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Rezension:Die letzten Fragen der Menschheit: Mit allen Antworten (Broschiert)

Gunnar Homann schreibt seit 17 Jahren für das Satiremagazin "Titanic", dies spiegelt sich freilich nicht in seinem Buch "Die letzten Fragen der Menschheit" wieder, das er in die Kapitel:
Lifestyle und Society 
Architektur 
Wissen
Sport
Hobby und Beruf
Erziehung
Wirtschaft und Marketing 
Feuilleton 
Wenn es schnell gehen muss 
Infrequently Asked Questions 
Aus fremden Tagebüchern 
Nach den Fragen

untergliedert hat.

Hier stellt er kluge, rhetorische Fragen, die er mit dem nötigen Ernst zu beantworten weiß. 

Anstelle nun hier einige Fragen aufzulisten oder in meinen Worten Antworten aus dem Buch wiederzugeben, zitiere ich lieber eine Frage und eine Antwort stellvertretend für alle, weil ich vermute, dass Sie dann erahnen, was Sie in diesem Buch erwartet. 

Diese Frage wie auch die passende Antwort stammen aus dem Kapitel "Erziehung". Hier präsentiert der Autor übrigens 14 Fragen und Antworten plus einer Zusatzfrage. Dabei habe ich mich für nachstehende entschieden: 

 "Wie hochbegabt ist mein Kind?"

Antwort: "Immer mehr Kinder lernen heute laufen, sprechen, das Essen mit Messer und Gabel, lesen und Didgeridoo- oft vor der Volljährigkeit. Manche setzen sich sogar selbstständig in die Radanhänger. Solche Fertigkeiten fordern von Individuen, die von klein auf mit Scientific- American-Abonnements und Hegelgesamtausgaben konfrontiert wurden, massive Transferleistungen- die berühmte hohe Begabung. Neunundsiebzig Prozent der heute Achtjährigen habe sie, später sinkt die Zahl etwas. Lassen Sie diese Kinder fernsehen, wann immer sie wollen. Das mag schrecklich altmodisch klingen, hat sich aber in früheren Generationen bewährt. Smartphones und anderen Bimmelquatsch sollten Sie rigoros aus dem Haus verbannen; vorstellbar wäre ein internetfreier 4/86er PC zum Beispiel von Manufactum. Zeigt ihr Kind kein Interesse an Television, geben Sie es in eine Fördergruppe (zum Beispiel freiwillig in die Bundeswehr)." (S.133) 

In diesem Buch finden Sie, das sehen Sie an dieser Antwort sehr deutlich, auf die letzten Fragen der Menschheit wirklich erkenntnisbereichernde Antworten. 

Wichtig dabei ist, alles, was man hier liest, sehr ernst zu nehmen. Damit demonstrieren Sie nämlich sehr schön, wie gut Sie Ihre eigene Hochbegabung ins Erwachsenenalter hinüber gerettet haben. 

 Empfehlenswert.

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Rezension:Ich durchschau dich!: Menschen lesen - Die besten Tricks des Ex-Agenten (Gebundene Ausgabe)

Leo Martin hat Kriminalwissenschaften studiert bevor er zehn Jahre lang beim deutschen Geheimdienst tätig war und als einer der erfolgreichsten Agenten unseres Landes galt. Im vorliegenden kurzweilig zu lesenden Buch zeigt er an einem wahren Fall, den ich nicht gedenke, hier zu verraten und vielen Tricks aus dem Agentenhandbuch, sein Erfolgsgeheimnis.

Wie der Autor gleich eingangs hervorhebt, ist für Agenten und Agentinnen Menschenkenntnis eine Grundvoraussetzung. Martin möchte mit seinen Tipps uns Lesern helfen, die Absichten unserer Gegenüber zu durchschauen, um dadurch zu lernen, zielführend mit ihnen zu kommunizieren.

Nach der Lektüre von diversen Ratgebern von Psychologen fand ich die Erkenntnisse eines Praktikers ebenfalls sehr bereichernd. Man wird von ihm nicht nur über den Unterschied zwischen einem "Lupentyp" und einem "Weitwinkeltyp" aufgeklärt, sondern auch darüber wie "Macher", "Kontakter" und "Analysten" ticken und wie man mit ihnen erfolgreich umgeht.

Die Charakterisierung dieser zuletzt genannten drei Menschentypen fand ich sehr lehrreich und werde sie fortan speziell beim Scannen mir unbekannter Menschen mit einbeziehen, um unnötige Konflikte zu vermeiden.

 Interessant auch, was Leo Martin in puncto kriminalistischer Lügenerkennung zu berichten weiß. Lügen bedeute stets doppelte, dreifache oder vierfache Buchführung halten zu müssen. Wer lügt, sei körperlich und geistig belastet, (vgl.: S. 95). Der Autor zeigt, wie man beim Gegenüber kleine und große Lügen entlarven kann. Selbst, wenn man schon etwas länger auf dieser Erde lebt, lernt man von diesem Autor so manche versteckten Anzeichen von lügenhaftem Verhalten seiner Mitmenschen kennen, auf die man zuvor vielleicht nicht geachtet hat.

Was man u.a. von Leo Martin auch lernen kann, ist: einen Analysten nicht für unmenschlich, einen Macher nicht für unbeherrscht und einen Kontakter nicht für naiv zu halten. Man muss schon tiefer schauen, um die vielen Facetten dieser drei Typen in ihrer Gesamtheit auszuloten und darf sich nicht von Momentaufnahmen blenden lassen. Es ist immer ein Fehler sein Gegenüber zu unterschätzen und es aufgrund von vermeintlichen Schwächen klein reden zu wollen.

Ein Macher ist kein bloßes Großmaul, ein Kontakter keine bloße Plaudertasche und ein Analyst kein bloßer Prinzipienreiter. Alle habe eine Menge Stärken, die man gut nutzen kann in einem erfolgreichen Team. Das macht das vorliegende Buch dezidiert deutlich.

 Ein spannendes, lehrreiches Buch, das ich gerne empfehle.

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Rezension:Sprachlügen: Unworte und Neusprech von »Atomruine« bis »zeitnah« (Taschenbuch)

Die Autoren dieses bemerkenswerten Taschenbuchs sind der Linguist Prof. Dr. Martin Haase und der Diplompsychologe Kai Biermann. Sie stellen hier Worthülsen und Unworte vor. Dabei loten sie die Sprache der Politiker aus, fühlen Begriffen sowie Wortverdrehungen auf den Zahn und outen ideologische Implikationen als auch Manipulationen, wie man eingangs zusammenfassend erfährt und sich dann von Seite 7- 232 wenig belustigt überzeugen kann. 

Zur Sprache gebracht werden in alphabetischer Reihenfolge Begriffe wie "alternativlos", "Endlager", "ergebnisoffen" "Fortschrittsverweigerer", "parlamentarische Zwänge" etc. 

 Anstelle eines Nachwortes warten die Autoren mit eine politischen Grammatik auf. Hier werden gute versteckte Politiker-Worte beleuchtet. Es sind ganz normale Worte, die umgedeutet werden, Sprachkunststücke wie etwa das "Merkel-Wir", das "Wulffsche man" das "Gutenberg-Passiv", auch unpassende Sprachbilder, wie "vorübergehende Wachstumsdelle" oder "Rettungsschirm". 

Hingewiesen wird auch auf Scheinargumentationen u.a.m. Ein wichtiges Buch, das man genau studieren sollte, um zu verstehen, was ein Dialogpartner beabsichtigt, wenn er Unworte und Neusprech verwendet. Schön, wenn man sich dann kundig über die kurzen Beine freuen kann, anstelle verbal über den Tisch gezogen zu werden. 

 Empfehlenswert 

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Rezensuin:Brockhaus perspektiv - Zukunft 2030: Visionen der Welt von morgen (Broschiert)

Das Vorwort des BROCKHAUS "Zukunft 2030 Visionen der Welt von morgen" hat Prof. Dr. Meinhard Miegel verfasst. Er sagt für unsere nähere Zukunft u.a. voraus, dass die exzessiven Beschleunigung und Komplexitäten Individuen und Gesellschaft überfordern werden und die Folgen davon nur noch bedingt oder gar nicht mehr steuerbare wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Systeme seien. Er vermutet, dass die Systeme brüchig werden und man sich wahrscheinlich gezielt bemühen wird, unsere Welt wieder zu entschleunigen und zu vereinfachen. Er ist davon überzeugt, dass die Menschen alles unternehmen werden, um die Veränderungen ihrer Lebenswirklichkeit erneut ihren eigenen Veränderungsgeschwindigkeiten anzupassen. Mir gefällt die zuversichtliche Haltung des Vorsitzenden des Vorstands des Denkwerks Zukunft natürlich sehr, weil er von der Vernunft der Menschen ausgeht. Wollen wir hoffen, dass er mit seiner Prognose Recht behält und wir nicht zum Sklaven der Büchse der Pandora werden, die wir technikgläubig ohne große Bedenken im letzten Jahrhundert geöffnet haben. Wie viel Vernunft besitzen wir wirklich?

