Dieses Blog durchsuchen

Rezension: Goethe im Wahnsinn der Liebe – Band 4 – Geheime Offenbarungen – Forschungsverlag Salzwedel

Dies ist der 4. Band der Bücherreihe "Goethe im Wahnsinn der Liebe" des Juristen und Autors Veit Noll. Dieser hat die Feier der 250-Jahre Beziehung Goethes zur Herzogin Anna Amalia und der Freifrau Charlotte von Stein zum Anlass genommen, in seinem 4. Band mit dem Titel "Geheime Offenbarungen" seine Untersuchungen und Analysen zu dieser Doppelbeziehung zu veröffentlichen.

Veit Noll hat am 28. August 2026  – anlässlich Goethes 277. Geburtstag  – die Neuerscheinung an den Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums e.V. Herrn Dieter Höhnl, im Goethehaus am Frauenplan überreicht. 

Was den Leser erwartet, sind zunächst einmal rund 240 Seiten Text, 3 Seiten Wortbedeutungen aus dem Recht, 27 Seiten Bilder, 9 Seiten Texte zu den Abbildungen, 50 Seiten Endnoten und darüber hinaus noch 4 Seiten ergänzende Auswahlbibliographie bzw. Siglenverzeichnis. 

Veit Noll ist bei seiner Arbeit wissenschaftlich präzise vorgegangen und beweist anhand von Goethes Werken und juristischen Texten aus jenen Tagen, dass der Dichter und Geheime Rat, der als Jurist im Geheimen Consilium in Weimar tätig war, nicht zuletzt aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen dazu beigetragen hat, dass sich die aus heutiger Sicht krude Moral sowie das Recht der Familie und hier der fleischlichen Verbrechen im Herzogtum Sachsen- Weimar allmählich positiv veränderte. 

In seiner Dichtung setzt Goethe anstatt der Konventionalehe, der die Liebe zu folgen hat, die Liebe des Paares, die in der Ehe münden solle. Dies sei letztlich die Folge von Goethes persönlichen Erfahrungen, die er in seiner Dichtung verarbeitet, wie Noll überzeugend nachweist. 

Seine Werke "Wilhelm Meister" und die "Italienische Reise" seien "die Oberfläche, auf denen er den Untergrund seines persönlichen Lebens erzählt." Nach Vorstellung Goethes werde das durch die bestehende gesellschaftliche Organisation und deren Regeln erforderte Verhalten zum Gesellschaftstheater. Dieses Theater mit seinen Masken im realen Leben werde von Goethe in seinen Schriften unter dem Schein des Schauspieltheaters vorgestellt. 

Die Kunst werde bei Goethe zur Reflexion der Natur. Wobei sich die Kunst in seinem Sinne um das Schöne des Wirklichen handelt. 

Goethe verwende – und das weist Noll nach –  in seinen autobiographischen Werken und Geschichten unterschwellige Kommunikation, die das Wahre und Schöne bekunde, jedoch dem Unbedarften den Inhalt nicht offenbare. Dabei verbinde er juristische Sprachtechnik mit Wahrhaftigkeit. Die Art wie Goethe textet, sei eine Form der Konfliktbewältigung, demnach wohl therapeutisches Schreiben.

Goethes Texte "Iphigenie"  sowie "Tasso II" seien ganz eng mit seiner Biographie verbunden. Er habe dort primär für sich geschrieben, aber auch für Anna Amalia und Charlotte. Noll erläutert die Zusammenhänge ausführlich. Gekonnt unternimmt er dies bei zahlreichen anderen Beispielen im Buch gleichfalls. Noll macht also deutlich, dass man im Grunde ein Kenner von Goethes Werk sein oder werden muss, um sein komplexes Anliegen in der Tiefe zu verstehen. Welch` eine geglückte Werbung für Goethes Texte! Bravo! 

Man liest  u.a. von dem platonischen Verhältnis zwischen Charlotte von Stein und Goethe, aus dem er immer wieder auszubrechen versuchte und stattdessen eine Lebensbeziehung mit ihr als Ehefrau einzugehen. 1786 dann habe er versucht in einem "Anflug von Wahnsinn" mit ihr und ihrem Sohn Fritz aus Weimar zu fliehen, was Charlotte nicht akzeptierte. 

Juristisch gesehen habe er einen Ehebruch mit "böswilligen Verlassen" und "Kindesentführung" initiieren wollen. Die Strafen hierfür waren zur damaligen Zeit drastisch. Goethe fügte sich, Charlottes Entscheidung zu bleiben, um die Beziehung nicht zu gefährden. Charlotte habe in ihrem Drama "Dido" Stellung bezogen, darüber liest man  auch Wissenswertes seitens der Ausführungen von Noll.

Es ist nicht einfach, sich zu verkneifen auf alle Texte des Buchs einzugehen, so etwa auf "Goethes Flucht vor Anna Amalia und seine Gründe" oder "Goethes emotionale Befreiung in tiefer gegenseitiger Liebe zu Maddalena Riggi – die entschiedensten Wahlverwandtschaften" oder "Goethes Küchenmoral – sein `Bettschatz´", doch der Rahmen einer Rezension ist begrenzt. Spannend finde ich den Text "Goethe in Verbrechen und Wahnsinn!" Hier werden drei Verbrechen beleuchtet – für Noll ein sinnlich-wahnsinniges Verhalten  – die nach zeitgenössischer Vorstellungsart für Goethes Verhalten zur Diskussion stehen. Dabei richten sich diese Verbrechen gegen den Kernbereich der zeitgenössischen Regeln zu Ehe, Liebe und Sinnlichkeit. 

Ausgiebig erörtert Noll das juristische Denken "Goethes als Hofmann und seine Tätigkeit im Geheimen Consilium" und wie er sich in Abschaffung der Todesstrafe für Kindsmörderinnen positionierte, so etwa durch seine Literatur. 

Es folgen eine Fülle von Texten im Hinblick auf Rechtliches zum außerehelichen Beischlaf, vorweggenommenem Beischlaf bei Verlöbnis und bei Beischlaf mit der Braut eines anderen sowie eine Chronologie von kirchlichen und weltlichen Vorschriften als auch dienstlichen und öffentlichen Stellungnahmen im Herrschaftsbereich Sachsen-Weimar-Eisenach einschließlich Jena und Ilmenau im Hinblick auf Ehebruch und Hurenstrafen. Aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar;  für wache Geister, die damals ihrer Zeit weit voraus waren, gewiss eine Qual.  

