann und seinen Erfolg einer sich entwickelnden Massenkaufkraft verdankt wie auch einer leistungsfähigen Logistik und dem Wachstum moderner Großstädte. 

Man lernt Unternehmer wie Oscar Tietz und Heinrich Grünefeld kennen, der den Verband deutscher Einzelhändler gründete, liest von damals großen Warentempeln und von der Meierei C.Bolle in Berlin. Die Erfolgsgeschichte von Carl Bolle ist  besonders spannend geschrieben. Er schaffte es binnen weniger Jahre seinen Betrieb zur bekanntesten Meierei der Stadt zu machen, wurde sehr wohlhabend und investierte sein Vermögen in den Bau von Wohnhäusern, in denen seine Angestellten lebten. Zudem finanzierte er Kindererholungsheime und stellte sogar einen Pfarrer und Schwestern an, die sich um das Seelenheil seiner Mitarbeiter kümmerten. Mich erinnert er von der Grundeinstellung an Jakob Fugger, an einen Unternehmer also, der im Neoliberalismus nicht mehr vorkommt. 

Komsumgenossenschaften entwickelten sich ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und hatten zu Ende der Weimarer Republik einen Marktanteil von 14 Prozent am deutschen Lebensmittelmarkt. 

Über die Entwicklung der Produktwerbung liest man viel Wissenswertes. Neue Berufsbilder, wie die des Gebrauchsgrafikers und Reklamefachmanns entstanden und die Zahl der Werbemittel nahm beständig zu. 

Thematisiert wird das Ende der Goldenen Zwanziger Jahre und der Kampf mit Entbehrung und Mangel in der sich gerade erst entwickelt habenden modernen Konsumgesellschaft. Alsdann wird die Versorgung und der Konsum im so genannten Dritten Reich zur Sprache gebracht. Berichtet wird über die Boykottmaßnahmen gegenüber den jüdischen Betrieben, zudem über die Zwangenteignungen und Schließungen zur Ausschaltung der Juden aus dem Einzelhandel. 

Auch über die Profiteure jener Jahre bleibt man nicht unaufgeklärt, liest von der Verbandsauflösung, sprich dem Ende der demokratischen Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels und dem Verzicht aufgrund der Verknappung der Ressourcen in Kriegszeiten. 

Wie es dann nach dem 2. Weltkrieg weiter ging, wird spannend erzählt. Nach Hamsterkäufen, Bezugsschein und Schwarzmarkt folgen Wirtschaftswunder, Wachstum und Wohlfahrtsstaat. Über den Abschied von der Ladentheke und den Handelsformen im Wandel zu immer größerer Konzentration wird berichtet, auch über das Einkaufen in der DDR und die Werbung dort. 

In den 1960er Jahren begann dann die Zeit der Discounter und mit ihnen das Prinzip "billig". Dieses Geschäftsmodell setzte auf schnellen Umsatz und unschlagbar günstige Preise. Über die Macht der Marke wird man in der Folge unterrichtet und auch über moderne Verpackung, des Weiteren über die Entwicklung der Artikelnummerierungssysteme und den Beginn der Digitalisierung der Branche. 

Verbraucherschutz ist ein Thema und die Versandhäuser, dazu noch vieles andere mehr bis hin zum gesamtdeutschen Einzelhandel vor den Hintergrund einer tiefgreifenden technologischen Wandels. Ab Mitte der 1990er Jahre dann erlebt man die ersten Online-Händler und fortan verändert sich alles.

Nun erreichen die Angebote des Onlineshoppings alle Bevölkerungsschichten. Dabei setzt Amazon die Maßstäbe im Hinblick auf Sortimentsumfang, Preis, Lieferfähigkeit, Informationsfähigkeit und Verlässlichkeit. Händler in den Produktkategorien Elektronik Bücher aber auch Mode sind schon vom strukturellen Umbruch empfindlich betroffen, anderen Bereichen steht der Aderlass noch bevor. Ein Ende ist  noch nicht abzusehen, resümiert einer der vielen sehr kompetenten Autoren im vorliegenden Buch.

Wichtig zu wissen: Es gibt keinen Einzelhandel ohne Onlinehandel mehr. Wer mehr über die Wege und Zeiten im Onlinehandel informiert werden möchte, kann  in diesem Werk  sehr viel erfahren, auch wie Alexa, Google und Siri den Handel verändern. 

Was ist sicher? Die Grenzen zwischen analoger und virtueller Welt verschwimmen immer weiter. Der Point of Sale der Zukunft ist nicht mehr stationär oder digital- er verschmilzt zu einer Realität. so Thomas Fell, ein  Kenner der Branche und einer der brillanten Autoren in der vorliegenden kleinen Kulturgeschichte des modernen Einzelhandels in Deutschland.

Sehr empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Kaufen: Eine kleine Kulturgeschichte des modernen Einzelhandels in Deutschland


Rezension: Zeit für Veränderung-Anselm Grün-Taschenseminar-Vier-Türme-Verlag

#Anselm_Grün wartet in diesem Frühling mit einem bemerkenswerten Wegbegleiter auf. Es handelt sich dabei um ein Taschenseminar, in dem er praktische Impulse gibt, die helfen sollen, einfacher Entscheidungen zu treffen. Dabei stellt er viele kluge Fragen, die der Leser schriftlich beantworten kann. In dem hübsch illustrierten Buch ist übrigens ausreichend Platz zum Beantworten der vielen Impulse. 

Untergliedert ist das Seminar in die Rubriken: Berufung; Veränderung und Verwandlung; Lebensspur; Wer bin ich?; Selbsterkenntnis; Sagen, Reden, Sprechen; Der Blick nach vorn; Aufbruch. 

Fragen wie "Was lässt dich heute die Zeit vergessen? Findest du eine Parallele zu deinem Spiel als Kind? Schreib es auf?", sind ein guter Impuls, um nachzudenken.

Um Ratschläge wie etwa, dass man sich zuallererst annehmen sollte, so wie man ist, nicht nur zu beherzigen, sondern auch umzusetzen, bedarf es natürlich der Übung. Gerade in einer Phase des Selbstzweifels oder wenn äußere Umstände zu einer beruflichen oder persönlichen Neuorientierung zwingen, sind solche Übungen sehr von Vorteil. 

Einem guten Freund, seine Lebensgeschichte anzuvertrauen, hilft, sich darüber im Klaren zu werden, wie es dazu kam, dass man dort gelandet ist, wo man jetzt steht. Interessant auch ist die Frage "Welche Entscheidungen hast du bewusst getroffen?" Auch die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen halte ich für sehr wichtig. Sich kennenzulernen ist ein langer, nicht einfacher Prozess. 

Die Frage nach den Zielen, die man noch hat und auch nach der Zukunft, die man sich wünscht, sollte man wohlüberlegt beantworten und sich bewusst machen, dass unser Leben nur dann im Fluss bleiben kann, wenn wir es erlauben. Stockt es, sollten wir nach dem Warum fragen. 

Wie Anselm Grün betont, dominieren die jeweils stärksten Motivatoren unser Verhalten über eine mehr oder weniger lange Lebenszeit. Was mag man und was man nicht sollte, gilt es ausloten, zudem macht es Sinn, seine Schattenseiten aufspüren. Das ist wichtig für die Selbsterkenntnis. 

Der Autor betont, dass ein Gespräch nur dann entsteht, wenn wir miteinander sprechen. Genau das wird leider all zu oft vergessen. Sehr gut auch ist die Empfehlung "Versuche mal, genau hineinzuspüren, wie du dich fühlst, wenn Du heute mit verschiedenen Menschen sprichst." Dann liest man Begriffe wie verstanden, ernst genommen, wertgeschätzt, ausgefragt und kann zustimmen oder es lassen. All dies hilft, uns selbst besser kennenzulernen und unsere unerfüllten Wünsche und Hoffnungen zu begreifen.

Ich staune über die Fragen Anselm Grüns. "Wie dringend notwendig ist Veränderung?" solch eine Frage muss man sich bei Leidensdruck stellen. Nur so findet man eine Antwort und beginnt zu handeln. Dann schließlich gibt es den erhofften  Aufbruch und Neuanfang. Wichtig ist, dass man Dinge betrauert, die man hinter sich lässt. Nur so kann man entspannt sich Neuem zuwenden. 

 Ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Im Fachhandel erhältlich

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Zeit für Veränderung. Taschenseminar zum Nachdenken und Weiterwachsen (Taschenseminar Anselm Grün)

Rezension: Kinderspiel- Glücksspiel-Kriegsspiel- #André_Postert- dtv

Der promovierte Historiker #André_Postert arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut in Dresden. In seinem vorliegenden Buch thematisiert er große Geschichte in kleinen Dingen wie er im Untertitel des Werks bereits bekundet. Fokussiert wird die Zeit von 1900-1945. 