Das Buch ist in drei große Abschnitte eingeteilt: Die Zukunft der Industriestaaten Schwellenländer im Aufbruch Menschen Leben 2010.

Eine Vielzahl kompetenter Autoren wartet mit Essays, Sachtexten, Reportagen und Interviews auf. Thematisiert werden u.a Szenarien für die Zukunft in Europa, Japan im Jahr 2030, der Aufstieg Chinas und die Zukunft der arabisch-islamischen Länder. Auch über Brasilien liest man Wissenswertes, denn das Land hat gute Chancen mittelfristig eine Weltwirtschaftsmacht zu werden, (vgl.: S.124ff). Der langjährige Südafrikakorrespondent Stephan Kaußen beschreibt in seinem Essay dieses Land zwischen Aufbruch, Stagnation und Rückschritt. Dabei gibt es einen skeptischen Ausblick auf die Zukunft, (vgl.: 176).

Im 3. Abschnitt erfährt man u.a. wo die Krisenherde zukünftig lokalisiert sein werden und hier sollte man wissen, dass nicht einzelne Rivalitäten zwischen den Staaten die großen Konfliktrisiken der Welt 2030 bergen, sondern Faktoren wie Armut, Ressourcenknappheit und der Klimawandel sich nicht selten zu asymmetrischen Konflikten ausweiten können, (vgl.: 212).

Lesenswert auch ist der Essay über die globalen Folgen von Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Umweltveränderung. Hier resümiert Jochen Oltmer, dass auch zukünftig Migration ein globales Thema bleiben wird, (vgl.: S. 256).

Wie es um die westliche Kultur im Zeitalter der Globalisierung bestellt sein wird, erfährt man von Wilfried von Bredow, um in der Folge seitens Horsts W. Opaschowskis in seinem Beitrag ein lebendiges Bild unserer Gesellschaft in 20 Jahren gezeichnet zu bekommen. Ob die Voraussagen eintreffen werden, wird die Zukunft zeigen. Im Internet werden seitens des Verlags Zusatzangebote zum Thema 2030 bereitgestellt. Die Zukunft ist demnach mit diesem Buch noch nicht endgültig gewiss.

Alles hängt von unseren Entscheidungen im Jetzt ab. Fast alles. Möge Fortune uns allen eine gute Begleiterin sein.

 Empfehlenswert. 

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Rezension: Entweder vielleicht oder doch lieber ja: 90 lebenswichtige Entscheidungsbäume (Taschenbuch)

"Bin ich im falschen Film?" Selten habe ich mit so großem Vergnügen ein Buch studiert wie "Entweder vielleicht oder doch lieber ja". Ich bin mir sicher, dass ich es noch oft in die Hand nehmen werde, um amüsiert gedanklich darin spazieren zu gehen.

Auf den Weg gebracht wurden die "90 lebenswichtigen Entscheidungsbäume" von Heike Kottman und Beni Haslimeier.

Der Entscheidungsbaum, so erfährt man im Vorwort, wurde ursprünglich in der Informatik verwendet. Er stellt eine systematische Denkhilfe dar und ist eine Problemlösung, die dem Betrachter alle Möglichkeiten und die entsprechenden Konsequenzen aufzeigt.

 Was man spielerisch lernt, ist stringentes, problemorientiertes Denken. Im Buch werden 90 Ausgangsfragen gestellt, anhand der sehr witzigen Illustrationen folgt man dann beim Antworten den Pfeilen und erhält die entsprechend logische Lösung. Was man sehr schnell begreift: Es lohnt sich immer, die Folgen des eigenen Handelns zu überdenken.

Selten habe ich ein pädagogisch so wertvolles, kluges und dabei witziges Buch in der Hand gehabt. Die Illustrationen sind bestens. Wenn Sie einem Menschen eine wirkliche Freude machen wollen und dieser Menschen zumindest über etwas Humor verfügt, dann schenken Sie ihm dieses Buch.

 Mit dem Buch täglich zu üben, könnte zu "ganz neuen Erkenntnissen" führen, z.B. dass es keinen Sinn macht, immer wieder gegen die Wand zu rennen, sondern dass es besser ist, nach erfolgsversprechenderen Wegen Ausschau zu halten.:-))

Empfehlenswert.

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Rezension:Brockhaus perspektiv - Wahnsinn Bildung: Brauchen wir eine neue Lernkultur? (Gebundene Ausgabe)

BROCKHAUS perspektiv "Wahnsinn Bildung" ist in drei große Abschnitte untergliedert: Das sichere Fundament Durch Bildung zur Persönlichkeit Lernen ein Leben lang? Das reich bebilderte Buch enthält Essays, Sachtexte, Reportagen und Interviews, die sich mit dem Thema Bildung aus unterschiedlichen Blickwinkeln befassen.

 Mehr als 20 hochkarätige Autoren kommen hier zur Sprache. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer zeichnet gleich zu Beginn in seinem Beitrag "Was wir vom Gehirn lernen können" die Entwicklung des Gehirns in der Kindheit nach und schlussfolgert daraus, wann und wie am besten gelernt werden kann, (vgl.: 14ff). "Wie sinnvoll ist frühkindliche Förderung?" fragt Johannes Alexander Wiek in seinem Essay. Dabei befasst er sich auch mit der alltäglichen Sprache, die zu Hause oder auch im Kindergarten gesprochen wird. Mit Rumpfsätzen und Primitivstrukturen dürfe man sich nicht begnügen, stattdessen sollte man grammatisch und syntaktisch intakte Strukturen bieten, über einen umfangreichen Wortschatz verfügen, bild-konkret anstelle von abstrakt-gedanklich sein und Dialoge pflegen, (vgl.: S.48).

Wissenswertes erfährt man u.a. über das Konzept der ganzheitlichen Bildung seitens Dr.Charmaine Liebertz. Unter ganzheitlichem Lernen versteht man heute, dass das Kind ein geborener Lerner ist, welches vernetzt mit Kopf, Herz, Hand und Humor lernt. Es lernt spielerisch und mit Freude. Lernen bedeutet nicht nur Wissen anzuhäufen, sondern es ist ein individueller, selbstbestimmter und nachhaltiger Prozess, der am besten im respekt- und liebevollen Klima gedeiht. Lernen ist institutionsübergreifend und benötigt starke Partner und es beinhaltet, Fehler zu machen. Es muss uns bewusst sein, dass wir ein Leben lang lernen und dass bei allem das Denken und Fühlen eine Einheit bilden sowie Lernen und Erziehen überall eins sind, (vgl.: S.71).

Hervorheben möchte ich im 2. Abschnitt den Essay von Stephan Saathoff "Was bleibt vom universellen Bildungsanspruch?" Gefallen hat mir hier die Definition von Bildung: "Bildung heißt Informationsquellen reflektiert zu nutzen und mit diesem Wissen sich und eigene Erfahrungen zu bilden." (Zitat: S.126). Saathoff stellt in den Raum, dass man eventuell in Deutschland wieder verstärkter auf Humboldt und dessen Bildungsideal vertrauen sollte. Aber er weiß, dass eine breitgefächerte Bildung mit vielfältigem theoretischen und praktischen Wissen für eine möglichst breite Gruppe der Bevölkerung nicht kostengünstig zu haben ist, (vgl.: S.132 ff). Ich stimme mit Saathoff überein, dass die Zukunft unseres Landes es uns wert sein sollte.

Dr. Birgit Eickelmann schreibt über das "Lernpotential der Neuen Medien". Sie erläutert zunächst, was man unter den Neuen Medien zu verstehen hat, wie sie in den Schulen eingesetzt werden und weshalb es notwendig ist, dass Kinder schon früh den Umgang mit den digitalen Medien erlernen. Die Autorin beleuchtet u.a. die digitalen Kompetenzen im 21. Jahrhundert und hebt dabei zwei Kernbereiche hervor, die sie dann näher gut nachvollziehbar erläutert.

Dr. Bernhard Bueb schreibt über die verkannte Bedeutung von Disziplin und beleuchtet in seinem Essay das kontroverse Konzept in seiner Bedeutung für die Gesellschaft, (vgl.: S.176ff).

Lebenslanges Lernen, dies die Botschaft zu Ende meiner Rezension, kennt übrigens keine Grenzen. "Wer also ins lebenslange Lernen eingebunden ist, das aufgrund seiner großen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Bedeutung zu einer Form der gesellschaftlichen Teilhabe wird, der tut damit nicht nur etwas für den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit, sondern ist auch sozial eingebunden in eine Gemeinschaft Lernender. Und das ist schon für sich genommen gut." (Zitat. Prof. Dr. Christian Stamov –Rosnagel).