Im Ergebnis wird klar, dass Goethe in seinen literarischen Texten liberaler war als die Rechtvorstellungen seiner Zeit es zuließen. Anderes war im Grunde nicht zu erwarten. Für Noll ein Beweis, dass Goethe ein Advokat der Liebe war.

Helga König

Rezension: Was wärst du ohne deine Sorgen? Martin Wehrle –mosaik

Martin Wehrle, der Autor dieses und anderer Spiegel-Bestseller, inspiriert auf seinem Youtube-Kanal über eine Dreiviertelmillion Abonnenten mit Coaching und Karriere-Tipps. Sein hier vorliegender Ratgeber zeigt wie man Gedankenspiralen stoppen, Ängste loswerden und Zuversicht gewinnen kann, so die Info des Untertitels des umfangreichen Werks, das in drei Teile untergliedert ist. 

Bei den Teilen handelt es sich um: 

Teil 1: Das Overthinking- Geheimnis 
Teil 2: Die Kopf-Befreiung 
Teil 3: Die 15 besten Übungen gegen Sorgen 

Unendlich viele kluge Informationen, aufgelockert durch zahllose kleine Zwischen-Impulse und Übungen machen das Werk zu einer Lektüre, die man Tag für Tag und Monat für Monat zur Hand nehmen kann, um sich so immer mehr von seinen Sorgen und Ängsten zu befreien.

Grübeln verursacht Gedankenschleifen, damit Sorgen und Ängste und hindert daran, konstruktive Wege zu gehen. 

Auf den Seiten 123ff lernt man beispielsweise sechs wichtige Tipps kennen, wie man aus dem ewigen Grübeln herausfindet. Untergliedert in die Rubriken: Herausforderung- Das passiert im Kopf- So steuern sie dagegen- lernt man sehr gute Möglichkeiten kennen, dem ewigen Grübeln tatsächlich entgegenzuwirken.

Hilfreiche Gedanken aus der Kognitive Verhaltenstherapie, auch Strategien der Stoiker und Anleihen aus der Positiven Psychologie werden sehr gut vermittelt und man lernt zudem, der sogenannten Angst-Falle zu entkommen, die uns lähmt, d.h. keinen Schritt weiter bringt. 

Schlussendlich kann man sich noch in 15 Übungen gegen Sorgen vertiefen und mit all diesen wirklich hilfreichen Impulsen entspannter die kommende Zeit beginnen. 

Martin Wehrle besticht auch in diesem Buch durch die Klugheit eines intelligenten Menschen, der aus seinen Erfahrung viel gelernt hat und seine Erkenntnisse didaktisch brillant weitervermittelt.   

Helga König

Rezension: Das Gurkerl- Johanna Sebauer- Illustriert von Nikolaus Heidelbach- Dumont



Johanna Sebauer, die Autorin dieser Satire, lebt im Burgenland/Österreich, wo sie auch aufgewachsen ist. Der hier vorliegende schmale Text, der IronieliebhaberInnen zum Schmunzeln anregt, hat beim Bachmann-Wettbewerb 2024 den 3-Sat-Preis und den Publikumspreis erhalten.

Der vielfach ausgezeichnete Illustrator Nikolaus Heidelbach, der für sein Gesamtwerk den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises erhielt, hat die passenden Illustrationen zu der Satire "Das Gurkel" verfasst. 

Worum geht es?

Um einen Sturm in Wasserglas bzw. um die Verfahrensweise wie man aus einer Mücke einen Elefanten machen kann, sprich um das zwischenzeitlich alltägliche Verhalten in den Medien. 

Ein Tropfen Gurkenessigwasser im Auge eines Lokalreporters in der Saure-Gurkenzeit bringt beinahe die Saure-Gurken- Industrie ins Wanken. So liest man amüsiert: "In den sozialen Netzwerken verbreitet sich die "Gurkel-Debatte" wie ein Schilfbrand im August" und denkt, genau so läuft es nahezu immer!

Sehr witzig wird die Realität absurder Meinungsmache aufgezeigt, bei der fast alle mitmachen und ihren Senf glauben, dazu abgeben zu müssen.

Satire, vom Feinsten, die zur Zurückhaltung einlädt.

Helga König 

Rezension: Beziehungsweise Familie-Globale Geschichten von Bindung und Zugehörigkeit- Hirmer


Dieses Buch haben Laura Goldenbaum und Alia Rayyan für die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss herausgegeben. 

Das Werk umfasst 4 Kapitel, als da sind: 
Kapitel 1: Äußere Einflüsse 
Kapitel 2: Innere Dynamiken 
Kapitel 3: Verbindungen/Verwandlungen 
Kapitel 4: Weitergeben 

Das Cover des komplexen, textreichen Werks zeigt Ausschnitte eines Geflechts aus Beziehungsmustern, Bindungen, Anforderungen und Erwartungshaltungen, zeigt Fotos aus Familienalben aus unterschiedlichen Ländern und auch Zeiten. 

Wie kommt man miteinander aus, wie verlässlich ist das Füreinander? Diese und zahllose andere Fragen sind Gegenstand des Buchs. Vor allem auch, wo liegt der Ursprung der Bilder von "Familie", die wir in uns tragen? 

Die vielen Autoren der Texte in diesem Kompendium haben gemeinsam versucht, Stimmen und Formate aufzuspüren, die darüber berichten, wie Familie heute gedacht, gelebt und hinterfragt wird. Dabei wird darauf hingewiesen, dass es sich keineswegs um ein vollständiges Bild handele. Die Vielstimmigkeit, um die es hier geht, bestehe aus wissenschaftlichen Beiträgen und literarischen Stimmen als auch aus Erzählungen aus dem Alltag, wie etwa Pflegekrisen, Mutterschaft oder Erbschaftskontroversen, die dazu einladen, weiterzufühlen, mitzudenken und mitzugestalten. 

Die Erzählung des Buchs folge dabei der Bewegung vom Äußeren hin zur inneren Dynamik der Zusammenlebens Alle Texte verdienen es, kommentiert zu werden. Doch dies ist im Rahmen eine Rezension leider nicht möglich. Es würde eindeutig den Rahmen sprengen. 