Worum es geht? 

Um #Kinderspiel, #Glücksspiel und #Kriegsspiel, um ein Alltagsphänomen von Kindern und Erwachsenen also. Weil es ein Alltagsphänomen ist, können ganze Industriezweige und Branchen vom sprichwörtlichen Spieltrieb des Menschen noch immer leben. 

Spielzeug kann alles genannt werden, womit der Mensch spielt, daneben aber gibt es die Spielwaren, die eigens zum Spielen erfunden, produziert und gehandelt werden. Karl Groos übrigens war einer der Ersten, die sich um eine universale Spieltheorie bemühten. Sein Werk "Die Spiele der Menschen" erschien 1899. Besagte Theorie galt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Aus dessen Sicht war Spiel etwas, das der Erprobung und Bewältigung des Lebens diente. Diese Idee, dass das Spiel des Menschen stets sinnvoll und zur Entwicklung seiner selbst nützlich sei, trägt bis heute das Fach Pädagogik. Diese Vorstellung widerspräche allerdings teilweise unserem Alltagsverständnis, denn gerade Erwachsene sehen darin oft eine Art Alltagsflucht, "frei, lustvoll und spannend" zugleich.

In England unterscheidet  man die Begriffe "Play" (Spiel als Tätigkeit) und "Game" (ein spezifisches Spiel mit Regeln). Spiel also ist etwas, das sich durch Freiheit und Abwesenheit von Zwängen auszeichnet, mithin etwas Kreatives, aber es kann eben auch eine Fülle fester Regeln haben, die man befolgen muss. 

Spiele und Spielsachen haben sich im Laufe der Geschichte verändert. André Postert zeigt in diesem Buch Spiele und Spielsachen und die Menschen, die sich damit befassten, speziell in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es sind beispielsweise Pistolen, Schwerter, Panzer, Zinnsoldaten, ja sogar Nazi-Püppchen, auch Brettspiele, die Gewalt und Krieg verherrlichten und politische Ideologie vermittelten. 

Im Rahmen von  sieben Kapiteln wird man mit höchst sonderbaren Spielen vertraut gemacht und hier zunächst mit Spielen und Spielwaren in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Man liest z. B. über die Mundharmonika, die ihren spektakulären Durchbruch als Massenprodukt im Ersten Weltkrieg hatte. Das Spielen wirkte Trübsinn und Melancholie entgegen und bot zudem Unterhaltung im Beisammensein, schreibt Postert. 

Nicht nur im Krieg erscheint das Spiel als eine Art Paralleltext, in den man vor dem Grauen der Realität flüchten kann, doch hier besonders. Selbst Schach war ein Spiel, das an Militärschulen eingesetzt wurde, weil man dort glaubte, man könne das Terrain auf dem Brett erkunden und fände so Lösungen für komplexe taktische Probleme. Kinder spielten "Schiffe versenken", spielten mit Zinnsoldaten und bekamen Fahnen, Trommeln, Trompeten, Gewehre zu Weihnachten geschenkt. Das Spiel mit Konflikt und Gewalt, so vermutete man später in der Pädagogik sei in der menschlichen Natur verankert. Destruktive Energien kommen als Spiel zur Entfaltung. Doch das Spiel mit dem Krieg verharmloste Gewalt und schürte damals bereits den Hass unter den Völkern.

Das Spiel als Spiegel der Zeit macht mit Modespielen, auch mit vergessenen Spielen vertraut. Man lernt Technikspiele aus damaliger Zeit kennen, natürlich auch die Modelleisenbahn. Puppen und Stofftiere wurden in Thüringen hergestellt, auch sie waren politisch nicht neutral. Plüschtiere sollten im Frieden bei kleinen Jungs den Spielzeugsoldaten ersetzen. All diese Plüschprodukte bedienten das Bedürfnis, das Harmonie und familiäre Besinnlichkeit dem politischen Chaos entgegensetzte. 

Dann gibt es noch das Spielzeug der Illusionen und jenes gegen Fortuna, das man nie gewinnen kann. Über illegale Spielklubs  aus jener Zeit erfährt man Näheres und über die fixe Idee von Spielern, man könne den Zufall berechnen. Der bedeutendste Intellektuelle des 20. Jahrhunderts Walter Benjamin war übrigens ein Spieler. 

Glückspiele in der NS-Zeit werden thematisiert, auch das Spiel mit dem Hakenkreuz und die Nazi-Puppenwelt werden fokussiert. Es wird in der Folge dann immer krasser. Bei den Nazis gab es sogar ein Reichsinstitut für Puppenspiel. Zudem gab es rassistische Spieltheorien und so viel Erschreckendes, dass man nicht glauben mag, dass es sich hierbei um Spiel handelte. 

Spiele und Spielzeug im Holocaust sind ein weiteres großes Thema und dann ist es wieder soweit, dass man von unendlicher Traurigkeit heimgesucht wird. 

Gottlob unterliegen Spiel und Spielzeug dem fortwährenden Wandel, denn sie spiegeln die Geschichte und die Veränderungen in der Gesellschaft. 

Bleibt zu hoffen, dass die Menschen der Zukunft über unser Spielzeug und unsere Spielwelten nicht allzu entsetzt sein werden,  über jene vorangegangener Generationen kann man es durchaus sein. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Kinderspiel, Glücksspiel, Kriegsspiel: Große Geschichte in kleinen Dingen 1900-1945

Rezension: Folge dem Rat deines Herzens und du wirst bei dir selbst ankommen- John Strelecky - dtv

Der in Florida lebende Bestsellerauto John Strelecky erzählt in diesem Büchlein kleine Geschichten, die zum Nachdenken anregen und als Ratgeber sehr gut geeignet sind. Darüber hinaus enthält das Werk sehr schöne, Freude schenkende Illustrationen und Merksätze, die man auf sich wirken lassen sollte.

Lust zum Weiterlesen hatte ich bereits bei nachstehenden Sätzen: 

"Es gehört zu den beglückendsten Dingen im Leben, unsere Zeit mit etwas zu verbringen, woran wir glauben, was uns begeistert und auf das wir stolz sind. 

Und es gehört zu den leidvollsten Erfahrungen, unser Leben mit Dingen zu verbringen, die uns nichts bedeuten, uns nicht überzeugen und uns keinen Spaß machen. 

Manchmal beschäftigen wir uns so lange mit Projekten, denen wir nichts abgewinnen können, dass wir in Bezug zu dem, was uns begeistert, verlieren. Aber in einem einzigen Moment, durch eine einzige Aktion, kann sich alles verändern."

Der Autor stellt immer wieder Fragen, die dem Leser verdeutlichen, wie wichtig es ist, auf sein Herz, bzw. seine innere Stimme zu hören, weil nur diese uns zeigen kann, was uns wirklich gut tut und uns den Weg zur Realisierung unserer Wünsche öffnet. 

Abschalten, um sich neu aufbauen zu können, das vergisst man nur allzu oft und vor allen Dingen sollte man seine Zeit  nicht mit längst Vergangenem verschwenden. 

Loslassen. 

Das ist nicht immer einfach, speziell, wenn man das Gefühl hat, dass man mit jemand noch einen Strauß auszufechten hat, weil man extrem unfair behandelt wurde. Ist man dann nachtragend? Ist man verletzt? Darf man es überhaupt sein oder ist dies schon ein Ausdruck von Selbstsucht?

Was würde man anders machen wenn…?....und weshalb tut man es nicht bereits jetzt? Das sind Fragen, die oft sehr quälend sind und aufzeigen, wie wenig Mut man doch hat, besonders mit fortschreitendem Alter. 

"Nur wenn wir uns auf das Unbekannte einlassen, haben wir die Möglichkeit, uns damit vertraut zu machen."

#John_Strelecky spricht nicht selten in Bildern und lässt Hoffnung wachsen, nicht zuletzt auf Wunder hoffen. Im richtigen Umfeld und mit den richtigen Nährstoffen kann sich unser Potential entfalten, weiß er. Warum machen wir uns nicht auf die Suche, wenn unsere innere Stimme uns sagt, wohin wir uns wenden sollen? 

Vielleicht fehlt es uns an Selbstvertrauen und Zuversicht. Wer die Natur beobachtet, auch das ist eine Weisheit dieses Buches, erkennt die Macht und die Möglichkeit des Universums, auch uns zu helfen. Wir sind nicht allein. Warum wollen wir das nicht glauben?