Wenn Sie eine Antwort darauf finden wollen, ob wir eine neue Lernkultur brauchen, sollten Sie sich zwecks Meinungsbildung mit den eloquenten Texten im Buch auseinandersetzen.-

PS: Im Internet kann man dann exklusive und monatlich erweiterte Zusatzangebote zu dem vorliegenden Thema von BROCKHAUS erhalten.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension: Internet - Segen oder Fluch- Sascha Lobo, Kathrin Passig

"Leute mit vielen Netz- und wenigen Direktkontakten als "vereinsamt" zu bezeichnen, ist gleichbedeutend mit der Blindheit für die soziale Funktion des Internets." (Zeynep Tufekci, Netzsoziologin, S.225)

 Die Autoren dieses Buches, Kathrin Passig und Sascha Lobo zählen zu den Pionieren des digitalen Wandels. Sascha Lobo hat übrigens derzeit 128979 Follower auf Twitter (Stand: 25.11.2012, 20.30 Uhr) und damit einen nicht hinwegdiskutierbaren meinungsbildenden Einfluss. Der Kenner der Szene weiß: "Wer zum Beispiel hunderttausend Followers auf Twitter hat, kann schnell viele Mitdiskutanten mobilisieren, Abstimmungen manipulieren, eine Meinungsfront inszenieren." (Zitat: Sascha Lobo, S. 175).

Die beiden Autoren befassen sich in diesem Buch sehr sachlich mit vielen Fragen, die sich aufgrund des Netzes, das für beide unstreitig die Welt verändert hat, ergeben haben.

Im ersten Kapitel werden Verständnisschwierigkeiten zwischen Technikoptimisten und Technikskeptikern bei Diskussionen zu Sprache gebracht. Offenbar scheint eine der verständnishemmenden Ideen die Vorstellung eines "digitalen Grabens" zu sein, der zwischen "Digital Natives" und "Digital Immigrants" verläuft. Anschließend erfährt man, dass für das Internet die Metapher von Anfang an eine große Rolle gespielt habe und dass man mit der Wahl einer solchen Metapher auch auswählt, welche Bereiche des Internets man besonders hervorhebt und wichtig findet und welche man ausblendet, (vgl.: S.41). Interessant, was man im Hinblick auf das Narrativ "Anonymität im Internet verschlechtert die Qualität der Diskussionen" lesen kann. Erwähnt wird hier eine statistische Auswertung von Disqus (dies ist eine der meistgenutzten Kommentarplattformen im Netz). Dort wurde nachgewiesen, dass konstant etwa 10 Prozent der Kommentatoren mit Echtnamen und 10 Prozent mit Pseudonym negative Kommentare abgeben, (vgl.: S.43).  Offenbar ist es für Querulanten unerheblich, ob sie mit oder ohne Echtnamen ihr Mütchen kühlen.

Zu Sprache gebracht wird in der Folge der Umgang mit Erfindungen und Entwicklungen und es wird daran erinnert, dass das heute als gewissermaßen ursprünglicher und technikfreier Gegenentwurf zum Internet diskutierte gedruckte Buch einst nicht weniger künstlich als sein Nachfolger war, (vgl.: S. 59).

Kapitel für Kapitel werden Argumente genannt, die sich als nicht besonders stichhaltig erweisen, sowohl für die Pro- als auch die Kontraeingestellten im Hinblick auf die virtuellen Welt.

Hinterfragt wird u.a. , was eigentlich Fortschritt sei und was man unter "Disruption" zu verstehen habe. Von Disprution spricht man, wenn durch eine neue Technologie eine ganze Branche sich verändert. Unternehmen, die von solchen disruptiven Neuerungen profitieren möchten, müssen sich an neue Käufergruppen wenden, die in einer Innovation nicht eine schlechtere Version des bisherigen Produktes sehen, (vgl.: S.86). Alle Branchen durchlaufen Phasen der Disruption. Klug beraten ist der, der sich dem Neuen gegenüber öffnet. Was damit gemeint ist, erleben wir gerade beim Untergang der Printmedien.

Weitere Themen im Buch sind die Beschleunigung, aber auch die so genannte Informationsüberflutung. Wie sehr zutreffend unterstrichen wird, hat sich die Gesellschaft mit dem Zuwachs an verwirrenden Informationen neue Filter geschaffen, die durch persönliche Wahrnehmungsfilter ergänzt werden, (vgl.: S.112). Bewältigungsstrategien scheinen nicht notwendig zu sein, da die User des Internets ohne schlechtes Gewissen ohnehin knapp hundert 100% der Informationen an sich vorüberziehen lassen, (vgl.: S.116).

Die Überlegungen im Buch zum Grundkonflikt Kontrolle und Freiheit im Internet sollte man sich nicht entgehen lassen, damit man begreift, wie kompliziert es auch hier ist, eindeutige Antworten zu finden. Der Umgang mit persönlichen Daten im Netz und der Umgang der Personen im Datennetz miteinander werden ebenfalls beleuchtet. Im Kapitel 13 geht es um "Social Media" und hier u.a. darum, wie sich die virtuelle Interaktion auf die Beziehungen von Menschen auswirkt. Auch bei diesem Thema werden die vermeintlichen Probleme ausgewogen zur Sprache gebracht. Vorurteile, die von Seiten der Befürworter und Gegner immer wieder ins Feld geführt werden, wenn es um Internetfragen geht, werden bestens als solche entlarvt.

Wir stehen am Anfang einer großen Entwicklung, der man sich zwar nicht unkritisch, aber generell entspannt öffnen sollte, wie ich meine. Es gibt viel zu lernen. Das vorliegende Buch bietet Orientierungshilfe, um wertfrei mit dem Neuen umzugehen und es sinnstiftend zu nutzen.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Love is the Cure: Über das Leben, über Verlust und wie wir Aids besiegen können (Gebundene Ausgabe)

Der überaus erfolgreiche Sänger, Komponist und Pianist Elton John ist der Autor dieses sehr informativen und dabei einfühlsamen Buches, das er der Aids-Thematik gewidmet hat. Der Musiker hat vor 20 Jahren eine Aids-Stiftung ins Leben gerufen, die unendlich vielen Betroffenen das Leben gerettet hat. Im Jahr 1992 gab es 1,5 Millionen mit Aids infizierte Menschen, heute sind es bereits 34 Millionen, die an dieser Krankheit leiden, (vgl.: S.87).

 Der Musiker berichtet von der Zeit als er noch ignorant dem Drogenkonsum frönte und jeden Tag für ihn die Gefahr bestand, an Aids zu erkranken. Viele seiner Freunde starben in den 1980er Jahren an dieser Krankheit. Dabei muss man wissen, dass das Infektionsrisiko für Homosexuelle, Hämophile (Bluter), Heroinabhängige und Haitianer am höchsten ist.

Elton John berichtet u.a. vom Tod seines Freundes Freddy Mercury, der Ende 1991 verstarb und der ihn durch seinen Kampf gegen Aids ebenso inspirierte wie der kleine, tapfere, sehr engagierte Junge namens Ryan, ein Bluter, der ebenfalls aufgrund von Aids sterben musste.

Über 35 Millionen Tote, so liest man, starben in den letzten 30 Jahren an Aids. Nach wie vor ist diese Krankheit die sechsthäufigste Todesursache weltweit. Trotz dieser Tatsache ist Aids in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent, wie noch vor 20 Jahren.

 Elton John beschreibt diese Krankheit wie folgt: Stellen sie sich vor, wie sich in Ihrem Mund so viele Stellen bilden, dass sie nicht mehr essen können. In ihren Lungen sammelt sich so viel Flüssigkeit an, dass sie nicht mehr atmen können. Sie sind so erschöpft, dass sie nicht mehr den Kopf vom Kissen heben können. Sie verlieren die Kontrolle über ihre Blase, Ihre Verdauung, Ihre Sinne. So starben meine Freunde in den achtziger Jahren. So sterben heute noch Millionen Menschen weltweit," (Zitat: S.32).

 Der Autor John schreibt davon, wie es französischen und amerikanischen Forschern gelang, 1984 den Virus zu identifizieren, berichtet auch über die medizinischen Fortschritte seither, natürlich auch von dem Medikament AZT, das den Ausbruch von Aids bei den HIV-positiven Patienten verzögerte.

 Mitstreiterinnen im Kampf gegen Aids waren vor allem Lady Diana und Elisabeth Taylor, das erwähnt der Musiker im Buch immer wieder. Wie Elton John erwähnt, sind über Jahre viele Unternehmen Partnerschaften für Benefizveranstaltungen und Produkte eingegangen, so dass die Mittelbeschaffung als der einfachsten Teil des Engagements bezeichnet werden könne, (vgl.: S.77).

 Der Autor schreibt über die Ausbreitung der Epidemie in Washington. Dort ist die große Mehrheit HIV-Positiver Menschen schwarz und arm. Er schreibt auch über Südafrika, wo die Epidemie am schlimmsten weltweit wütet und hauptsächlich beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen wird. In Südafrika wird alle 26 Sekunden eine Frau vergewaltigt. Opfer sexueller Gewalt sind aber nicht nur Frauen, sondern auch Männer, Mädchen und Jungen und sogar Babys. Dabei muss man wissen, dass der Aberglaube dort vorherrscht, man könne Aids mittels Sex mit einer Jungfrau kurieren, (vgl.: 102).