Ein Auszug aus dem "Tagebuch der verschwundenen Worte" des Schriftstellers Mahoud Al Shaer sollte man unbedingt lesen, um zu begreifen, was es bedeutet, in einer Trümmerlandschaft seinen Willen, sich ein Leben auszusuchen, nicht zu vergessen. 

Der japanische Gesellschaftskommentator Kazuhisa Arakawa, prognostiziert, dass in Japan in 15 Jahren die Hälfte aller Erwachsenen allein lebe. In dem Beitrag "Die Singlegesellschaft" der Nachrichtenplattform "Japan Today" werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergründe und Folgen dieses Trends spannend beleuchtet. Was bedeutet in einer Singlegesellschaft die "Familie" als Ort der Geborgenheit? 

In den komplexen Texten werden viele Familienproblemfelder weltweit beleuchtet und anhand von Bildern und Texten Raum für ein breitgefächertes Familienbild geliefert, in dem Schnittmengen erfreuen und zeigen, dass wir bei aller Verschiedenheit uns doch in unseren Sehnsüchten ähnlich sind. 

Wer gerne unterschiedliche Blickwinkel zum Thema "Familie" kennenlernen möchte, sollte dieses Buch lesen. 

Überaus erkenntnisfördernd. 

Helga König

Rezension: Flip-Thinking – 15 Strategien, um Probleme in Chancen zu verwandeln- Berthold Gunster, Piper


Berthold Gunster, der Autor dieses Buches, hat bereits 12 Bestseller über die, auch im vorliegenden Werk, ausführlich erörterte und von ihm begründete Flip-Thinking- Theorie verfasst. "Flip-Thinking" ist eine Denktechnik zur Umwandlung von bestehenden Problemen in Lösungen, aber auch eine Technik, um völlig neue Möglichkeiten zu eröffnen. 

Bevor der Autor die 15 Strategien des Flip-Thinking breitgefächert und gut verständlich vorstellt, schreibt er im 1. Teil über das dafür notwendige "Gepäck" und hier zunächst über Akzeptanz, die die Grundlage dieses Denkens darstellt. Das Akzeptieren der Wirklichkeit und genaue hinschauen, das Begreifen, dass es nur Tatsachen gibt, man mit Stress und Unsicherheiten leben muss, gehören zur Grundausrüstung, auch das Beenden des Festdenkens und die Fähigkeit an Widrigkeiten zu wachsen, spielen hier eine Rolle und die Erkenntnis, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, mit einem Problem umzugehen. 

Die 15 Strategien des Flip-Thinking sind in 4 Grundeinstellungen zusammengefasst, mit deren Hilfe man die Wirklichkeit erfassen kann. Es handelt sich dabei um: Liebe, Arbeit, Kampf und Spiel.

Die Strategien 1 bis 4 sind der Liebe zugeordnet. Die Schlüsselelemente dieser Strategien sind Akzeptanz, Versöhnung und Geduld. Bei diesen 4 Strategien finde ich die Strategie des Respekts besonders interessant, weil man sie u.a. dazu nutzen kann, den Spieß umzudrehen, um schlechtes Verhalten vor Augen zu führen. Insgesamt kann die Strategie des Respekts auf viele verschiedene Arten und Situationen angewandt werden können. Diesbezüglich wird man gut aufgeklärt. 

Drei Strategien sind der Arbeit zugeordnet. Hier geht es um Beharrlichkeit, Fokussierung und Neudenken. Am Beispiel von Thomas Alva Edison wird der Erfolg durch Beharrlichkeit sehr gut  dargestellt. Gezeigt wird, dass durch lange Versuchsreihen und entsprechende Fehler am Ende Innovation möglich war. Die Kunst der Beharrlichkeitsstrategie bestehe darin, einfach weiterzumachen, nach Chancen zu suchen, die sich hinter Fehler verbergen und für das Unerwartete offen zu sein. Diese Strategie ist die Strategie der Stehaufmännchen und mir sehr sympathisch. 

Die Strategien des Eliminierens, der Aneignung, der Kollaboration und der Verführung sind dem Kampf zugeordnet. Diese Strategien sollten dann angewendet werden, wenn die Wirklichkeit uns feindlich gesinnt sei. 

Unmöglich, im Rahmen einer Rezension auf all die Strategien kurz einzugehen! Bei der Fülle an Informationen, ist es nur denkbar, einige Punkte zu streifen,

Sehr interessant ist das Prinzip der Knappheit und wie Menschen darauf reagieren. 

Vier Strategien sind dem Spiel zugeordnet. Damit nicht zwingend der gewinnt, der die Spielregeln festlegt, sollte man die Spielregeln ändern. Hier spielen Intelligenz, Humor und Kreativität bei den vier hier zugeordneten Strategien eine Rolle. 

Jede einzelne der 15 Strategien beantwortet die Fragen: 
Was ist die Strategie 
Welche Wirkung hat sie? 
Wann macht man das? 
Wie macht man das? 

Alles in allem sehr überzeugend und vor allem hilfreich. 

Helga König .

Rezension: Bücherschätze - Die ungewöhnlichsten Bibliotheken der Welt - DC Helmuth


In diesem Bildband mit überaus informativen Texten und einem Vorwort der Bibliothekarin Nancy Pearl werden 50 ungewöhnliche Bibliotheken vorgestellt und zwar aus "Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und der Nahe Osten, Europa, Ozeanien und darüber hinaus". 

Neben einem Foto und einer stets spannend zu lesenden Beschreibung der Location, gibt es oft auch noch einen konkreten Hinweis über den Fundort. 

Nach dem ersten Durchblättern wurde mir bewusst, dass man dieses wunderbare Buch nicht chronologisch lesen muss, sondern sich von seiner Neugierde führen lassen kann. So begann ich mit dem Beitrag "Massenunterrichtungswaffe". Es handelt sich um ein Gefährt, das auf den Straßen von Buenes Aires/Argentinien zu bestaunen ist, eine Kreation des Künstlers und Poeten Raul Lemesoff. 

Zu sehen ist ein umgebautes Fahrzeug voller Bücher, das 1979 von den Schergen des Diktators General Videla allerdings anderweitig genutzt wurde und zwar um StudentInnen, JournalistInnen und RegimekritikerInnen zu entführen. Der Künstler hat das Modell "Ford Falcon" zu einer Bibliothek umgebaut, liest man, um das Symbol des Bösen in ein Mobil des Friedens zu transformieren, das Bücher und damit Bildung verteile, um auf diese Weise die Wiederkehr der Diktatur zu verhindern. 