Und ganz wichtig: "Wenn ich mir nicht die Zeit nehme, mir meine Träume im Geist vorzustellen und eine Verbindung zwischen ihnen und meinem Herzen zu schaffen, werden sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verwirklichen."

Um seinen Weg zu finden, muss man also eine Verbindung zu seinem Herzen herstellen, weil dort  ein Zielsuchgerät lokalisiert ist, das uns dabei unterstützt, das Leben zu führen, zu dem wir fähig sind, so der Autor. 

Wer vorwärts kommen will,  in seinen Anliegen, benötigt Ruhe. Zuviel Turbulenz bringt nicht weiter, sondern verbraucht nur unnötige Energie.  Ruhe muss man sich nehmen, man bekommt sie nicht geschenkt.

All das überzeugt, speziell auch folgender Rat: "Befreien Sie Ihr Herz und ihre Seele von den Erwartungen und Forderungen anderer."

Sehr empfehlenswert 

 Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Folge dem Rat deines Herzens und du wirst bei dir selbst ankommen

Rezension: Das Pragmatismus-Prinzip- Dirk von Gehlen- Piper

#Dirk_von_Gehlen, der Autor dieses Buches leitet bei der Süddeutschen Zeitung die Abteilung Social Media/Innovation und begleitet den Medienwandel schon einige Jahre auf seinem Blog "Digitale-Notizen" als auch auf Twitter unter @dvg.

Der Untertitel seines Werkes "Das Pragmatismus-Prinzip" skizziert, worum es geht: Um "10 Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen."

Das zwischen Titel und Untertitel abgebildetete Text-Emoticon ¯\_ツ_/¯, genannt "Shruggie" steht für ein Schulterzucken, zeigt also an, dass man gelassen bleiben sollte, in diesem Fall im Umgang mit Neuem, dem Fremden, dem Unklaren, ja selbst vor der eigenen Überforderung keine Angst haben sollte.

Diesen Zustand erreicht man durch das im Buch näher erörterte Pragmatismus-Prinzip. Dabei versteht der Autor dieses Prinzip als Ratgeber zur Ratlosigkeit. Er hält fest, dass wir lernen müssen, Widersprüche, pragmatische Paradoxien, besser auszuhalten, Doppeldeutigkeiten zu akzeptieren und nicht dem ersten Eindruck zu trauen.

Zunächst geht es darum, zu verstehen, wieso man nicht in das alte Weltuntergangslamento verfallen sollte, dass schon Generationen zuvor nicht gestimmt habe. Sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen, die Vergangenheit nicht zu verklären und keineswegs vorzivilisatorische Lebensbedingungen als unbedingt erstrebenswert zu preisen, das  sei wichtig, wenn man Neues annehmen möchte, so wie es ist, um im Neuen kreativ tätig sein zu können.

Man sollte das Neue zunächst anschauen und dann erst werten. Dies ist die Grundregel des Pragmatismus-Prinzips. Als Gründe, weshalb die Welt im Hier und Jetzt als schwerer verstehbar begriffen wird, nennt von Gehlen die Merkmale Geschwindigkeit, Unübersichtlichkeit und Vernetzung. Zwischenzeitlich sei vieles so komplex geworden, dass man ratlos geworden sei.

Die Herausforderungen der Gegenwart bestehen offensichtlich nicht mehr darin, sogleich Lösungen für Überforderungen zu finden, sondern vielmehr sich pragmatisch auf sie einzulassen. Wer die Überforderung akzeptiere, schaffe die erste Voraussetzung, sie zu überwinden.

Am Ende jedes der zehn Kapitel gibt es eine Zusammenfassung für Schnellleser und aus dem jeweiligen Inhalt abgeleitete Shruggie-Regeln, die man sich gut einprägen sollte.

Wer alte Philosophen und gute Ratgeberliteratur aus dem Hier und Jetzt kennt, wird vieles finden, was von Gehlen in seinem Buch verarbeitet hat. Das Besondere an seinem Werk besteht darin, die Gelassenheit, für die viele bereits geworben haben, im schnellen Hier und Heute auf subtile Art zu kultivieren. Das geht nur, indem man Ratlosigkeit zulässt und damit akzeptiert, dass man nicht immer sogleich eine Antwort findet.

Merke: Unterkomplexe Lösungen sind das Ergebnis des nicht Zulassens von Ratlosigkeit.

Man sollte lernen, Menschen und deren Meinungen zu trennen- das gilt speziell im Internet und sich im Perspektivwechsel üben, um sich Wahrheiten anzunähern oder zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Der Autor begreift sein Werk als Handbuch der Hoffnung. Dabei steht diese Hoffnung nicht im Widerspruch zur Ratlosigkeit, sondern ist deren Folge. Wer sich keine Ratlosigkeit gestattet, fände nur Antworten, die er bereits kenne. Die Herausforderungen der Gegenwart benötigen allerdings Lösungsansätze, die auch im Heute und vor allem im Morgen liegen. Geduld sei also notwendig und auch ein entsprechendes Gemeinschaftsdenken.

Später dann geht es um Angst, die durch Veränderungen erzeugt wird. Dieser Angst sollte man sich gelassen stellen, nicht zuletzt deshalb, weil Angst, die man nicht verarbeitet, unsicher macht und uns darin hindert,  kreativ zu sein. Angst zu überwinden,  bedeutet erwachsen zu werden und den Mut zu haben, die Komplexität von Problemen zu akzeptieren.

Es liegt mir fern, nun jedes Kapitels hier zu skizzieren. Gesagt werden kann, dass man Seite für Seite ein wenig mehr darüber erfährt, wie man entspannt sich Neuem zuwendet. Neugierde, Handlungsneigung, Refaming, Achtsamkeit und radikale Kooperation sind  dabei brauchbare Mittel, um gestalterisch etwas zu verändern oder weiterzuentwickeln.

Mit einem fröhlich-gelassenen Schulterzucken haben wir genau die Haltung angenommen, die es uns ermöglicht, mit chaotischen Umständen umzugehen, nicht zuletzt so wie wir sie täglich im Internet oder auch anderenorts erleben.

Der Autor empfiehlt, in einer seiner Shruggie-Regeln stets dazuzulernen, das gesamte Leben hindurch. 

Was noch? Weshalb Gelassenheit die beste Voraussetzung für Toleranz ist, wir zum Schluss erläutert.

Sehr empfehlenswert

 Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

Rezension: Die Karriere-Bibel- Jochen Mai- dtv

Autor dieses Werkes in der Top-Influencer im Internet #Jochen_Mai. Er ist u.a. Gründer von Karrierebibel.de. Dabei handelt es sich um eines der renommiertesten Job- und Karriereportale.

Mai leitete viele Jahre des Ressort "Management+Erfolg" bei der WirtschaftsWoche und arbeitete später als Social Media Manager in der Wirtschaft. Darüber hinaus ist er Dozent an der Technischen Hochschule Köln und tritt als Keynote-Speaker regelmäßig auf Kongressen und Firmenevents  auf.

Das vorliegende Buch enthält, so der Autor in seinem Vorwort, die Essenz dessen, war die Menschen in unterschiedlichen Zeitaltern über Glück und Erfolg herausgefunden haben. Es handele sich also um ein Destillat aus weisen Worten kluger Denker, die ihrer Zeit voraus waren, aus wissenschaftlichen Studien, historischen Anekdoten sowie Allegorien, aus Strategien erfolgreicher Strategen und mehr als 200 Büchern, die dazu geschrieben wurden.

#Die_Karriere_Bibel ist als Leitfaden für die berufliche Laufbahn der Nutzer gedacht. Die erste Karriere-Bibel erschien vor rund 10 Jahren. Diese wurde von der gleichnamigen Website des Autors begleitet, einer Website, die von rund drei Millionen Menschen im Monat gelesen wird. Auf diese Weise konnten in das Werk die Erfahrungen, Rückmeldungen und Kommentare aus rund zehn Jahren und jährlich Millionen von Lesern und Experten einfließen.

Eingeteilt ist die Karriere-Bibel in 12 Abschnitte,  die den 12 Monaten des Jahres zugeordnet sind. Jeder Anschnitt beginnt mit einem Zitat. Dabei stammt das erste Zitat vom Philosophen Friedrich Nietzsche. Es besagt:

"Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, aber nur wenige in Bezug auf das Ziel"

und weißt darauf hin, worum es im Buch primär geht: um Zielorientiertheit.

In jedem Monat wird ein bestimmtes Thema angesprochen, so etwa im Juli "Die Psychologie des Erfolgs" und im August beispielsweise"Krisen meistern". Jeden Tag gibt es dann Tipps, beruhend auf klugen Erkenntnissen, die dabei helfen, dass fokussierte Thema erfolgreich für sich zu bewältigen.