Die Stiftung baute gemeinsam mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen und mit lokalen Organisationen vor Kapstadt eine Krankenstation, die täglich 24 Stunden geöffnet ist. Im sogenannten Simelela-Zentrum finden die Opfer durch medizinische Versorgung Hilfe.

Der Autor berichtet von der Homophobie weltweit, weil sie die Gesundheitserziehung behindert und Aktivitäten erstickt, die zur Eindämmung von HIV beitragen können, (vgl.:S. 113). In der Ukraine übrigens sind alleine 400 000 Menschen infiziert. Dieses Land hat das größte Aids-Problem in Osteuropa. 60% der Erkrankten dort sind zwischen 20-34 Jahre alt.

Elton Johns Stiftung fínanziert viele Projekte überall auf dieser Welt, die dieser Krankheit den Kampf angesagt haben.

Der Musiker appelliert an die Verantwortung und geht sehr kritisch mit all jenen um, die sich ihrer Verantwortung entziehen und er unterstreicht sehr realistisch, dass alle, die guten Willens sind, das Problem letztlich nur dann in den Griff kriegen, wenn die Regierungen, die Pharmafirmen und andere Unternehmen sowie die Kirche sich ebenfalls engagieren. Elton John weiß: "Wenn wir alle zusammenarbeiten und das Mitgefühl in den Mittelpunkt unserer Bemühungen stellen, ist es möglich, Aids zu besiegen", (Zitat: S. 192). Mit dem vorliegenden Buch rüttelt er die Leser auf und macht auf den weltweiten Skandal,der in der in der Ignoranz der Verantwortlichen zu suchen ist, aufmerksam.

Empfehlenswert.

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Rezension:Vom Zauber der Rauhnächte: Weissagungen, Rituale und Bräuche für die Zeit zwischen den Jahren (Gebundene Ausgabe)

"Vom Zauber der Rauhnächte" eignet sich als Begleitbuch zu dem Bildband " Alpen Dämonen: Geheimnisvolle Mythen und Riten aus den Bergen", den ich gestern rezensiert habe und das, obschon die Publikationen aus unterschiedlichen Verlagen kommen.

Auf den Weg gebracht haben das spannend zu lesende Büchlein die Heilpraktikerin Vera Griebert-Schröder und die Kulturwissenschaftlerin Franziska Murr.

Rauhnächte, so erfährt man, markieren eine Lücke im normalen Kalender. Diese ergab sich, als man vom Mondkalender abkam und sich an der Sonne auszurichten begann. Das Mondjahr dauert nur 354 Tage, wohingegen das Sonnenjahr sich bekanntermaßen auf 365 Tage erstreckt. Um einen Ausgleich zu schaffen, wurden die fehlenden Tage als eine Besonderheit, -die Raunächte- angefügt. Angeblich sollen sich dann die Tore zu Anderswelten öffnen und positive wie auch negative Wesen aus dieser Welt zwölf Tage lang auf Erden weilen, (vgl.: S.25).  

Die Autorinnen berichten ausführlich über die Anderszeit, die auch eine Zeit der Weissagungen und Vorausschau ist, die von Schamanen, Heilkundigen, Weisen und Magiern genutzt wird, um sich dann eine Vision für ihr weiteres Wirken zu erbitten, (vgl.: S.27).

In den Rauhnächten soll man innehalten, sich Zeit zur Muße gönnen, auch für tiefe Gefühle sowie deren Austausch und Dinge einfach geschehen lassen.

Unterrichtet wird man über die Bräuche und Regeln der Zeit zwischen den Jahren, über den tieferen Sinn der Böllerei zum Jahreswechsel, auch über den Sinn des Räucherns und über die spezielle Wirkung von Weihrauch und seine Geschwister.

Erläutert werden klassische Orakel während der Rauhnächte, wie Bleigießen und Rituale, zudem erhält man einen Wegbegleiter durch die zwölf heiligen Nächte, dessen Fragestellungen ich für durchaus sinnvoll halte.

Da ich selbst nicht frei von Aberglauben bin, habe ich das Buch mit Interesse gelesen. Besonders gefällt mir das Ritual, bei dem man ein Kerzenlicht anzündet, um sich mittels des Lichtes mit dem eigenen Inneren in Verbindung zu bringen. Ich bin überzeugt, dass das Miteinander von uns Menschen sich bei Weitem besser gestalten würde, wenn man die eigene Seele täglich ausleuchtet. Projektionen würden dann wohl kaum mehr stattfinden.

 Empfehlenswert. 

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Rezension:Die Chronik der Deutschen

Dieses reich bebilderte, sehr informative Nachschlagewerk zur deutschen Geschichte nimmt seinen Anfang bei den Spuren der ersten Bewohner Mitteleuropas und ist in fünf große Abschnitte gegliedert, die da lauten:

-Von den Anfängen bis zur Reformation 
-Vom Zeitalter der Glaubenskämpfe bis zum Wiener Kongress 
- Vom Wiener Kongress zum Ende des Kaiserreichs -
Weimarer Republik, Nationalismus und Zweiter Weltkrieg
 -Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg

Im Rahmen der fünf Abschnitte wird eine Fülle historischen Wissens dargeboten. Für den schnellen Überblick stehen immer wieder Kalendarien zu Verfügung. Im Rahmen von größeren und kleineren Beiträgen werden unzählige historische Ereignisse thematisiert, aber man erhält auch Gelegenheit erhellende Essays zu lesen, so etwa über die Entstehung der deutschen Sprache, über Klosterleben und Landesbau, über den "Schwarzen Tod", der Europa entvölkerte, über die Zünfte in der mittelalterlichen Stadt, über Weimar, der Wiege der deutschen Klassik und über "60 Jahre Deutschland- Glücksfall der Geschichte“,einen Essay von Egon Bahr.

Viele Bilder und Karten begleiten das umfangreiche Textmaterial, das zu speziellen Stichwörter Wissenswertes bereits hält, wie etwa zu den Burgundern und dem Nibelungenlied, zu den rauhen Sitten am Hofe Fredgundes, zur Inquisition, den Ghibellinen und Guelfen, um nur einige zu nennen.

 Des Weiteren wird mit sehr guten Personenporträts aufgewartet, so etwa zu dem tschechischen Reformator Jan Hus, zu dem Theologen und Revolutionär Thomas Münzer, zu dem Universalgelehrten und Diplomat Gottfried Wilhelm von Leibnitz, zu dem Theoretiker des Kommunismus Karl Marx, zu Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche und anderen mehr.
 Auch mit Zitaten wird und TING Hörbeispielen wird nicht gespart. Es macht immer wieder Freude in diesem Buch zu lesen. Ich empfehle es sehr gerne all jenen, die sich einen historischen Überblick verschaffen wollen. 

 Hinweisen auch möchte ich die Auflistung der Herrscher und Staatsoberhäupter zum Schluss. Soeben habe ich einen Essay über das beschwerliche Reisen im Mittelalter gelesen und hier über die vielen Menschen, die Pilgerreisen oder Wallfahrten unternahmen. Um das Jahr 1500 sollen es allein 200 000 bis 500 000 Pilger gewesen sein, die sich auf den langen Weg machten, um Buße für ihre Sünden zu tun. Ich bin sicher, dass viele geläutert zurück kamen und ein anderes, gottgefälligeres Leben begonnen haben.

 Empfehlenswert. 

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Rezension:Glauben Sie noch an die Liebe?:

Dieses Buch von Justus Bender und Jan Philipp Burgard enthält 18 Interviews zum Thema Liebe, die die beiden Redakteure mit folgenden Persönlichkeiten geführt haben: Franz Müntefering, Gloria von Thurn und Taxis, Jürgen Großmann, Sonya Kraus, Roger Willemsen, Claudia Roth, Guido Knopp, Rolf Eden, Hannelore Elsner, Eckard von Hirschhausen, Michaela Schaffrath, Rainer Langhans, Michel Friedmann, Ursula von Leyen, Eckart Witzigmann, Franziska Knuppe, Feridun Zaimoglu und Margarete Mitscherlich.

 Mit großer Neugierde habe ich die Fragen der Interviewer gelesen und mich über den Tiefgang der stets auf die jeweilige Person zugeschnittenen Fragen gefreut. Die Antworten von Rainer Langhans haben mir besonders gut gefallen. Er hat sich offenbar sehr intensiv mit der Liebe auseinander gesetzt und lebt deshalb seit langer Zeit bereits "zölibatär", was keineswegs bedeutet, dass er mit Frauen keinen Körperkontakt hat, sondern heißt, dass er sich nicht mehr in Frauen ergießt.