Ein zuversichtlicher Gedanke in unserer, durch das Böse geknebelten Welt! 

Man staunt, was alles diese Bibliothek enthält. 900 Bücher aus unterschiedlichen Bereichen bilden die Bepanzerung des Vehikels. Eine großartige Idee, die man nur begrüßen kann, speziell in unserer erschreckend militant gewordenen Zeit!

Dann blieb mein Blick auf dem Titel eines der nächsten Beiträge hängen: "Die Kraft der Wörter". Assoziiert wird der Titel mit einer verborgenen Bibliothek in Bogota, Kolumbien. In dieser Metropole gibt es nur 13 Bibliotheken für 9 Millionen Bewohner. José Alberto Gutiérrez, ein Müllmann hat in seinem Leben rund 30 000 Bücher aus dem Müll gefischt und sie gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern gereinigt und aufgearbeitet. In seinem Haus, gelegen in einem Viertel, in welchem nicht begüterte Menschen leben, hat er die Bücher untergebracht, damit Kinder und Jugendliche dort lesen  oder ihre Hausaufgaben machen können, umgeben von Bildung, die ihren weiteren Lebensweg bestimmen soll. 

Die Idee, dass Bücher Menschen zugänglich gemacht werden sollten, damit sie sich emanzipieren können, steckt in vielen dieser in die Realität umgesetzten Bibliotheksentwürfe im Buch. So auch im "Reading Club 2000" in Manila, Philippinen. 

Dann aber gibt es auch solche Beiträge wie über die "Timbuktu-Manuskripte", in Djenne, Mali, die ich voller Neugierde las. Das Mittelalter soll es im westafrikanischen Reich Sangohai ein Paradies für Gelehrte gewesen sein. Bis zu 25.000 Geistesgrößen lebten dort und verfassten Texte aller Art. Schreiber fertigten Manuskripte zu unterschiedlichen Themen an, die trotz des Untergangs dieses Reiches erhalten blieben und in Privatbibliotheken aufbewahrt worden sind. Über diese "Timbuktu-Manuskripte" erfährt man im Beitrag Wissenswertes und darf sich freuen, das die Liebe zum geschrieben Wort in allen Kontinenten Freunde gefunden hat.

Bücher bewahren und vom Untergang zu schützen, das war auch das Motiv für die "Bethnal Green Underground Library" in London. In diesem Bunker fanden bei einem besonders schweren Luftangriff durch die Nazis rund 7000 Menschen Schutz, des Weiteren 4000 wertvolle Bücher der Zentralbibliothek von Bethnal Green. 

Jeder Beitrag im Buch zeugt von der Liebe zu Büchern und dem Bewusstsein, dass wir ohne sie zur Kulturlosigkeit verdammt sind.

Wie Harald Welzer in seinem neuen Buch, "Das Haus der Gefühle" so treffend schreibt: "Kultur erlaubt Kooperation, Empathie, Perspektivenübernahme, Zusammenarbeit, Care-Arbeit, Fairness, Gerechtigkeit und alles, was uns im positiven Sinn auszeichnet.“ 

Grund genug, Bücher als kulturelle Schätze zu begreifen, die von Hand zu Hand gehen sollten, damit ihr Inhalt, die Welt verändert und zwar im positiven Sinn. 

Demokratie braucht Bildung, wenn sie fortbestehen soll!

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich.


Rezension: Alte Wut- Caro Matzko- Piper


Caro Matzko, die Autorin dieses Buches, ist u.a. Journalistin und Moderatorin bei Podiumsdiskussion wie auch im Radio und Fernsehen. 

Auf den ersten beiden Seiten ihres Werks ist eine Vielzahl persönlicher Fotos zu sehen, deren Motive im Buch eine Rolle spielen. 

Die Publikation ist ein etwas eigenwilliger verfasster, autobiografischer Bericht, der den Untertitel trägt: "Warum ich an den Ort reiste, von dem mein Vater einst fliehen musste." 

Caro Matzko, 1979 im schwäbischen Ulm zur Welt gekommen, erzählt von ihrer Sozialisation in einem Elternhaus ohne schwäbische Wurzeln. Ihr heute 90 jähriger Vater wurde im Ermland in Ostpreußen geboren, die Mutter in Westfalen. Die Familie wurde geprägt von der Vertreibung ihres Vaters im Alter von 10 Jahren aus Osterode in Ostpreußen, wo dessen Eltern ein Hotel besaßen. Ihr Großvater fiel in Russland kurz vor Kriegsende. Die Wut ihres Vaters aufgrund des Traumas wegen der erlebten Ereignisse nicht nur in Ostpreußen, sondern auch später in der DDR, aus der er floh, überträgt sich auf Caro, ohne dass sie diese Wut genau zu deuten vermag. Auf was genau ist sie wütend? 

Caro, ein strebsames, intelligentes Mädchen mit sehr guten Schulnoten, beginnt während der Pubertät Nahrung zu verweigern, wird magersüchtig und in einer Klinik vor dem Hungertod gerettet. Für ihren Vater, der als Kind während der Vertreibung hungern musste, ist Caros Essensverweigerung ein Affront.

Caro, die zu diesem Zeitpunkt mit ihren Eltern im bayrischen Neu-Ulm lebt, fühlt sich nirgendwo zugehörig und erklärt später ihren Bekannten nur bedingt zutreffend, ihr Vater sei ein Flüchtling, weil das Wort Heimatvertriebener Wut in ihr auslöst, da das Wort den "Mythos Ostpreußen", der in ihrem Elternhaus wie eine Glocke über allem liegt, befeuert und das Loslassen verhindert, um so das damit verbundene Trauma zu heilen. 

Caro entscheidet sich gemeinsam mit Ehemann und Tochter eine Reise über die Wege ihres Vaters von Osterode in den Westen, retour zu unternehmen, um so eventuell mit dem Trauma-Thema abschließen zu können. Osterode soll kein Sehnsuchtsort bleiben, der zu Zerwürfnissen zwischen ihr und ihrem Vater, einem glühenden AfD-Anhänger, führt. 