Es ist sinnvoll, täglich in diesem Buch und zwar das ganze Jahr über zu lesen, weil dann Lektion für Lektion unser Handlungsmuster sich allmählich ändert. Man erkennt seine Fehler, sofern man selbstkritisch ist und lernt diese klug zu überwinden.

In diesem Werk bleibt wirklich nichts ausgespart, auch die Kunst andere zu führen nicht und auch nicht die Beständigkeit des Wandels.

So liest man u.a., was man von #Steve_Jobs lernen kann, nämlich, dass man bedingungslos beruflich seinen Weg gehen muss, denn nur dies kann erfüllend sein. Man darf sich nicht von Dogmen einfangen lassen und der Lärm fremder Meinungen darf nicht unsere eigene Stimme übertönen.  Das Leben von Steve Jobs  macht deutlich, wohin eine solche Selbstbestimmung führen kann.

Sehr gut haben mir die Fragen gefallen, die am 28.September gestellt werden und die, wenn man sie ernsthaft beantwortet, das Leben tatsächlich verändern können. Was will man im Leben noch erreichen? Was macht uns zutiefst glücklich? Was ist uns bislang besonders gut gelungen? Bringt uns unsere Arbeit unseren Zielen näher? Woran sind wir bisher gescheitert? Was sollten wir öfter tun und was können wir unternehmen, um unseren Zielen näher zu kommen? Diese Fragen sollte man sich auch im herangereiften Alter stellen, um seinem Leben langfristig Freude und Sinn zu verleihen.

An jedem Tag gibt es einen Link zur entsprechenden Seite der Karrierebibel im Internet, wo man noch mehr über #Erfolgsregeln, #Machtstrategien, #Karriereprinzipien und #Lebensweisheiten erfährt, die den Berufsalltag erleichtern

Der rote Faden im Buch ist bei allem nachstehende Botschaft, das wird zum Ende nochmals betont: „Wer keine Ziele hat, kann nichts erreichen, wer nicht losgeht, kann nicht ankommen. Wer mittendrin aufgibt, allerdings auch nicht.

Maximal empfehlenswert

Helga König

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Rezension: Die Bessersprecher- Abschied von den größten Kommunikationsirrtürmern- Ines Garcia – Campus

#Ines_Garcia zählt zu den führenden Kommunikationsexpertinnen Deutschlands und betreibt auf Youtube die Podcast-Reihe "Gut reden kann jeder". Von der Speakerszene hat sich distanziert, weil diese ihr zwischenzeitlich zu oberflächlich erscheint und oft zu teuer sei für eine Show mit viel Augenwischerei und wenig Inhalt. 

Wie sie eingangs schreibt, geht es in der Rhetorik darum, dass wir mit Kommunikation unsere Ziele erreichen. Verbal und nonverbal.  Der Plan bestehe darin: Man hat ein Ziel, kommuniziert und erreicht das Ziel.

Oft werde Rhetorik mit Perfektion verwechselt, deshalb sehe die Idee von gutem Reden  nicht selten wie folgt aus: "charismatische Ausstrahlung, magische Wortwahl, wunderschöne Stimme, hypotonischer Blick und dabei eine Überzeugungskraft zum Niederknien."

Im vorliegenden Buch gibt  die Autorin im Rahmen von 18 Kapiteln bemerkenswerte Tipps wie man besser kommunizieren kann und fokussiert dabei gängige Kommunikationsmythen, so  etwa den Mythos, dass ein Du mehr Nähe schaffe.

Regeln passen nicht auf jeden und auch nicht in jede Situation. Genau hier ist ihr Ansatz von Isabel Garcia. 

Bei allem spielen Gelassenheit, Augenhöhe und Interesse eine große Rolle für ein gutes Gespräch. Das Ego und die eigene Idee zur Seite zu schieben, öffnet Raum hinzuhören, neugierig zu bleiben, um auf diesem Weg zielorientiert zu kommunizieren.   .

Empfehlenswert.

Helga König

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Die Bessersprecher: Abschied von den größten Kommunikationsirrtümern

Rezension: Streit!- Meredith Haaf-dtv

Meredith Haaf hatte Geschichte und Philosoph studiert, bevor sie als freie Journalistin für die FAZ, Spiegel Online, die taz etc Beiträge verfasste. Seit 2017 ist sie Redakteurin im Magazin "SZ Familie" und schreibt u.a. für das Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung". 

Die Autorin hält Konflikthaftigkeit für das Grundgefühl unserer Zeit. Dabei sei Streit der Schlüssel, um zu eruieren, was andere möchten. Gewaltbereitschaft- das sollte jedem bewusst sein- sei aber nicht die Steigerung von Streitlust, sondern deren Feind. Das Unvermögen den Konflikt und den Widerstand des Gegenübers zu ertragen, habe bittere Folgen, die unsere Freiheit beeinträchtigten. 

In immer mehr Ländern kämen jene Politiker an die Macht, die versichern, brachial über gesellschaftliche Konflikte hinwegzuregieren. Überall, auch in den sozialen Netzwerken gerate der Frieden unter Druck. 

Wer auf seiner Meinung beharre, Streit beginne oder den bestehenden Konsens einer Gruppe in Frage stelle, gelte als schwierig. 

"Wann gelingt eine Auseinandersetzung?" fragt Meredith Haaf  deshalb aus guten Gründen. Ganz gewiss, wenn dadurch Lösungen gefunden werden. Doch genau das ist möglicherweise zu viel. 

Streit mit Menschen, die uns nahe stehen, sei emotional anstrengender als mit jenen, die uns nicht so nahe stünden. Die Ursachen: Man habe Angst, von demjenigen isoliert zu werden, der uns nahe steht. Aber es sei wohl auch so, dass es schwer sei, die Grundbedingungen eines sinnvollen Streits zu erfüllen, weil die Rollen in engen Beziehungen starrer sind, in denen wir uns und andere wahrnehmen. Hierdurch sei die intellektuelle Empathie und Flexibilität schwerer zu halten. Der richtige Abstand- innerlich und äußerlich- sei für jede Kommunikation entscheidend.

Das Aggressionspotential im Internet sei beispielsweise besonders hoch. Dies sei der Tatsache geschuldet, dass wir hier allzu oft auf Menschen treffen, deren einzige Verbindung zu uns aus digitalen Daten entstehe. 

Wie auch immer, wer sich streite, habe zumindest etwas gemeinsam: das Interesse am Thema. Gemeinsame Themen seien etwas, was die Gesellschaft ausmachten und damit auch unsere Demokratie.  

Die Autorin betrachtet die Wut und was man, sofern man sie hat, besser lässt und benennt zudem den eigentlichen Wut-Schausteller unsrer Zeit beim Namen. Sie kennen ihn  gewiss auch. Mit diesem Beispiel zeigt Haaf, dass Wut niemals wirklich überzeugen kann, zumindest psychisch intakte, nachdenkliche Menschen nicht.

Reflektiert wird auch der Konflikt und die Angst und die sprachliche Selbstkontrolle, die notwendig sind, um im Streit klar denken zu können. Kompetente Argument-Gegenargument-Gespräche erfordern eine sehr hohe Konzentration. Nicht zu vergessen: Die Kunst zu streiten bedeutet auch, den anderen zu Wort kommen zu lassen. Das schlechte Gespräch sei ein Machtkampf, denn hier gehe es darum, den anderen rhetorisch platt zu machen. 

Zivilisiertes Streiten erfordere hingegen Respekt und Regeln. 

All das sehe ich genauso. Meredith Haaf ist der Vernunft verpflichtet.

Gefallen haben mir die Überlegungen, weshalb Streit schwer sei, aber auch die Überlegungen zum Dissens im digitalen Zeitalter. Lösungen gibt es hier bekanntermaßen höchst selten, dafür aber kann es sehr unangenehm werden. Dennoch ist es wichtig sich zivilisiert auseinanderzusetzen und sich nicht wegzuducken.

Wenn Sie wissen möchten, was Sie ändern müssen, damit Sie besser streiten können, empfehle ich dieses Buch.  

Helga König

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Streit!: Eine Aufforderung

Rezension: Das Gesetz der Herde- Gerd Ganteför - Edition Zeitblende

Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Gerd Ganteför. Er ist Experimentalphysiker und befasst sich in diesem Werk in 9 Kapiteln mit dem Gesetz der Herde. Konkret hat er sich ausgehend von den Elementarteilchen mit dem Gruppen-, Schwarm- und Herdenverhalten bei Tieren und Menschen auseinandergesetzt. Aufgefallen sind ihm bemerkenswerte Parallelen zwischen der unbelebten und belebten Natur sowie den Menschen. 