Ihm geht es darum, einen geistigen Zusammenhang zu der Person, die er liebt, herzustellen. Die funktioniert am besten, wenn man die Körper getrennt hält, so seine Worte. Damit hat er vermutlich nicht Unrecht. Nach seiner Erfahrung funktioniert das im Internet sehr gut, weil dort eine Vorstufe zur völlig entmaterialisierten, geistigen Kommunikation stattfindet. Hier konditionierten wir uns zu einer Art Telepathie, zu Fernliebe, zu dieser Art von Verschmolzenheit, die wir an sich schon immer hatten, (vgl.: S.185).

Für Langhans ist klar, dass ein liebender Mensch immer auch ein spiritueller Mensch ist und ein materialistischer Mensch niemals lieben kann. Auch hier stimme ich ihm zu. Liebe ist für Langhans die höchste Stufe der Kommunikation und die höchste Stufe von Liebe ist Verschmolzensein. Ja, stimmt genau. Wie ich finde, hat Langhans auch Recht, wenn er konstatiert, dass die "große Liebe" nicht in der Materie geht und von daher die großen Liebenden sterben müssen. Diesem Gedanken sollte man nicht vorschnell widersprechen.

 Auch Rolf Eden ist der Ansicht, dass Sex nichts mit Liebe zu tun hat. Er muss es wissen, denn er hatte mit 1000 Frauen Sex und nur wenige geliebt. Roger Willemsen berichtet ebenfalls von einer Liebe in seinem Leben, die körperlos bleibt, die in symbolischen Akten besteht, (vgl.: S.86). Seine körperlichen Liebesgeschichten sind immer befristet, doch die andere bleibt.

Es ist schon erstaunlich letztlich auch hier wieder Langhans und seine Vorstellung zurückzukommen, dass die wahre Liebe sich auf seelischer Ebene ereignet. Hannelore Elsner glaubt immer noch an die wirkliche Liebe. Einander erkennen scheint der Gradmesser der wirklichen Liebe zu sein, wie sie glaubt. Das denke ich übrigens auch.

Es ist natürlich unmöglich im Rahmen der Rezension auf all die Meinung zur Liebe in diesem Buch einzugehen, allerdings möchte ich die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich hier besonders hervorheben, die von den beiden Interviewer wenige Monate vor deren Tod am 12.6.2012 noch befragt wurde. Sie glaubte, dass die meisten Beziehungen daran zerbrechen, dass die Menschen sich nicht bemühen, einander wirklich zu verstehen. Das Buch enthält wundervolle Dialoge und es ist schade, dass man diese hier nicht in der Gesamtheit betrachten kann. Dazu sind die Fragen und Antworten zu vielschichtig

Der Mediziner Eckart von Hirschhausen bejaht, dass man an gebrochenem Herzen sterben kann und bestätigt damit, was alle Menschen seit den Zeiten im Paradies wissen: "Schön ist die Liebe, solange sie erwidert wird." (Zitat: Seite 160)

 Empfehlenswert.

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Rezension:Der Jugend Brockhaus Knigge - Total daneben?!: Krawatte, Knicks und Knigge-Tipps

No-Gos beim Zuhören: das Handy zücken, auf die Uhr sehen, den Blick umherschweifen lassen, offensichtlich gähnen, Gesprächspartner ins Wort fallen, plötzlich das Thema wechseln, abgewandte, verschlossene Körperhaltung, (siehe Seite 68).

Dieses Buch sollten Eltern Ihren heranwachsenden Kindern in die Hand geben, weil es ohne oberlehrerhaft daher zu kommen, Hilfestellungen gibt, sich den gesellschaftlichen Gepflogenheiten des Hier und Heute entsprechend zu verhalten.

Dieser Jugend Brockhaus ist sehr pfiffig gestaltet und dürfte gerade junge Menschen ansprechen. Dabei ist dieser Ratgeber in sieben Kapitel untergliedert.

Knigge-Basics
Begrüßen und einander vorstellen
Kommunizieren und Konflikte lösen
 Essen, Trinken und Einladungen
Bewerbung und Vorstellungsgespräch Praktikum,
Ausbildung und Job Unterwegs 

Die sinnvollen Verhaltensmuster werden gut erläutert. Sich diese bewusst zu machen, kann nur vorteilhaft sein. Das Buch hilft jungen Menschen sich angemessen zu verhalten und einen guten Eindruck bei ihren Mitmenschen zu hinterlassen. Nichts schlimmer, als Menschen, die ihren Mitmenschen nicht den notwendigen Respekt sollen und durch schlechte Manieren auffallen. Schlechte Manieren sind ab einem bestimmten Alter immer ein Ausdruck von Respektlosigkeit seinen Mitmenschen gegenüber

 Empfehlenswert.

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Rezension:Die Kunst, Vertrauen zu schaffen: Wie man Freunde gewinnt in Zeiten des Internet (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch beruht auf den Grundgedanken des von Dale Carnegie verfassten Buches "Wie man Freunde gewinnt", das bislang weltweit 50 Millionen mal verkauft und in 38 Sprachen übersetzt worden ist. Weshalb Carnegies Empfehlungen nach wie vor aktuell sind, wird bereits im Vorwort erörtert. In Zeiten der sogenannten Selbstvermarktung ist eine geglückte Kommunikation im Internet oberstes Gebot. Man muss begreifen, dass man eigene Talente und Fähigkeiten mit anderen teilen muss, wenn man hier wirklich langfristig Erfolg haben möchte.

Nach Meinung der Autoren sind die Menschen am erfolgreichsten, die großzügig gegenüber anderen sind, indem sie nicht kritisieren, nicht verurteilen und auch nicht klagen. Empfohlen wird, nur von den Dingen zu sprechen, die andere interessieren, nicht rechthaberisch zu sein, und in Konflikten, andere das Gesicht wahren zu lassen. Wer sich schon länger im Internet aufhält und Erfahrungen in Foren gesammelt hat, weiß, dass es enorm schwierig ist, mit Menschen, zu denen man keinen Augenkontakt hat und die man persönlich nie kennengelernt hat, konfliktfrei zu kommunizieren. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl und Demut auf Attacken entspannt zu reagieren.

Als Grundregeln für den Umgang mit seinen Mitmenschen werden erörtert, dass man auf Kritik verzichten und das Positive hervorheben, sowie über die Wünsche anderer sprechen soll. Notorische Kritiker und Besserwisser werden bei der Einhaltung dieser Grundregeln gewiss Probleme haben. Wer sich bemüht, die Regeln einzuhalten, wird erkennen, dass man sich einfach ausgeglichener fühlt.

Thematisiert werden die Möglichkeiten einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Hier geht es darum, Interesse an den Belangen anderer zu zeigen, zu lächeln, andere Menschen mit ihrem Namen anzusprechen, zuzuhören, von Angelegenheiten zu sprechen, die andere interessieren und auf die kleinen Dinge zu achten, kurzum sich nicht wie eine Egomane zu verhalten.

Der ein oder andere mag einwerfen, es sei berechnend, sich gewisse Verhaltensmuster anzueignen, die zur Beliebtheit führen. Das allerdings sehe ich nicht so, denn das Antrainieren eines positiven, nicht egoistischen Verhaltensmusters ist grundsätzlich positiv und sinnvoll. Mitunter werden negative Verhaltensmuster durch die Erziehung geprägt und sollten durch positive ersetzt werden, um sich und seiner Umwelt nicht weiter zu schaden. Sich diesbezüglich beraten zu lassen, kann kein Fehler sein.

Dalai Lama sagt nicht grundlos, dass seine Philosophie Freundlichkeit sei. Hier im Buch wird ebenfalls Freundlichkeit und damit das Lächeln empfohlen. Auf Seite 89 wird der Medien-Experte Chris Brogan zitiert. Das Zitat halte ich für so wichtig, dass ich es hier in den Text einfüge: "Es gibt zwei Arten von Menschen, jene, welche eine Verbindung zwischen dem Computer, dem Internet und seinen Buttons und menschlichen, fühlenden Wesen sehen, und solche, die denken, dass sich ausschließlich alles online abspielt und es keine Verbindung gibt." (Zitat S.89)

Gefühle sind, ich stimme den Autoren zu, immer im Spiel und Menschen haben durchaus die Fähigkeit, sie mit entfernten Orten in Verbindung zu bringen. Hält man sich länger im Internet auf und ist sensitiv veranlagt, spürt man jede Emotion seiner Gegenüber und ist gut beraten, genau den Menschen immer wieder ein Lächeln zu schenken, die keines zu geben in der Lage sind. Genau diese Menschen benötigen ein Lächeln am Notwendigsten.

Die Autoren empfehlen auch im Internet immer die Namen der Gegenüber auszusprechen, um auf diese Weise eine persönliche Ebene herzustellen. Dies ist dann problemlos, wenn Menschen mit ihren Realnamen agieren und Plattformanbieter die Funktion Realnamen so gestalten, dass man sich darauf verlassen kann, dass man den Realname nicht türken kann.