Während die Tochter, ganz Kind ihrer Zeit, zahlreiche Psychotherapien hinter sich hat, ist ihr Vater nach wie vor - wie die meisten Kriegskinder seiner Generation- nicht therapiert und lebt seine unverarbeitete kindliche Ohnmacht in Wutanfällen aus. 

Caro Matzko fügt in ihrem durchaus unterhaltsamen Reisebericht historische schlimme Fakten aus den Zeiten der Vertreibung ein und verdeutlicht, dass ihr Vater als Kind in tiefe Abgründe schauen und lernen musste, wozu Menschen imstande sind. Sie fragt, was dies mit den Kriegskindern damals und auch heute macht. Aber auch, was mit der Generation nach ihnen, "die mit traumatisierten Eltern umgehen muss- oder durch die wundersamen Hebel der Epigenetik das Trauma vererbt bekommt."

Sie erwähnt ein Buch eines Kinderarztes, das erklärt, weshalb Erziehung Gesinnung prägt und vielleicht auch verdeutlicht, weshalb ihr Vater zu dem Menschen geworden ist, wie die LeserInnen ihn im Buch kennenlernen, mit all seiner Verletztheit und Wut zugleich. 

Caro hat ihre Wut auf der Reise überwunden, kann sich über das neue Ostroda, das als Reggae-Hauptstadt Polens gilt, freuen, während ihr Vater, dessen Geschichte sie erzählt, über den Stein und die Muttererde, die sie ihm von der Reise mitbringt, mehr als nur berührt ist, zu alt und sentimental, um seinen Kindheitsschmerz zu vergessen, zu hochbetagt, um sich noch in die Hände von Traumaexperten zu begeben. Schade eigentlich! 

Sehr empfehlenswert
 
Helga König

Onlinebestellung: Piper oder überall im Handel erhältlich 

Rezension: Die 5 Arten des Reichtums- Sahil Blum-Piper



Der Autor dieses spannend zu lesenden Sachbuchs- Sahil Blum- darf sich freuen, denn sein Werk wurde auf Anhieb ein New-York-Times-Bestseller. 

Für seine Publikation hat er drei Jahre intensiv geforscht, unzählige persönliche Experimente und Tausende von Interviews weltweit geführt, um zu ermitteln, wie man die "5 Arten des Reichtums" erlangen kann. 

Nach einem gut verständlichen Prolog ist klar, dass Geld letztlich nur das Mittel ist, bestimmte Ziele zu erreichen, als da sind: Zeit, Menschen, Sinn und Gesundheit. 

Wer glaubt, Erfüllung und Glück sei ausschließlich durch Geld definiert, werde recht bald eines Besseren belehrt. Zufriedenheit entsteht anders.

Zu einem erfüllten Leben gehört lt. Sahil Bloom  also mehr: 

1. Zeitlicher Reichtum 
2. Sozialer Reichtum 
3. Geistiger Reichtum 
4. Körperlicher Reichtum 
5. Finanzieller Reichtum 

Was man im Einzelnen darunter zu verstehen hat, wird sehr gut erläutert und es ist möglich, anhand von einem "Reichtumspunkte-Quiz" zu überprüfen, wo man zu Beginn der Lektüre steht und wo am Ende in punkto "Reichtum". 

Zunächst geht es um "zeitlichen Reichtum" und hier auch um Zeitfenster und Momente von besonderer Bedeutung, gemeint die "Kairos-Zeit", in denen Energie mit dem größtmöglichen Ertrag investiert werden kann. 

Man lernt die drei Säulen "zeitlichen Reichtums"  kennen und zu verstehen, die sich aus "Bewusstsein", "Aufmerksamkeit“ und "Kontrolle" zusammensetzen. Diese "drei Säulen" werden sehr gut erklärt. Letztlich ist es wichtig, die "Kontrolle" über die eigene Zeit zu haben und nicht aus der Hand zu geben, denn nur dies schenkt uns Freiheit. Anhand eines komplexen Leitfadens für "zeitlichen Reichtum" kommt man, sofern man die Übungen ernst nimmt, am gesetzten Ziel an- Kontrolle über seine Zeit zu haben- an und begreift welche "Antiziele" man tunlichst zu vermeiden hat und auch weshalb. Auch die "Systeme mit Hebelwirkung", die ähnlich wie die "Ziele" und "Antiziele" auch bei den weiteren Arten des Reichtums eine Rolle spielen, werden sehr gut erläutert. 

Wie der Autor so treffend bemerkt, sind "soziale Kontakte" notwendig zum Überleben und zur Entfaltung für Gesundheit, Glück und Erfüllung. "Sozialer Reichtum" beruhe im Wesentlichen ebenfalls auf drei Säulen. Diese werden auch näher und gut erklärt. Dazu gehört übrigens das Vertrauen der Mitmenschen aufgrund "verdienter"- nicht erworbener "Statussymbole". Was man unter einem "verdienten Status" zu verstehen hat, wird anschaulich aufgelistet. Erläutert werden zudem die "10 bewährten Systeme" zum Aufbau von "sozialem Reichtum". Sehr gut gefallen haben mir die Überlegungen zur richtigen Konversation, konkret die vier Prinzipien meisterlicher Gesprächsführung.

Dann der "geistige Reichtum"… Neugierde sei die Grundlage hierzu. Genannt werden auch hier drei Kernsäulen: "Lebenszweck", "persönliches Wachstum" und "Freiraum". Was es mit diesen auf sich hat, wird auch sehr gut erläutert. Unsere Kraft läge- hier wird Viktor Frankl erwähnt, der offenbar der geistige Vater dieses Gedankens ist- in dem Raum, der zwischen Reiz und Reaktion existiert. Auf diese Weise Freiräume zu schaffen und zu nutzen, sei der Weg wie man persönliche, mönchsgleiche Achtsamkeit freisetzen könne. Welche Gestalt Freiräume annehmen können, bleibt auch nicht unerwähnt.  10 Systeme zum Aufbau geistigen Reichtums werden ausführlich vorgestellt und man kann anhand von 5 Aussagen in Erfahrung bringen, wo man in puncto "geistigem Reichtum" steht, bevor man sich mit dem "körperlichen Reichtum" näher befassen kann. 

Auch hier werden die drei Säulen besagten Reichtums zunächst ausgelotet als da sind: "Bewegung", "Ernährung", "Erholung". Dazu gibt es dann eine Fülle sehr guter Informationen, mit entsprechendem Check, wo man steht. 