Man erfährt zunächst Näheres über Tiergemeinschaften. Obschon Tiere weitgehend instinktgesteuert sind, besitzen sie zahlreiche Verhaltensweisen, die an Menschen erinnern. Ähnlichkeiten sind vor allem feststellbar bei den Merkmalen: Hierarchie, Machtstreben, Kontrolle und Unterwerfung. 

Der Autor fragt nach, wie dominant archaische Instinkte dieser Art überhaupt sind und ob wir mit unserer Intelligenz diese Instinkte  beherrschen können. Über die Entwicklung der Intelligenz wird man aufgeklärt. Dabei waren der aufrechte Gang und Werkzeuggebrauch die ersten Indizien für eine erwachende Intelligenz. Der eigentliche Entwicklungsschritt vom Tier zum Menschen aber war die Beherrschung des Feuers. Eine entdeckte Feuerstelle mit Steinartefakten und Küchenabfällen in Israel ist 790 000 Jahre alt. 

Auch die Entwicklung der Sprache wird thematisiert. Diese muss erlernt werden und erfordert eine hohe Intelligenz, zudem ein gutes Gedächtnis. Über die Zunahme des Gehirnvolumens, auch über die Facetten der Intelligenz und über den Aufbau des Gehirns bleibt man nicht uninformiert, liest über die fünf Arten der Intelligenz, wobei Kreativität und kritisches Denken die höchste Form von Intelligenz verkörpern. 

Erschreckend, dass die Wissenschaft mittlerweile Methoden erfunden hat, um Menschen am kritischen Denken vorbei zu manipulieren. Für diese Technik, genannt "Nudging", wurde im Jahre 2017 der Wirtschaftsnobelpreis verliehen. 

Dann liest man über die Geschichte der Kommunikation, erfährt wie Bakterien miteinander reden, auch wie Zellen zusammenarbeiten und Tiere miteinander kommunizieren können. Daraufhin werden die fünf Revolutionen der Kommunikation erläutert. Gemeint sind: Die Sprache, die Schrift, der Buchdruck, Radio und Fernsehen sowie das Internet. Der Buchdruck, auch Radio und Fernsehprogramme sind Einbahnstraßen, während das Internet aus Nutzer Sender und Empfänger zugleich macht. Ein wesentlicher Vorteil ist das selbstständige Handeln, denn der Nutzer surft aktiv, angetrieben von Neugier und Abenteurergeist. Zudem erfordert das Erstellen eigener Posts Eigeninitiative und Unternehmergeist. Die Nachteile des globalen Internet werden natürlich auch aufgezeigt. Um diese wirklich zu begreifen, benötigt man kritisches Denken, das immer wieder subtilen Angriffen ausgesetzt ist. 

Im 5. Kapitel wird ermittelt wie viel Herdentier in uns steckt, wie groß der Drang zur Gemeinschaft tatsächlich ist. In Testreihen haben Verhaltensforscher genau analysiert wie das Verhalten einzelner Personen in einer Gruppe sich verändert. Dabei wurde klar, dass es sehr schwer ist, gegen die Mehrheit der Gruppe zu handeln, selbst wenn diese falsch liegt. Die meisten Probanden beugen sich dem Gruppendruck, obschon sie nur zu 20% wirklich der Meinung sind, die sie als Mitläufer vertreten. 

Man erfährt darüberhinaus Näheres über die archaischen Wurzeln des Herdentriebs und über die Aggressionshemmung in der Natur. Ein zu hoher Aggressionslevel macht es möglich, dass eine Art ausstirbt. Wenn ein Tier mehrfach Rangordnungskämpfe verloren hat, wird es unterwürfig, mutlos und ängstlich. Die Verhaltensänderung geschieht durch Hormonveränderung. Bei Menschen, die in kritischen Phasen ihrer Entwicklung gedemütigt werden, stellt sich der Hormonhaushalt ebenfalls  dauerhaft auf "Verlierer" um. Diese Personen werden von ihren Mitmenschen spontan als untergeordnet angesehen. Bei diesem Erkennen handelt es sich um eine archaische Fähigkeit. 

Man liest von Auswüchsen von Aggressionshemmung, die durch lang anhaltende Demütigung entstehen, um sich schließlich mit diversen Komponenten des Herdentriebs näher zu befassen. Hier werden zur Sprache gebracht: Gemeinschaft und Aufgabe Hierarchie, Anerkennung und Überlegenheit Macht und Kontrolle, Gefolgschaft und Gleichschaltung, Intoleranz und Feindbilder.

Weiter wird thematisiert wie sich der Herdentrieb auf die Gesellschaft auswirkt. Es wird gezeigt, dass in totalitären Systemen die Merkmale des Herdentriebs sich bestens einpassen, jedoch höhere Formen der Intelligenz mit totalitären Gesellschaftsformen nichts gemein haben. Die Demokratie sei die bislang einzige Gesellschaftsform, die der Intelligenz gerecht wird, weil sie das Umfeld bietet, das kritisches Denken und Kreativität fördert. 

Weiter wird gezeigt wie die Demokratie durch den Herdentrieb bedroht werden kann. Populismus und Polarisierung, Dogmatismus, Egoismus, Bürokratisierung, die Alterung der Demokratie, der Verlust der Mission, der Utopie und Gemeinschaft und weitere Gefahrenquellen, die auf dem Herdentrieb beruhen, sind die  fatalen Verursacher der Bedrohung. 

Kritisches Denken, Gemeinschaftsgefühl und bürgerliches Engagement stabilisieren und fördern die Demokratie. Von daher müssen dahingehend Menschen geschult werden. Wie das möglich ist, wird auch gezeigt. Dass Ächtung des "Nudging", der Methode zur Manipulation der Bürger durch subtile Methoden der Verhaltensökonomie dazu gehört, dürfte jedem klar sein. Reflektiert werden einzelne Punkte zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und wie man konkret mehr Demokratie leben kann, um diese zu stabilisieren. Wichtig ist, dass man das Internet als Chance begreift, kritisches Denken in der Schule trainiert, Meinungsvielfalt fördert und vieles verändert, was dem Gesetz der Herde nützlich ist,  für den aufgeklärten, freien Menschen aber das Aus bedeuten kann. 

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich.
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Das Gesetz der Herde: Von Primaten, Parolen und Populisten - Macht und Unterwerfung bei Tier und Mensch

Rezension: Eine Frau wird älter- Ulrike Draesner

Ulrike Draesner zählt zu den profiliertesten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen. Die 56 jährige Schriftstellerin wurde für ihre Romane und Gedichte mehrfach ausgezeichnet. Im vorliegenden Buch befasst sie sich mit dem Älterwerden von Frauen und wie man damit am besten zurechtkommt, fernab von den gängigen Klischees und kränkenden Erfahrungen aufgrund des Nicht- mehr –jung-Seins. 

Die Autorin hat eine solche kränkende Erfahrung mit ihrem Lebenspartner gemacht als sie bereits in ihrem 6. Lebensjahrzehnt stand. Diese Erfahrung scheint sie mittels des Buches zu verarbeiten, wobei die in die Brüche gegangene Beziehung, nicht ständig thematisiert wird, aber für den aufmerksamen Leser immer mitschwingt. 

Die Schriftstellerin erzählt von ihren Erlebnissen mit alternden Menschen in ihrer Kindheit und Jugend in ihrer Familie,  berichtet von den altersbedingten Veränderungen, die sie an ihrem Körper wahrnimmt, von dem Totschweigen der Menophase allerorten und dem verkrampften Umgang mit dem Älterwerden  besonders von Frauen. 

Für sie heißt die Frage: "Wie verstehe ich mich in der Entfaltung der Zeit, die ich noch haben mag, wenn es nicht um ein Abwärts nach einem Aufstieg geht?" Gemeint ist "ein planes Fortschreiten in der Zeit als Möglichkeit, als Mensch Facette um Facette ins Leben zu treten."

Nach Auffassung der Autorin war es für Menschen von einst problemloser, "der eigenen Gestalt kontinuierlich weitere Farbe, einen zusätzlichen Aspekt hinzuzufügen." In diesem Zusammenhang habe man früher von der Gnade es Alters gesprochen. Diese aber scheint es nicht mehr zu geben.

Ulrike Draesner hat sich daran bereits gewöhnt, dass ihr Innen- und Außenbild auseinanderklaffen. Sie bemerkt, dass das innere Alter sich bewegt, wenn sie es erlaubt, ohne es von vornherein festzuschreiben. Sie stellt fest, dass mit fortschreitendem Alter, ihre Vorfahren in ihrem Gesicht sichtbar werden und will sie erscheinen lassen. 