Um das Vertrauen anderer Menschen im Netz zu gewinnen und zu behalten, wird u.a. empfohlen, unnötige Auseinandersetzungen zu meiden, freundlich zu sein und Nähe zu schaffen, Empathie zu zeigen, Erlebnisse mit anderen zu teilen, ehrliche und aufrichtige Anerkennung zu zollen. Meine Erfahrungen auf Facebook in den letzten Wochen haben mir gezeigt, dass es möglich ist, ein gutes Miteinander mit vielen Menschen zu leben, wenn man positiv aufeinander zu geht, auch auf Twitter konnte ich diese Erfahrungen machen. Respekt und Wertschätzung führen zu diesen wundervollen Ergebnissen, die ganz einfach zu erreichen sind.

Überall dort, wo man den Trollen nicht Einhalt gebietet, zerbrechen die Communities, ziehen sich Menschen aus der Kommunikation zurück, weil der Versuch ein positives Miteinander zu inszenieren, im Ansatz zerbricht. Für Menschen, die neu ins Internet einsteigen, ist dieses Buch nach meiner Ansicht eine Pflichtlektüre. Seien Sie grundsätzlich empathisch und lassen Sie sich auf keinerlei Auseinandersetzungen ein. Diese unergiebigen Diskussionen kosten nur unnötige Lebenszeit. Wer im Internet Menschen führen möchte, sollte Gemeinsamkeiten schaffen und andere das Gesicht wahren lassen, Verbesserungen loben und Fehler sachlich ansprechen, wer im Internet Freund finden möchte, sollte dies dort tun, wo man die Empfehlungen des Buchs umsetzen kann.

Im Grunde gelten online die gleichen Regeln wie offline. Das wird im vorliegenden Buch deutlich. Oberstes Gebot ist die Freundlichkeit. Auf Plattformen, auf denen Trollen nicht Einhalt geboten wird, sollten man nicht kommunizieren, sondern die Kommunikation auf Orte verlegen, wo man freundschaftliches Netzwerke aufbauen können. Gelegenheit gibt es im Netz hinreichend.

Empfehlenswert.

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Rezension: Heinz Ludwig Arnold: Gespräche mit Autoren (Gebundene Ausgabe)

Der 2011 verstorbene Prof. Dr. Heinz Ludwig Arnold war Honorarprofessor an der Universität Göttingen und freiberuflicher Publizist. Das vorliegende Buch enthält lesenswerte, sehr umfangreiche Interviews dieses Mannes, die er mit nachstehenden Personen zwischen 1971- 1984 führte: Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, May Frisch, Friedrich Dürrenmatt Günter Wallraff, Peter Handke, Rolf Hochhuth, Peter Rühmkopf, Helmuth Heißenbüttel, Peter Weiss, Jurek Becker und Wolfgang Hildesheimer. Natürlich habe ich mit besonderem Interesse den Dialog gelesen, den Dr. Arnold mit Heinrich Böll führte und hier Bölls Repliken auf die Fragen, in welchem Verhältnis er zur Kirche und zur Religion stand als er zu schreiben begann und wie sich sein Verhältnis mit der Zeit verändert hat.

Martin Walser berichtet u.a., dass er bei Kafka gesehen habe, dass ein einzelner nichts mache könne. Ob er heute noch immer so denkt, sei dahin gestellt, denn schließlich hat er als einzelner bewiesen, dass er durch seine Literatur Bewusstsein zu schaffen mag.

Des Weiteren erfährt man, weshalb Max Frischs Romane fast geschichtslos sind und wieso das Existentielle dort parabolischen Charakter habe, aber man liest auch höchst Privates, so etwa ob Friedrich Dürrenmatt gute Freunde hatte.

Mich haben die Antworten aus vergangenen Zeiten von noch lebenden Schriftstellern fast ein wenig mehr interessiert als von den bereits verstorbenen, weil es mich besonders neugierig macht, wie sich Standpunkte im Laufe des Lebens verändern oder auch festigen.

1975 schreibt Wallraff, er arbeite daran, sich zu erübrigen, sich überflüssig zu machen, weil er in einem solchen Fall seine Aufgabe erfüllt habe. 2012 sind erneut Bücher von Wallraff aufgelegt worden. Wikipedia konnte ich entnehmen, dass Wallraff die Sozialreportage nach wie vor für notwendig erachtet. Insofern ist seine Arbeit nach wie vor noch nicht abgeschlossen und man darf sich gewiss weiterer Statements erfreuen.

Die Fragen Dr. Arnolds outen ihn, den Fragensteller, als einen sehr intelligenten, analytischen Kopf, der genau wusste, wie man konstruktive Gespräche führt

Ein lesenswertes Buch, das ich gerne empfehle..

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Rezension: Der falsche Feind- Christine Bauer-Jelinek

Das neue Buch der Psychotherapeutin Christine Bauer –Jelinek habe ich mit großem Interesse gelesen. Viele ihrer Beobachtungen stimmen  mit dem überein, was ich in den letzten  Jahren zur Kenntnis nehmen musste. Dass der aktuelle Feminismus  den Zusammenhalt unserer Gesellschaft bedroht, ist meines Erachtens keine gewagte These und dass Frauen keinen Jota besser sind als Männer  wird jedem klar sein, der schon  etwas länger auf dieser Welt lebt.

Ob ein Mensch in einer Führungsposition kompetent ist oder nicht, hängt meines Erachtens nicht vom Geschlecht ab, sondern von den individuellen Fähigkeiten, pragmatische Entscheidungen zu treffen und Spielregeln zu verstehen sowie diese auch zu akzeptieren. Es stimmt, wenn man in einer bestimmten Funktion bestimmte Ziele erreichen möchte, zahlt man, egal ob männlich oder weiblich, den gleichen Preis. Frauen in Spitzenpositionen müssen analog zu den Männern Profite erwirtschaften und möglicherweise auch Wirtschaftskriege führen, weil nicht das Geschlecht das Verhalten der Individuen bestimmt, sondern die Ziele und Werte einer Gesellschaft nach Umsetzung durch ihre Eliten verlangen, (vgl.: S.18).

Wer in der gesellschaftlichen Hierarchie die gläserne Decke durchbrechen möchte und dies nicht aufgrund seines Erbes oder Heirat realisiert, benötigt nachstehende Persönlichkeitsmerkmale laut Bauer- Jelinek: Hierarchieverständnis, Rollendistanz, Umgang mit struktureller Macht, Konkurrenzbereitschaft, Kampferfahrung, Frustrationstoleranz, und eine rasche Orientierung in ungeschriebenen Regelwerken sowie schlussendlich: den Verzicht auf ein erfülltes Familienleben, (vgl.: S.31). 

Für karrierebewusste Männer sind solche Merkmale selbstverständlich. Doch wie viele Frauen besitzen eine solche Persönlichkeitsstruktur? Die Autorin schreibt zu Recht, dass derjenige der völlige Gleichberechtigung fordert, konsequenter Weise auch  in den sauren Apfel beißen muss. Quotenregelung ist auch nach meiner Ansicht keine Lösung. In meinen Augen entwürdigt die Quotenlösung uns Frauen.  Wer in unserer Gesellschaft die gläserne Decke durchbrechen möchte, muss Ungerechtigkeiten, Willkür und Kämpfe hinnehmen. Der Preis sollte für Männer und Frauen gleich sein. Das wird Allmachts-Feministinnen nicht gefallen, die für sich gerne eine Sonderbehandlung einfordern.

Die Autorin zeigt in der Folge viele Denkfallen von Allmachts-Feministinnen auf und verdeutlicht in welch schwierige Lage Männer oft kommen, wenn Frauen nach einer Scheidung aufgrund von blinder Zerstörungswut und Rache ihren ehemaligen Gatten fertigzumachen suchen. Beispiele dieser Art kenne ich einige und ich sehe noch immer mit großer Skepsis die materielle Umverteilung von Männern in Richtung Frauen aufgrund von sexuellen Dienstleistungen, die jenseits von gängiger Prostitution stattfinden, aber nach meiner Ansicht durchaus als eine Form von Prostitution zu werten sind, wenn auch nicht im juristischen Sinne. Gut, dass die Autorin sich hierzu äußert.

Es stimmt, Frauen verdienen nicht selten deshalb weniger, weil sie in geringer bezahlten Berufen arbeiten. Es ist also keine Geschlechterfrage, sondern ein gesellschaftliches Problem, wenn Erwerbsarbeit auf dem sozialen Sektor niedriger entlohnt wird. Hier ist ein Umdenken seitens der Gesellschaft erforderlich.

Was die Kontrolle im Bereich der Fortpflanzung anbelangt, sehe auch ich es  ungern, dass diese nach wie vor voll in den Händen der Frauen ist. Frauen, die die Gleichberechtigung fordern, können nicht wollen, dass der Bauch ihnen alleine gehört. In Zeiten der Empfängnisverhütung ist eine Frau verpflichtet, einen Mann darüber aufzuklären, ob sie verhütet oder nicht. Zudem sollte sie, nach meiner Meinung,  die Konsequenzen, vollständig allein tragen müssen, wenn sie im Hinblick auf Verhütungsmaßnahmen lügt. Keine Sorge,so weit geht die Autorin nicht. Zum Wohle des Kindes  wird auch weiterhin der Vater oder der Staat zur Kasse gebeten. Hier müssen faire Regelungen getroffen werden. 