Zum Schluss dann geht es um den "finanziellen Reichtum". Keineswegs unwichtig, jedoch nicht allein selig machend! Dieser basiere auf ebenfalls 3 Säulen: "Einkommenserzielung", "Ausgabenmanagement", "langfristige Investitionen". Die einzelnen Stufen dieses Reichtums werden gut veranschaulicht und acht bewährte Systeme hierzu genannt. 

Bei allem sollte man in bei der Investition in sich selbst (Bildung, Gesundheit etc.)  nicht zögerlich sein, denn diese versprechen Gewinn auch noch in ferner Zukunft. 

Das Buch macht begreifbar, was zu tun ist, um ein sinnstiftendes Leben zu führen, das uns Freiräume schenkt, stets das zu tun, was wir selbst wirklich wollen. Dazu gehört weit mehr als nur Geld. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung: Piper oder überall im Handel erhältlich.

Rezension: Leider nicht unsterblich- Oliver Burkemann-Piper



Oliver Burkeman, der Autor dieser Publikation ist ein preisgekrönter Feuilletonist, dessen Texte im Guardian, der New York Times, dem Wall Street Journal, im Psychologies und der New Philosopher veröffentlicht worden sind. 

Das vorliegende Buch wurde aus dem Englischen von Henning Dedekind und Heide Lutosch ins Deutsche übersetzt und ist in vier Abschnitte untergliedert, als da sind:
 
Erste Woche: Die eigene Endlichkeit 
Zweite Woche: Handeln 
Dritte Woche: Loslassen 
Vierte Woche: Sich zeigen 

Eine mehrseitige, sehr gehaltvolle Einleitung ist diesen Abschnitten vorangestellt und zu Ende des Werks kann man sich in einen ebenso gehaltvollen Epilog vertiefen, der den reizvollen Titel trägt: "Vorwärts im Geist des Imperfektionismus". 

Wie der Autor schreibt, sind die 28 Kapitel dieses Buches ein Leitfaden für eine andere Art der Lebensgestaltung, die er "Imperfektionismus" nennt. Es geht ihm darum, die eigenen Begrenzungen zu akzeptieren und sich vollkommen auf sie einzulassen. Genau dies nämlich sei der Schlüssel zu einem, gesünderen, freieren, erfüllteren, spannenderen und sozial besser eingebundenen Leben.

Der Hauptgrundsatz des Imperfektionismus bestehe darin, zu begreifen, dass der Tag niemals kommen werde, wo alles andere aus dem Weg geräumt sei, um endlich ein erfülltes, sinnvolles und erfolgreiches Leben zu führen. Für endliche Menschen sei die Zeit dafür das Jetzt. 

Der Autor zitiert den Unternehmer Andrew Wilkinson, der es auf den Punkt bringt: "Die meisten erfolgreichen Menschen sind nur eine wandelnde Angststörung, die auf Produktivität getrimmt wurde." Es gehe aber nicht darum, immer perfekter zu werden, bis man sich endlich entspannen könne. 

Das Buch versuche dort anzusetzen, wo die "Bring dein Leben in Ordnung"-Denkweise scheitere, um stattdessen einen sinnvolleren und produktiveren Weg aufzuzeigen, der zudem Spaß mache. 

Man müsse begreifen, dass man stets anfällig für unvorhersehbare Katastrophen und belastende Emotionen sei und nie mehr als einen begrenzten Einfluss darauf haben werde, wie sich die eigene Zeit entfalte. Sofern man den nicht zu gewinnenden Kampf aufgebe, stets alles tun zu müssen, könne man seine begrenzte Zeit und Aufmerksamkeit auf eine Handvoll Dinge verwenden, die tatsächlich zählten. Dem stimme ich aus Eigenerfahrung zu. 

28 Tage umfassen die 4 Abschnitte. Dabei sollte man jeden Tag maximal ein Kapitel (sprich die Infos zu einem Tag) lesen. 

In der ersten Woche geht es darum, sich der eigenen Endlichkeit zu stellen, in der zweiten, mutige und dabei unvollkommene Maßnahmen zu ergreifen, in der dritten, über den eigenen Schatten zu springen und das Geschehen auf sich zukommen zu lassen und in der vierten Woche schließlich, sollte man sich auf das gesamte Leben einlassen und zwar in der Gegenwart und nicht erst später. Hier denke ich spontan: Herr Tolle lässt grüßen! Und doch ist dieses Buch kein Tolle-Plagiat! 

Zu Beginn der Überlegungen eines jeden Tages kann man den Kopfzeilen entnehmen, worum es geht. Gefallen hat mir das Zitat des dritten Tages, das unmittelbar nach den Kopfzeilen noch vor Burkemanns Überlegungen zu lesen ist: "Du kannst tun und lassen, was Du willst. Du musst nur bereit sein, die Konsequenzen zu tragen." (Sheldon B. Kopp) Genau den zweiten Teil des Satzes vergessen viele Menschen und suchen krampfhaft nach Schuldigen, wenn etwas schiefgeht. 

Es ist wahr, dass die einzigen beiden Fragen, die sich bei jeder Entscheidung im Leben stellen, folgende sind: Wie hoch ist der Preis und lohnt es, ihn zu zahlen? 

Sehr lesenswert sind auch die Überlegungen am 6. Tag. Hier liest man in den Kopfzeilen: "Man kann sich nicht um alles sorgen. Gelassen bleiben, wenn die Welt im Chaos versinkt." Es geht also darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und hierbei kein schlechtes Gewissen zu haben. 

Es entspricht ebenfalls meiner Meinung, dass man möglichst täglich etwas tun soll, allerdings Regeln, die man diesbezüglich verfolgt, unserem Leben dienen sollen. 

Überzeugt hat mich die Drei-bis vier Stundenregel für kreatives Arbeiten und Tage später, wie wichtig es sei, sich ablenken zulassen. 

Diese Gedanken und viele andere sinnstiftende Überlegungen mehr, führen zu dem Tag 28, an dem man erfährt, was nach Meinung Burkemanns wirklich zählt. Es scheint der Geist des "Imperfektionismus" zu sein, mit dem man sich anfreunden sollte, je früher umso besser.