Sie weiß, dass Alter sich vollzieht und jeden trifft, hormonale Veränderungen ein Teil davon sind. Sie weiß aber auch, dass diese Jahre eine Frau nicht definieren. Wieso aber kommt sie auf die fixe Idee, dass Frauen für Männer aufgrund ihrer fortgeschrittenen Alters unsichtbar werden? 

Sind diese Vorstellungen es, die Frauen in chirurgische Runderneuerungen treiben? Sie schreibt, was sie unternimmt, um ihren Körper fit zu halten, auch wo ihre Grenzen liegen. 

Ihr  nachdenklicher Text liest sich stets flüssig, obschon man in ihren Gedanken unterschwellig die Irritation einer zutiefst gekränkten Frau erkennt. Sie ist intelligent, schön, wird es auch noch in 20 Jahren sein. Männer werden sie nach wie vor attraktiv finden, doch sie selbst kann das offenbar nicht glauben, weil sie sich mit den Augen ihren Verflossenen sieht, wie es scheint.. 

Sie schreibt, "Wechseljahre rühren an unserer Sterblichkeit". Wieso denn? Frauen können nach den Wechseljahren theoretisch noch 60-70 und mehr Jahre leben. Die Frage der Sterblichkeit stellt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich. Wenn eine Frau das Gebären von Kindern nicht in den Mittelpunkt ihres Lebens stellt, dann kann sie spielend leicht einen anderen Weltbezug herstellen und das Ende der Wechseljahre als Aufbruch in etwas Geistiges erleben.

Gefallen hat mir, dass die Autorin sich an ihre 98 jährige, verstorbene Tante erinnert, die so anders war  als das Angstbild vieler Frauen, die Furcht vor dem Altern haben: "Aus ihrem Körper schien eine Art Harmonie zu dringen. Sie verlieh ihrem Gesicht, trotz aller Falten und Alterszeichen, wie ihren Bewegungen ein Ebenmaß, das man nicht anders als Schönheit wahrnehmen konnte."

Was ist wichtig?  Seinen eigenen Weg zu gehen und die Vergänglichkeit als gegeben zu akzeptieren,  präsent zu sein. Dann  gibt es auch keine Unsichtbarkeit.

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Eine Frau wird älter: Ein Aufbruch

Rezension: Schokolade macht schlau und andere Medizinmythen- Stiftung Warentest

Dieses Buch ist eine Publikation von Stiftung Warentest. Die Stiftung wurde 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundestages gegründet, um dem Verbraucher durch vergleichende Tests von Waren und Dienstleistungen eine unabhängige und objektive Unterstützung zu bieten. Autoren des vorliegenden Buches sind Dr. Marleen Finloust und Prof. Dr. Patrik Vankrunkelsven. 

Thematisiert werden wissenschaftliche Studien, die die Grundlage für die sogenannte evidenzbasierte Medizin darstellen. Gemeint ist damit eine Heilkunde, die sich auf wissenschaftliche Belege stützt. Leider werden Befunde solcher Studien in den Medien oft übertrieben dargestellt. Dabei sollte man sich bewusst machen, dass ungenaue oder falsche Grundinformationen weitreichende Folgen haben können: Genannt werden: unnötige Ängste, überflüssige Behandlungen und Geldverschwendung. 

Das belgische Zentrum für Evidenzbasierte Medizin (Centrum voor Evidence-Based Medicine, CEBAM) hat die Studien, die in diesem Buch  zur Sprache gebracht werden, auf ihren Wahrheitsgehalt hin analysiert und bewertet. 

CEBAM und Stiftung Warentest greifen Medienberichte auf, tragen Studien und Fakten zusammen und relativieren durch ihre Untersuchungen übertriebene Hoffnungen und überzogene Ängste. 

Leider ist es unmöglich im Rahmen der Rezension auf  die vielen interessanten Untersuchungen näher einzugehen. Soviel nur: Zunächst liest man jeweils in kurzen Sätzen, was in den Medien über eine bestimmte Untersuchung geschrieben wird. Dann  nehmen die Autoren den Ball auf und  fragen  beispielsweise "Ist Rosmarin gut fürs Gedächtnis?" Anschließend erfährt man Näheres über die besagte Untersuchung und zum Schluss dann wird die eigentlich gute Nachricht präsentiert. 

Was z.B. tatsächlich stimmt, ist, dass Fettzellen unter Einfluss von Stress zu Vermehrung neigen und Menschen, die anderen helfen und für sie sorgen,  mental und physisch länger fit bleiben. 

Interessant auch ist, was man über ein möglich erhöhtes Demenzrisiko durch das Wohnen an einer befahrenen Straße herausgefunden hat und ob Pillen gegen Haarausfall tatsächlich Potenzprobleme verursachen können. 

Eine gute Nachricht einer schwedischen Forschergruppe besagt, dass körperlich fitte Frauen über 50 ein um 88 Prozent geringeres Demenzrisiko haben. Auch wenn die Autoren hier -  wie bei allen anderen Untersuchungen-   ihre Bedenken anmelden, meine ich, dass der Versuch fit zu bleiben,  ganz gewiss nicht schaden und der Glaube  bekanntermaßen Berge versetzen  kann. 

Empfehlenswert.

Helga  König
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Schokolade macht schlau und andere Medizinmythen: Gesundheits- und Ernährungsmythen auf dem Prüfstand I Von Stiftung Warentest

Rezension: Petticoat, Dauerwelle, Schulterpolster- Prestel

Die Zeitschrift freundin feiert ihr 70 jähriges Jubiläum. Der vorliegende Bildband nimmt seine Leser (m/w) und Betrachter (m/w) mit auf eine Zeitreise durch diese Zeitschrift in die sieben vergangenen Jahrzehnte. 

Neben vielen Fotos und Textbeiträgen aus alten Ausgaben der freundin kann man zudem Texte von Guido Maria Kretschmer, Judith Williams, Judit Milberg, Peter Praschl und freundin-Chefredakteur Nikolaus Albrecht durch das deutsche Frauenleben lesen. 

Wie Guido Maria Kretschmer bemerkt, sind schöne Handschuhe in den letzten Jahrzehnten nahezu völlig verschwunden. Er vermutet, dass es daran liegt, dass sie etwas Distanziertes haben. Auch Hüte haben heute keinen hohen Stellenwert mehr. Mag vieles, was als elegant und modisch galt, dem Zeitgeist zum Opfer gefallen sein, so ist eines aber geblieben: "die Sehnsucht der Menschen, gut angezogen zu sein."

Aufnahmen aus dem Jahre 1959 zeigen sehr bunte Kleider, unter denen man offenbar die damals hochmodernen Petticoats trug. 1965 dann waren geometrische Muster à la Mondrian angesagt und 1976 schließlich die bunten Overalls. Der Zeitgeist hatte sich eindeutig in eine ganz neue Richtung bewegt und die Modeschöpfer interpretierten ihn auf ihre Weise. 

Man lernt Bademoden aus längst vergessenen Zeiten kennen, auch Handtaschen und Schuhe und freut sich, als in den frühen 1990er Jahren, die Frauen ihren Körper zu modulieren begannen. Jetzt war Bodystyling angesagt. 

Die Bräute aus den frühen 1970ern wirkten in ihren romantischen, weißen  Kleidern rückwärtsgewandt, ganz anders 2012, wo die Bräute augenscheinlich ein Standing haben, wie man sich dies im letzten Jahrhundert hätte nicht träumen lassen. 

Dann darf man sich an die Seidenblusen erinnern, die man 1991 trug. Sie sahen toll zu hautengen Jeans aus. Schade, dass diese Mode dem Gestern angehört.

Im Kapitel "Beauty" lernt man Frisuren aus anderen Zeiten, lernt Utensilien für schöne Haare kennen, liest Wissenswertes über "Sieben Tage für die Schönheit" aus dem Jahre 1960 und  "Vorher-Nachher-Verblüffende Verwandlungen"  durch ein anderes Haarstyling aus dem Jahre 1994. 

Auch über "Food" wird berichtet. Ein Buffet aus dem Jahre 1964 lernt man kennen, das heute befremdlich wirkt und die Speisen aus dem Jahre 1960 gar, liegen jenseits der Grenzen des heute Vorstellbaren. Selbstgemachtes scheint gleichbleibend "in" zu sein, aber es hat heute ein anderes Niveau. Vor allem ist es viel raffinierter. 