Männliche Rituale und Prinzipien werden immer mehr verdrängt, schreibt  die Psychotherapeutin. Das führt bei kleinen Jungs nach Scheidungen dazu, dass sie immer schlechter lernen, nicht selten verhaltensgestört sind, mit Gewalt konfrontiert werden und sogar aufgrund dessen Selbstmord begehen, (vgl.: S.67).

Liest man Christiane Bauer-Jelineks Buch unbefangen, wird dem Leser sehr bald bewusst, dass Männer nicht immer Täter und Frauen immer seltener Opfer sind. Es muss etwas getan werden, damit der Zusammenhalt der Geschlechter auch in privaten Beziehungen nicht weiter abnimmt. Es kann nicht angehen, dass aufgrund der Doktrin des Allmachts-Feminismus die zwischenmenschlichen Beziehungen immer mehr in den Hintergrund gedrängt und Zuwendung sowie Fürsorge kommerzialisiert werden.

Ich teile die Meinung der Autorin, die ich hier zitieren möchte:"Wenn sich die traditionellen Geschlechterrollen weiter auflösen, ohne dass wir neue Formen des Zusammenlebens für beide Geschlechter und alle Generationen entwickeln, besteht die Gefahr, dass der Mensch von einer Spezies, die sich in Paaren organisiert (was bisher der Fall war), zu einer Masse mit willkürlichen (wechselnden) und fluktuierenden Beziehungen mutiert. Oder aber die Zweigeschlechtlichkeit wird von etwas abgelöst, das man "Mischgeschlechtlichkeit" (Androgynität) nennen könnte: Jedes Individuum ist männlich und weiblich zugleich- und die Fortpflanzung wird der Technik überantwortet." 

 Empfehlenswert. 

Rezension:Es ist nicht alles Holz, was glänzt: Die erstaunliche Herkunft unserer Redewendungen (Broschiert)

Dieses spannend zu lesende Buch enthält 200 Redewendungen, die man zwar immer mal wieder benutzt, aber zumeist nicht weiß, woher sie kommen. Genau das aber ändert sich, wenn man sich in die stets eine Seite umfassenden Texte vertieft, die durch ihre orange-weiße Gestaltung schon allein farbpsychologisch für Aufmerksamkeit sorgen. 

Wenn sie wissen möchten, was nun hinter Redewendungen wie etwa "etwas aus dem Ärmel schütteln", "sich einen Ast lachen", "ein Brett vor dem Kopf haben", "unter uns Pastorentöchtern" etc tatsächlich steckt, dann sollten Sie das Buch lesen.

Das die Redewendung "sich gerädert fühlen" aus längst vergangener Zeit stammt und an eine furchtbare Todesart erinnert, die zuletzt in Preußen 1841 angewandt worden ist, verdeutlicht, dass ein kollektive Wahrnehmungen und Ängste sich immer auf unsere Sprache auswirken. Eine Redewendung wie diese ist geradezu ein sprachliches Mahnmal. Das gilt auch für "unter den Nägeln brennen". Im Mittelalter steckten Folterknechte brennende Kienspäne unter die Fingernägel ihrer Opfer, um sie zu einem Geständnis zu zwingen, (vgl.S.117).

 Ein Buch das ich gerne empfehle, weil es sinnvoll ist, dass man weiß, was man von sich gibt. 

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Rezension: Der Brockhaus in einem Band (Gebundene Ausgabe)

In Zeiten des Internet wird der ein oder die andere fragen, weshalb man sich den BROCKHAUS in einem Band anschaffen sollte. Leseangebote und eine Fülle von Fakten finden sich auch auf Wikipedia. Was dort aber fehlt ist eine ausdrucksstarke Bildsprache, auch finden sich nur bedingt Infografiken und schon gar nicht beziehen dort namhafte Wissenschaftler und Journalisten zu Themen unserer Zeit Stellung und laden zur Diskussion ein.

Sucht man nach einer Begriffserklärung- 40 000 Stichwörter werden mehr als nur zufriedenstellend erläutert-, kann man sich nachdem man sich diesbezüglich schlau gemacht hat, einfach nicht mehr losreißen von diesem insgesamt 1023 Seiten umfassenden Werk. 

Ich blättere zum Buchstaben E (S. 234), weil ich wissen möchte, was genau man unter E-Paper zu verstehen hat. Nachdem ich dies nun weiß, bleiben meine Augen rechts auf Seite 235 bei dem Satz hängen "Dort ist meine Heimat, wo ich meine Bibliothek habe". Der Sentenzen-Schreiber spricht mir aus der Seele. Es handelt sich übrigens dabei um Erasmus von Rotterdam. Man erfährt die wesentlichen biografischen Daten zu diesem 1536 in Basel verstorbenen Humanisten, den Stefan Zweig den ersten "bewussten Europäer "nannte.  

Immer wieder wird man mehrseitig über Schwerpunktthemen aufgeklärt, darunter auch das Thema "Macht und Moral". Dazu schreibt der Philosoph Prof. Dr. Julian Nida- Rümlelin Wissenswertes. Er liefert zunächst eine Definition von Macht und erläutert an zwei Bespielen, dass sich unvollkommene Macht offensichtlich u.a. darin zeigt, dass man seinen Willen gegen Widerstände anderer Personen durchsetzen kann, während vollkommene Macht, wie etwa von spirituellen Führer nicht mehr mit Widerständen konfrontiert wird. Demnach, so der Autor, gehört die Überwindung von Widerständen nicht zum definitorischen Merkmal von Macht.

 "Macht ist die Fähigkeit, andere Personen im Sinne der eigenen Intension zu beeinflussen",(S.560); darunter versteht man die Macht über die Überzeugungen, über das Handeln und die leitenden Gründe der Personen zu erringen. Der Autor erläutert sehr dezidiert, weshalb Unterwerfungsmacht in der Regel partiell, punktuell und labil ist und Macht, die auf Unterwerfung setzt, im Grunde ihre Schwäche demonstriert. Dieser Befund, so Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin korrespondiere mit einem sozialpsychologischen: Der autoritäre Charakter sei ein schwacher Charakter, denn wer autoritär agiert, hat keine Autorität. Wer Autorität besitzt, muss nicht autoritär sein, (vgl.: S.561).

 Das Buch ist spannend zu lesen von der ersten bis zur letzten Seite. Ich empfehle es inhaltlich gerne, aber auch des haptischen Gefühls wegen. 

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Rezension:Fallstricke des Lebens: Vierzig Einstellungen, die Ihr Leben zur Hölle machen. Und 40 Auswege.

Die Autoren dieses sehr guten Ratgebers sind: Dr. Arnold Lazerus (er zählt zu den zehn einflussreichsten Psychotherapeuten in den USA), Dr. Clifford N. Lazarus (er ist klinischer Psychologe und Psychotherapeut sowie Dr. Allen Fay (er arbeitet hauptberuflich als Psychiater). 

Thema des Buches sind 40 Einstellungen, die unser Leben zur Hölle machen und 40 Auswege aus dieser Teufelwohnstätte. Das Buch beginnt mit einem Fragebogen zu unseren Überzeugungen. Hier sind die 40 Überzeugungen aufgelistet, die nach Meinung der Autoren zu viel Ärger führen. In der Folge wird jeweils anhand einer kurzen Story die fokussierte Idee plastisch dargestellt. Dann erfolgt die Analyse. Konstruktiv werden anschließend Sätze zum Entgiften vorgelegt und auf produktive Überzeugungen hingewiesen.

Zu den 40 giftigen Ideen zählen u.a nachstehende: "Versuche stets perfekt zu sein"; "Ein Ultimatum ist ein gutes Mittel, um Auseinandersetzungen zu beenden"; "Behalte deine Gefühle für dich"; "Einmal Opfer immer Opfer"; "Worte sind bindend; ein Versprechen darf man nicht brechen". 

Liest man die einzelnen Analysen, wird klar, worin die Fallstricke all der 40 Einstellungen liegen. Dem Leser wird schnell bewusst, weshalb man diese Einstellungen durch produktive Überzeugungen ersetzen sollte.

Man kann durchaus sehr zuverlässig sein, wenn man sein Wort nur dann hält, sofern uns nicht schwerwiegende, unvorhergesehene Umstände daran hindern. Es ist besser nicht nach Perfektion zu streben, sondern danach, seine Möglichkeiten auszuschöpfen und es ist notwendig zu zeigen, was uns bewegt, weil nur so Vertrauen und Nähe hergestellt werden können. Man muss auch keineswegs immer Opfer bleiben, sondern man kann sich von den Wunden der Vergangenheit frei machen. Wirklich töricht ist es ein Ultimatum zu stellen, denn Konflikte lassen sich durch Verhandlung und Kompromiss am besten lösen. Es ist unmöglich, an dieser Stelle auf alle hier genannten Fehleinstellungen einzugehen, deshalb habe ich willkürlich fünf Ärger und Verdruss nach sich ziehende Regeln genannt und bewusst nicht chronologisch produktiveren Einstellungen gegenübergestellt.