Literaturempfehlungen zum Schluss zeigen, dass der Autor sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken:  Piper oder Amazon

Rezension: Wider die Verrohung-Ingrid Brodnig- Brandstätter

Ingrid Brodnig, die Autorin dieses Buches, ist Expertin für die gesellschaftlichen Auswirkungen von Digitalisierung und Debattenkultur. Sie hat für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Bruno-Kreisky-Sonderpreis für das politische Buch. 

Die Untertitel der Publikation lauten "Über die gezielte Zerstörung öffentlicher Debatten", "Strategien & Tipps um auf Emotionalisierung und Fake News besser antworten zu können". 

Das Werk ist in 7 Kapitel untergliedert. Zu Ende des Vorworts erklärt die Autorin die Absicht, die dem Werk zugrunde liegt: "Dieses Buch will Rüstzeug geben- zur Abwehr von Spaltungsversuchen und zur Verteidigung fairer geführter, demokratischer Diskussionen."

Wie Brodnig schreibt, kann moralische Entrüstung, um diese geht es in ihrem Buch häufig, auch Selbstdarstellung und Kalkül sein, um auf diese Weise im Netz mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. "Moral Outrage" könne Klicks und Werbeeinnahmen bringen. Insofern passe moralische Entrüstung bestens zu manch einem Geschäftsmodell. Lagerbildungen werden auf diese Weise bewusst provoziert. 

Die Autorin zeigt die Gefahr des Gruppendenkens auf. Hier geht es darum, dass inhaltlich fundierte Kritik abgeschmettert wird, indem man sie als unfairen Angriff auf die Gruppe umgedeutet. Befördert wird die "Wir-gegen die-Abwehrhaltung."

Gezeigt wird, wie die Feindseligkeit gegenüber Fremdgruppen gezielt genährt wird. Gezeigt wird auch wie Gruppengefühle zur Spaltung genutzt werden. Es wird aber auch mit einem sehr guten Tipp aufgewartet, wie man dies verhindern kann. 

Dass Wut bewusst ausgelöst werden kann, um die Gräben in Debatten zu vertiefen, bleibt ebenfalls nicht unerwähnt. Auch hier wird gezeigt, was zu tun ist, wenn die Wut- Strategie eingesetzt wird.

Immer wieder ist Tik-Tok ein Thema, weil diese Plattform im Besonderen ein Zerrspiegel der Wirklichkeit verkörpert. Hier kommen User am häufigsten mit Inhalten in Kontakt, die empören sollen.

Gezeigt wird u.a., welche Rollen die Medien bei der Verbreitung von Populismus haben, auch was gegen Spaltung hilft. 

Möchte man verrohte Sprache etwas zurückdrängen, so empfiehlt die Autorin, aktiv einzuschreiten und Menschen daran zu erinnern, welches Mindestmaß an Civility von allen erwünscht ist. Ob dies so einfach funktioniert, möchte ich aufgrund meiner Interneterfahrungen bezweifeln. Wer je einen Shitstorm  erleben musste, weiß, wovon ich spreche.

Dennoch stimme ich mit der Autorin überein, dass, sofern wir gegen Spaltung etwas tun möchten, es Diskussionsräume braucht, die ohne Beleidigungen auskommen, auch wenn der in er Feststellung enthaltene Wunsch blauäugig erscheinen mag.

Was noch? Thematisiert wird sehr gut das Beleidigen und Drohen als taktisches Mittel und wie eine aggressive Sprache die Eskalation antreibt. Beispiele im Hinblick auf Politiker gibt es nicht wenige. Diese werden übrigens auch  mutig angeführt. 

Was man tun kann, um zu deeskalieren, wird ebenfalls zur Sprache gebracht und auch gezeigt, wie man auf Falschmeldungen reagieren sollte. 

Dies und vieles mehr macht bewusst, dass es Mittel und Wege gibt, sich sprachlicher Verrohung und Fake News zu widersetzen und sich für deinen demokratischen Diskurs stark zu machen.  

Die Absicht Ingrid Brodnigs mit ihrem Buch "Rüstzeug geben- zur Abwehr von Spaltungsversuchen und zur Verteidigung fairer geführter, demokratischer Diskussionen."  konnte sie gekonnt in die Realität umsetzen.

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung  bitte hier klicken: Brandstätter oder Amazon

Rezension: Die Not-To-Do-Liste- 52 Wege, die größten Lebensfehler zu vermeiden -Rolf Dobelli- Piper



Rolf Dobelli, der Autor dieses Buches, ist Gründer und Intendant von WORLD.MINDS, einer Community von weltweit führenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Seine Bücher haben weltweit eine Millionenauflage erreicht und wurden in 40 Sprachen übersetzt. 

Wie der Autor in seinem Schlusswort schreibt, sei das Werk erst durch die Bearbeitung von fünf hervorragenden Lektoren lesenswert geworden. Als erste Lektorin nennt er seine Frau, die Schriftstellerin Clara Maria Bagus. Sie habe aus dem Rohmaterial etwas Verständliches geformt und die schlechtesten Kapitel rigoros gestrichen. Es seien nicht wenige gewesen. Die verbliebenen Texte habe sein Freund Niko Stoifberg, ebenfalls Schriftsteller, mit Meisterschaft poliert. Anschließend sorgten zwei kritische Redakteure der Welt am Sonntag und der NZZ am Sonntag als auch der Buchlektor Martin Janik vom Piper- Verlag für den letzten Schliff. 

Diese Offenlegung seines Teams finde ich lobenswert, weil Rolf Dobelli,- der Ideengeber-, zeigt, dass ein gutes Werk, nicht vom Himmel fällt, sondern helfende Hände benötigt, um zu dem zu werden, als das es gedacht ist und ein entsprechendes Dankeschön an die Helfer selbstverständlich öffentlich zelebriert werden muss, wenn man sich als kreativer Kopf, nicht zu einem Gott aufbrezeln möchte. Kurzum, Dobelli bleibt auf dem Teppich.

Worum geht es? 

Der Untertitel des Buches verrät es bereits. Es geht um die 52 Wege, die größten Lebensfehler zu vermeiden. 