Erinnert wird an die Phase, wo alles in Aspik gehüllt wurde und an Zeiten, wo ein "Baskischer Eintopf" als akzeptables Essen für Freunde galt, das die Gastgeberin als  weltoffen outete.

Genuss hat sich entschieden verändert.

Wohnen und Reisen ist ein weiteres Thema. Man fällt tot um, wenn man sich Schrankwände betrachtet, hergestellt in den 1960er Jahren. 

Reisen nach Venedig aus dem Jahre 1956 waren schon luxuriös, gemessen an dem Ferienleben im Freien in Zelten damals....

Lebensfragen werden in der Rubrik "Lieben und Leben" beantwortet. Auch liest man, welche Namen die begehrtesten für Neugeborene waren und dass eine Ehe im Schnitt derzeit 15 Jahre hält. 

1987 gab es einen Beitrag von Frauen, die an Computer arbeiten, damals noch ungewöhnlich, heute Gang und Gäbe...

Alles in allem ein gelungenes Buch, in dem man gerne blättert, wenn man über vergangene Zeiten und sich selbst ein bisschen lachen möchte. 

Empfehlenswert.

Helga König

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Petticoat, Dauerwelle, Schulterposter: Mit freundin auf Zeitreise

Rezension: Mitfühlen- Melanie Mühl- Hanser

Melanie Mühl ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Autorin schreibt in diesem Buch, wie sie im Untertitel schon andeutet, über eine wichtige Fähigkeit in unruhigen Zeiten.  Damit bezieht sie bereits Position und bewertet diese Fähigkeit wie auch die Zeiten, in denen wir Leben, in einer Weise, die neugierig macht, weiterzulesen.

Antisemitismus und Islamfeindlichkeit erstarken und der Populismus blüht, schreibt sie zu Recht und es ist auch wahr, dass das gesellschaftliche Klima kälter und der Ton aggressiver wird. "Im Netz tobt ein Shitstrom den nächsten".

Shitstorm ist tatsächlich zur Normalität geworden, nicht weil die Nerven blank liegen, sondern weil es immer mehr Menschen gibt, die den Schmerz der Angegriffenen nicht mehr mitfühlen können. Der Niedergang des Mitgefühls, so Melanie Mühl, die soziale Verrohung und der unversöhnlich polemische Ton, der allen in der Öffentlichkeit entgegenschlägt und uns alle betrifft, sollte dazu führen, dass wir diese Entwicklung besser zu begreifen lernen.

Mitgefühl könne es ohne Anstand nicht geben. Mitgefühl sei die Grundlage einer gelingenden sozialen Kultur. Mitgefühl kann man - dies die gute Nachricht- kultivieren, es sei denn man ist ein Psychopath, dann kann man es nicht. 

Die Autorin erläutert den Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl. Beide Begriffe werden oft in einem Atemzug genannt. Sie sind allerdings nicht miteinander identisch. Im Gegensatz zum nur empathischen Menschen, möchte der mitfühlende handeln.

Die Autorin zitiert Paul Bloom, der den Unterschied wie folgt ausdrückt: "Empathie heißt, ich fühle das, was ein anderer Mensch fühlt, Mitgefühl bedeutet, ich kümmere mich um den anderen, ich sorge für ihn."

Melanie Mühl erwähnt viele kluge Autoren und bezieht sich in ihren Reflektionen zum Thema Mitgefühl  immer auch auf diese. So kommt  u.a. Hans Magnus Enzensberger zur Sprache und  auch die von mir sehr geschätzte Susan Sontag, deren Essay "Die Leiden anderer betrachten" ich vor einigen Jahren rezensiert habe und den Frau Mühl nicht grundlos erwähnt.

Die Theorie des "Homo oeconomicus"- auch sie bleibt nicht ausgeklammert, wonach der Mensch nur darauf abzielt, stets seinen Nutzen durch sein Tun zu erhöhen, gilt als veraltet, weiß die Autorin und wirbt überzeugend in ihrem abwägend, lobenswert eloquenten Buch für die tatkräftige Eigenschaft des Mitfühlens, durch die viel Gutes bewegt werden kann.

Durch Mitgefühlstrainig schafft man es, die Basiskompetenzen zu schulen, die jeder braucht, um eine verantwortlicher, toleranter Weltbürger zu werden. Ein solches Mitgefühlstraining an Schulen zum Pflichfach zu machen, wäre eine sinnstiftende Maßnahme für einen kultivierteren Umgang miteinander.Warum nicht jetzt damit beginnen? Morgen könnte es schon zu spät sein, wie Anstieg des Rassismus und Antisemitismus in diesem Land deutlich machen.  Morgen könnte 1933 sein und was dann?

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Mitfühlen: Über eine wichtige Fähigkeit in unruhigen Zeiten

Rezension: Wie umwerfend darf ein Lächeln sein?- Rainer Erlinger- S. Fischer

Rainer Erlinger, der Autor dieses Buches, ist promovierter Mediziner und Jurist. Als Publizist arbeitet er primär auf dem Gebiet der Ethik. Vielen ist er durch seine Kolumne "Die Gewissenfrage" im Magazin der Süddeutschen Zeitung bekannt, wo er allwöchentlich, kleine und große Ethikprobleme seiner Leser überdenkt.   

Im vorliegenden Buch kann man sich eine Auswahl der besten Fragen und Antworten rund um die Liebe und das Leben zu Gemüte führen und sich Denkanstöße für eigenes Abwägen und Handeln geben lassen. 

Wie der Autor in seinem Vorwort bekundet, lassen sich die Fragen rund um die Liebe vier größeren Themenbereichen zuordnen:
1. Anbahnung: Suchen, Rendezvous, Flirts, Verlieben. 
2. Der Lauf einer Partnerschaft mit ihren Licht und Schattenseiten. 
3. Die schon genannten besonderen Schattenseiten Seitensprung und Eifersucht 
4. Die Nachwirkungen einer Beziehung.

Zusätzlich handelt Rainer Erlinger in diesem Buch auch Fragen zur Alltagsmoral aus anderen Lebensbereichen ab. Es gibt also viel Stoff zum Nachdenken und zur geistigen Bereicherung. 

Umfangreiche Literaturangaben hinter jeder Kolumne regen zum Weiterrecherchieren an, besonders wenn man sich möglicherweise mit ähnlichen Fragen beschäftigt. Kolumnen zu lesen,wie Rainer Erlinger sie schreibt, halte ich für wichtig, gerade in einer Zeit, wo ethische Verhaltensmuster immer mehr als gestrig abgetan werden und an erster Stelle das Ich und seine Begehrlichkeiten stehen. 

Empfehlenswert. 

Helga König
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Wie umwerfend darf ein Lächeln sein?: 111 Gewissensfragen rund um die Liebe und das Leben

Klingt logisch-Mach ich aber nicht!- Rüdiger Schache- Nymphenburger

Rüdiger Schache ist Weisheitslehrer, Coach, Seminarleiter, Vortragender und Autor mehrerer Bestseller zu lebensbestimmenden Themen. Seine Bücher sind weltweit in 26 Sprachen erschienen. 

In seinem neuen Werk geht es darum zu zeigen, wie man Fremdbeeinflussung löscht und eigene Vorstellungen stärkt. Dies geschieht in drei Schritten: 

1. Erkennen und durchleuchten 
2. Anhalten und abwägen 
3. Neu entscheiden und persönlich umsetzen. 

Zunächst thematisiert Schache wie man seine guten Gedanken zurückholt und zeigt an Beispielen, welche Erlebnisse diese Gedanken manipulieren können. Merksätze und Checklisten am Ende vieler Reflektionen und Übungen sollen helfen, sich das eigene Leben zurückzuholen, das aufrund von Dauermanipulation, leicht zu entgleiten droht. 

Anschließend erfährt man Wissenswertes über die acht Naturgesetze unseres Gehirns und wie man sich hier die Kontrolle zurückholt. "Zurückholen" ist übrigens einer der Kerngedanken im Buch. Wichtig ist, dass man bereit ist, auf alles zu verzichten, was ein Manipulator zu bieten hat, gegebenenfalls auf die gesamte Beziehung. 

Sich selbst schlau machen und Dinge auch nachzuprüfen, ist das A und O, wenn man Manipulationen entgehen möchte. 

Reflektiert wird u.a. der Selbstwert und wie man diesen aber auch seine Zeit zurückholt. Das ist möglich, wenn man sich z. B. von Zeiträubern befreit. Auch hier gibt es viele Denkanstöße, wie man sich Raum schafft, den man mit Sinnvollem füllen kann. 