Ein guter Ratgeber, der verdeutlicht, dass man seine Einstellungen immer wieder überdenken sollte und es durchaus angebracht ist, sie mitunter durch produktivere Überzeugungen zu ersetzen. 

 Empfehlenswert. 

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Rezension: Rolf Dobelli- Die Kunst des klugen Handelns

Der Bestsellerautor Dr. Rolf Dobelli wartet in diesem Buchherbst mit dem Ratgeber "Die Kunst des klugen Handelns" auf. Der Untertitel weist unmissverständlich darauf hin, worum es geht, nämlich um konkret 52 Irrwege, die man besser anderen überlässt.

Der erfolgsverwöhnte Schweizer, ein übrigens überaus charmanter Mann, wie ich auf Buchmessen in persönlichen Gesprächen mit ihm immer wieder feststellen durfte, konstatiert in seinem Vorwort, dads klarer zu denken und klüger zu handeln bedeutet, alle Denk- und Handlungsfehler zu beseitigen. Auf diese Weise stellt sich nach seiner Meinung ein besseres Denken und Handeln von alleine ein.

Der Name für dieses Vorgehen, das die Griechen, Römer und mittelalterlichen Denker bereits kannten ist "Via Negativa".

Die Texte für das Buch stammen aus Kolumnen, die der Autor für die "Zeit", für die "Frankfurter Allgemeine" und für die "Schweizer Sonntags Zeitung" verfasst hat.

Dobelli weiß, dass der Weg zum Besseren über die Via Negativa führt. Seine bisherig beachtliche Karriere zeigt, dass man gut beraten ist, seinen Tipps zu folgen. Dieser Mann ist ein exzellenter Stratege.

Die einzelnen Irrwege beschreibt er kurzweilig. In der Kopfzeile jeder Kolumne erfährt man gleich, worum es geht. Für Schnellleser und zum Einprägen zieht der Autor immer wieder ein knappes Fazit. Es schadet nicht, sich kleine Merkkärtchen anzulegen, wie etwa:  "Das bedeutende Wissen liegt im Praktischen. Legen Sie Ihre Ehrfurcht vor dem Wort ab. So - hören Sie jetzt auf zu Lesen, und tun etwas wirklich Gescheites," (Zitat S. 143).

Wie wichtig eine Begründungsrechtfertigung für das eigene Tun oder Unterlassen ist, war mir aus einem anderen Ratgeber bereits geläufig. Nicht bekannt, aber erahnt habe ich, dass es Entscheidungsermüdung gibt. Wer etwas verkaufen möchte, sollte sich die entsprechende Kolumne zu Herzen nehmen und Verkaufsgespräche zu bestimmten Uhrzeiten oder an bestimmten Tagen eher lassen.

Ich stimme mit Dobelli überein, dass unklare Gedanken zu Geplapper führen und sprachliche Äußerungen der Spiegel der Gedanken sind. Jeder kennt Tischgespräche dieser Art, die eine gute Begründung für einen Waldspaziergang liefern.

Es führt zu weit, auf alle Kolumnen im Buch an dieser Stelle einzugehen. Wer schon etwas länger lebt und genau beobachtet hat, wird dem Autor in allen Punkten zustimmen.

Dr. Dobelli und alle, die ihm in seinen empfohlenen Handlungsmustern folgen, dürfen sich freuen, weil ihre Wege zukünftig auf keinen Fall in  Sackgassen führen werden.

Zu erwähnen ist noch ein umfangreiches Literaturverzeichnis zu den aufgezeigten Denk- und Handlungsfehlern zum Ende des Buchs, zudem die angefügten Kurzbiografien über die Illustratoren El Boch und Simone Stehle, sowie über den Autor Dr. Rolf Dobelli.

Die hübschen Illustrationen harmonieren bestens mit den Kolumnen und stimmen den Leser in erster Linie aufgrund der Farben und Motive fröhlich.

Empfehlenswert.

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Rezension: Sabine Bode- German Angst

Was lähmt die Deutschen?

 Die Journalistin Sabine Bode setzt sich in ihrem Buch mit der so genannten " German Angst " auseinander. Im Ausland versteht man unter diesem Begriff eine spezifische deutsche Gemütslage, der man offenbar unbewusst durch ein besonderes Sozialstaatskonstrukt seit Jahrzehnten entgegen zu wirken sucht. Diffuse Ängste verhindern bis heute notwendige Reformen in der Politik und müssen deshalb dringend näher untersucht werden. Bode zeigt, dass die Deutschen mit Schwierigkeiten anders umgehen als ihre Nachbarn und vermutet, dass die Ursachen in unverarbeitenen kollektiven Ängsten aus der Vergangenheit zu finden sind.

Die Autorin informiert sich bei Psychotherapeuten, Psychologen, Hirnforschern, Politikern und Schriftstellern über das Phänomen des Kriegstraumas, das nicht nur die Kriegskinder des 2. Weltkrieges bis heute belastet, sondern sich auch als vagabundierende Ängste bei deren Nachkommen auf fatale Weise manifestiert hat. Immer wieder lässt die Journalistin persönliche Erfahrungen einfließen, wodurch die Autorin noch näher an den Leser heran rückt und dessen erwünschte Öffnung für die Thematik erleichtert.

Argwohn, Depressionen und Wahrnehmungsverzerrung sind die Folge traumatischer Angst. Die Psychotherapeutin Luise Reddemann, die von Bode zu Rate gezogen worden ist, verdeutlicht, dass unbehandelte Traumata Misstrauen und Verlust des Sicherheitsgefühls zur Folge haben. Ausgelöst wurden die Traumata bei den Kriegskindern u.a. durch den Anblick der Toten und Verletzten in den brennenden Städten oder sie entstanden während der Flucht und Vertreibung aus dem Osten.

Die amerikanische Traumforscherin Rachel Yehuda hat herausgefunden, dass sich diese psychischen Belastungen auf die nächste Generation übertragen haben. Wenn ein Elternteil an einer posttraumatischen Störung leidet, dann taucht die Belastung zu 50% bei den Kindern wieder auf. Wenn beide Elternteile traumatisiert sind, überträgt sich die Störung zu 80%. Bei Säuglingen traumatisierter Mütter kann man einen geringeren Spiegel des Anti-Stress-Hormons Cortisol feststellen. Traumatisierte Menschen - auch der 2. Generation- haben häufiger Beziehungsstörungen und psychosomatische Beschwerden, so Bode. Nicht selten neigen sie zu lähmenden Vermeidungsstrategien.

Die Autorin befasst sich in diesem Zusammenhang mit den problematischen Überlebensstrategien nicht behandelter traumatisierter Personen und erläutert den Fachbegriff der "Dissoziation". Um ein Trauma abzumildern, so erfährt man, werden Gefühle und Denken stark voneinander getrennt. Die Angst wird geleugnet und lässt in der Folge die Persönlichkeit des Menschen erstarren. Inwiefern die kriegsbedingte Vaterlosigkeit auf die nächste Generation übertragen und in der Gesellschaft zu zusätzlichen Verunsicherungen geführt hat, wird im Buch ebenfalls thematisiert.

Konkret wird der Frage nachgegangen. welche Auswirkungen schwache Väter, abwesende Väter und gefallene Väter auf die Psyche der Kinder haben und ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Vaterlosigkeit und der Kinderlosigkeit gibt, die derzeit einen gewissen Journalistenkreis dazu veranlasst hat, vermeintlich gebährunwillige Frauen an den Pranger zu stellen. Wie hat sich die seit 1934 etwa 700 000 mal verkaufte Erziehungsvibel von Johanna Haarer auf die nach deren Vorstellungen erzogene Generation ausgewirkt? U.a. legt sie den Müttern nahe ihren Neugeborenen "das Anlitz zu verweigern". Bindungs-, Beziehungs- und Liebesfähigkeit wurden von Anfang an bewusst verhindert. Wie kaputt sind die so misshandelten Menschen durch ihr Leben gegangen?

War ein Dialog mit der Folgegeneration überhaupt möglich? Bode plädiert dafür sich mit Familiengeschichte zu befassen und sich traumatische Voraussetzungen bewusst zu machen. Sie plädiert weiterhin dafür, dass man die eigenen Erfahrungen mit anderen austauscht. Sie ist davon überzeugt, dass ein Erfahrungsaustausch gesellschaftlich zu einem konstruktiven Identitätsschub führen kann, den unser Land dringend notwenig hat. Als Kind einer traumatisierten Familie habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen und kann den Ausführungen Sabine Bodes in jeder Beziehung nur beipflichten.

Sehr empfehlenswert.

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