Zudem wird man über Selbstboykott  aufgeklärt und lernt sich von einer fragwürdigen Aufopferungsrolle zu befreien.  Auch wird man über die Nachteile von Rechtfertigungen aufgeklärt,  kurzum man lernt wie man sich immer mehr  Manipulationsversuchen entledigt. Rechtfertigungen zeigen übrigens, dass man  sich bereits in der Falle eines Manipulators befindet.

Dabei sollte uns bewusst werden, dass nicht nur andere, sondern auch wir selbst uns manipulieren und  uns von unseren eigenen Zielen abhalten. 

Weshalb dieses Buch zu lesen sinnvoll ist? Weil es dabei hilft,  zu einem selbstbestimmten Leben zu gelangen. Ein solches Leben macht oft ein NEIN erforderlich, um nicht zu Spielball der Interessen anderer zu werden. 


Empfehlenswert

Helga König

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Klingt logisch! Mach ich aber nicht

Rezension: Weltmedizin- Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer-S.Fischer

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer gründete 1997 das interdisziplinär ausgerichtete Institut für Mikrotherapie in Bochum. Seit Jahrzehnten bittet er weltweit Kollegen, Schamanen und Heilerinnen, ihr Wissen mit ihm zu teilen und genau dieses Wissen hat er in dem vorliegenden Buch zusammengefasst.

Zunächst schreibt der weitgereiste Mediziner über die Kunst des Heilens und fragt, wie viel altes Wissen bereits verloren gegangen ist. Für Grönemeyer hat jede Medizinschule ihre Berechtigung. Deshalb führt er nicht grundlos an, dass man schon vor fast 4000 Jahren den sogenannten "Grauen Star", eine meist altersbedingte Linsentrübung, behandelt hat. Bei mangelndem Erfolg des Eingriffs sollten dem Augenoperateur die Hände abgehackt werden, wie man damaligen Gesetzestafeln entnehmen kann.

Der Autor unterstreicht, dass ihn seine Erfahrung gelehrt hat, dass man nachhaltige Heilungserfolge nur erzielen kann, wenn man sich menschlich auf den Patienten einlässt, ihn individuell wahrnimmt. 

Alte Heilerkenntnisse mit neuen zu verbinden, das ist das zentrale Thema des Buches. Deshalb erfährt man in der Folge mehr zur Akupunktur, zu Ayurveda, zu arabisch-persischer Medizin, zu Heilkräutern, zu Heilzauber, zu Hightech-Medizin, Klostermedizin, Massagen, Medizin der Mayas, Naturheilkunde, Qui Gong, Reflexzonentherapie, Schamanismus. Tai Chi, Traditionelle Chinesische Medizin, Trance, Tuina/Shiatsu, Yoga.

Zu all den Heilmethoden gibt es natürlich zwischenzeitlich viele Bücher, doch ist mir bislang keines bekannt, das so kompakt einen Überblick verschafft. Mit großem Interesse habe ich das Kapitel über das verlorene Wissen der Azteken, Inkas und Mayas gelesen, die ohne das chirurgische Instrumentarium von heute bereits Schädeloperationen durchführten.

Chili und Kakao wurden von diesen Völkern zu Heilzwecken eingesetzt, über die der Autor auch informiert. Zudem liest man u.a. über Weihrauch, von dem man heute weiß, dass er eine hemmende Wirkung auf Tumorzelllinien hat. 

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension all die Heilmethoden kurz anzureißen, fest steht auch  hier: Das Rad wurde nicht erst heute erfunden.

Sehr gut auch ist der sogenannte medizinische Pfadfinder zum Schluss, in der alle traditionellen und alternativen Heilweisen alphabetisch geordnet, kurz erklärt werden. So findet man z.B. unter dem Buchstaben "M" u.a. Näheres zu Makrobiotik, Meditation, Mineralien /Kristalle, Moorbäder, Musiktherapie und Muskelentspannung nach Jacobsen.

Wer das Buch aufmerksam liest, erkennt, dass Mediziner und Patienten klug beraten sind, sich ganzheitliche Heilkunst zu entscheiden. Auch hier gilt es voneinander zu lernen und nicht gegeneinander zu konkurrieren.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich.

Rezension Peter J. König: Tom Holland- Mohammed Der Koran und die Entstehung des Arabischen Weltreichs Klett-Cotta

Noch nie hat der Islam so viel Aufmerksamkeit, aber auch Ablehnung hierzulande erlebt, wie zuletzt, als durch die Wirren und Kriege im Nahen Osten sich Millionen von Menschen auf den Weg nach Mitteleuropa und hier ganz besonders nach Deutschland gemacht haben. Der überwiegende Teil dieser Personen sind als Araber islamischen Glaubens. Um zu verstehen, was es mit dem Islam und dem arabischen Weltreich auf sich hat und wie dieser Glaube entstanden ist und wie er sich explosionsartig über die ganze Welt verbreitet hat, dazu hat der britische Historiker Professor Tom Holland dieses sehr aufschlussreiche und überaus informative Buch mit dem Titel "Mohammed" veröffentlicht. Um ein solches Werk zu verfassen und noch viel wichtiger, es einer breiten, weniger sachkundigen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bedarf es neben der schier endlosen Fülle von geschichtlichen Fakten und Einordnungen, der richtigen Sprache die geeignet ist, den interessierten Leser zu erreichen und zu fesseln, um immer wieder diese Neugierde zu wecken, die es schafft auch noch so komplexe Zeitgeschehen zu verstehen und miteinander zu verbinden. Dies ist dem Autor bestens gelungen und wenn das eine oder andere nach der Lektüre dieses Buches auch wieder aus dem Bewusstsein verloren geht, nach aufmerksamen Lesen und Gebrauch der umfangreichen Zeittafel, der Dramatis Personae, dem Glossar, der Bibliographie, den Anmerkungen und dem Verzeichnis der Karten besitzt man doch einen fundierten Überblick über die Geschichte des Islam von seinen Anfängen bis zu den Tagen eines ausgedehnten arabischen Weltreiches unter der Ägide der islamischen Religion.

Es war keineswegs abzusehen, dass um die Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert die Araber eine weltgeschichtliche Revolution herbeiführen sollten. Alles begann mit dem Propheten Mohammed und den Kalifen, ihrem politischen Wirken und schließlich mit der Gründung Bagdads im Jahre 762. Tom Holland analysiert die geistig-politischen Umwälzungen jener Zeit in der Region und die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Großmächten der damaligen Zeit. Zugleich spürt er den tiefer liegenden Gründen nach, warum und wie Mohammeds Offenbarungen in einem abgelegenen Winkel der damaligen Welt und seine unbedingte Forderung nach Unterwerfung unter Allah der menschlichen Zivilisation ein neues Gesicht gaben. Im Gegensatz zu Jesu Christus, dessen Leben durch die Evangelisten nur vergleichsweise unzuverlässig überliefert wurde, weiß man über das Leben Mohammeds mehr oder weniger fast alles. Bekannt sind seine genauen Lebensumstände, seine Vermögensverhältnisse und seine Liebesbeziehungen. Zudem ist auch recht viel bekannt über die damaligen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Alles hat enorme Bedeutung um zu verstehen, warum der Islam sich auf solch rasante Weise verbreiten konnte. Welche Bedeutung dabei der allmähliche Untergang des Römischen Reiches gespielt hat und welche Rolle das bereits lange bestehende Judentum und die aufstrebende christliche Gemeinde gespielt hat und welche Rolle das Persische Reich dabei einnahm, alles wird hier profunde geschichtlich nachvollzogen. Trotz aller wissenschaftlicher Gelehrtheit bleibt es doch ein Mysterium, warum der Islam so erfolgreich agieren konnte, um sich auf der ganzen Welt zu etablieren. 

"Mohammed" von Tom Holland ist keineswegs ein Buch, das für Wissenschaftler geschrieben worden ist. Ganz im Gegenteil, es vermittelt Wissen auf verständliche und anregende Weise, um verstehen zu lernen, was es mit dem Islam auf sich hat, um die Hintergründe zu erfahren, warum und wie eine neue Welt-Religion entstanden ist und auf welcher intellektuellen Basis sie agiert. Ein solches Wissen erleichtert den Zugang zu den Menschen und ihren religiösen Anschauungen, die durch das politische Chaos nach Europa geflüchtet sind. Zugleich erweitert das Werk den Horizont des Lesers und gibt die Chance diesen Menschen tolerant auf Augenhöhe zu begegnen, denn der Islam ist eine Religion mit positiven intellektuellen Wurzeln und hat nichts mit der politischen Abartigkeit zu tun, die sich zuletzt durch den "IS" gezeigt hat.

Maximal empfehlenswert.

 Peter J. König

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Mohammed, der Koran und die Entstehung des arabischen Weltreichs