Es handelt sich bei diesem Werk um einen Ratgeber, der sich  in der Reihe zahlloser Ratgeber auf dem Markt dadurch unterscheidet, dass er in jedem Kapitel in einer Art Vorspann zeigt, was man tun sollte, um durch entsprechendes Handeln zu negativen Ergebnissen zu gelangen, um anschließend jeweils "Die leise Stimme der Vernunft" zu Wort kommen zu lassen. Diese Vorgehensweise finde ich didaktisch sehr klug. 

Im Rahmen der Rezension ist es natürlich nicht möglich, alle 52 Kapitel, in denen die Wege aufgezeigt werden, kurz zu skizzieren. Ich stimme alle Vernunftgedanken Dobellis zu, dies schon mal vorne weg. 

Gefallen hat mir, dass der Autor offenlegt, wie breitgefächert seine Studien zu den Themen sind und neben Lebenserfahrung, ihn eben auch Bildung zu den Erkenntnissen gebracht haben, die er hier weitergibt. 

Besonders gut hat mir das Kapitel 3 gefallen. Dort geht es um Zuverlässigkeit. Hier erwähnt Dobelli -im Rahmen der leisen Stimme der Vernunft - Warren Buffet, der auch in anderen Kapiteln Denkimpulse beisteuert und hier im 3. Kapitel sich in wenigen Worten präzise zum Sinn von Reputation äußert. Für  Rolf Dobelli ist das Gefühl, sein Wort zu halten, das schönste überhaupt. Wortbruch allerdings, ist in unseren Zeiten leider Teil von Normalität, die dem Wortbrüchigen am Ende immer schadet, auch wenn er anderes zunächst glaubt.  

Tipps wie man sich das Leben schwer machen kann, finden sich in jedem Vorspann. Die Kopfzeilen zeigen bereits, wo die Reise hingeht: "Seien Sie ein Arschloch", "Halten Sie an Ihren schlechten Gewohnheiten fest" oder auch "Setzen sie sich idiotische Ziele". 

Sehr schön formuliert ist folgender Gedanke im Rahmen "der leisen Stimme der Vernunft" im punkto innerer Ziele:"Wenn es Ihnen gelingt, toxische Emotionen wie Wut, Neid, Selbstmitleid und ständige Nervosität aus Ihrem Leben zu streichen und Sie sich rational und anständig verhalten, stellen sich Glück und Gemütsruhe von allein ein." 

Dieser Gedanke und tausend kluge Gedanken mehr, lohnen sich zu lesen und zu beherzigen, wenn man Lebensfehler vermeiden möchte, die bekanntermaßen zu Verdruss und Schlimmerem führen. Wer will das schon?

Ein tolles Buch, von einem hervorragenden Autor, dessen Demut ihn sympathisch macht. 

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Piper oder Amazon

Rezension: Dieses Buch verändert dein Leben für immer-Martin Wehrle-mosaik


Martin Wehrle, der Autor dieses Buches ist laut dem mosaik- Verlag Deutschlands bekanntester Karriere –und Persönlichkeitscoach. Er hat bereits einige Spiegel –Bestseller verfasst, bildet an seiner Karriere-Berater-Akademie erfolgreich Coaches aus und inspiriert mit seinem YouTube –Kanal "Martin Wehrle: Coaching- und Karrieretipps" rund 700.000 Abonnenten. 

Auf der Innenseite des vorderen und hinteren Buchdeckels erfährt man in wenigen Sätzen, worum es in diesem Werk geht und noch kürzer dann im Untertitel, der wie folgt lautet: "Wie du deine Lebensfreude verdoppelst und deine Probleme halbierst". Dass klingt vielversprechend. 

Wie Martin Wehrle in seinem Vorwort so treffend schreibt, sei, gleichgültig was in unserem Leben geschehe, das Problem nicht die äußere Wirklichkeit, sondern die Bewertung. Wir würden stets aufs Neue entscheiden, ob wir Probleme oder Chancen sehen. Chancen versprechen- ohne Frage - ein angenehmeres Leben. 

Wehrle nutzt alte Weisheiten der Stoiker, aktueller Erkenntnisse der Positiven Psychologie, Erfahrungen aus seiner Beratungspraxis aber auch Erfolgsrezepte prominenter Zeitgenossen und beginnt seine 52 Impulse jeweils mit einer kleinen Geschichte, die als Wegweiser dient, um in ein neues Leben "abzubiegen."

Jeder Impuls verdichtet sich in "drei Perlen", denen eine "Mini-Challenge mit Maxi-Wirkung" folgt. Gefallen haben mit alle Geschichten und Impulse, so auch die Geschichte um den Fußballtrainer Jürgen Klopp und hier Wehrles Ausführungen zur Image- und Charakter-Ethik. Wer erfolgreich ist und bleiben möchte, folgt der Charakter-Ethik, erfüllt also nicht die Erwartungen anderer, sondern die eigenen. Das leuchtet ein. 

Es gehe um den Selbstrespekt, darum den eigenen Werten zu folgen. Das überzeugt. 

Sehr schön, hier die 3 Perlen, denen ich voll und ganz zustimme. 

1. Je verbindlicher ich bin, desto verbundener bin ich mit anderen. 
2. Mit jedem Versprechen, das ich halte, halte ich meine Werte hoch 
3. Nur wenn sich jeder auf mich verlassen kann, kann ich selbst es auch.

Lobenswert auch sind die Fragen, die Wehrle in seiner jeweiligen Mini-Challenge stellt. Sie regen zum Nachdenken an und verändern, indem man sich, nach Antworten suchend, darauf einlässt, das Bewusstsein. 

Man erfährt u.a., worin der Unterschied zwischen gesundem Optimismus und toxischer Positivität liegt, weshalb Anpassung der Sargnagel für Individualität ist, wie man herausfindet, wer man wirklich ist und lernt insgesamt die richtigen Fragen an sich selbst zu stellen, die einen in der Persönlichkeitsbildung weiterbringen. So etwa, welche Menschen und Orte uns Energie schenken und welche das Gegenteil bewirken? 

Sätze wie "Was Ihnen in der Welt begegnet, ist nicht zuletzt ein Resultat ihrer Erwartungen," lassen aufhorchen. Grund genug, der Welt Gutes zuzutrauen, denn offenbar nimmt man so auch mehr Gutes wahr. 

Man erfährt mehr über das heimliche Limit im eigenen Kopf, das es zu sprengen gilt und lernt ungünstige Gewohnheiten zu stoppen. Das funktioniert übrigens über Bewusstheit und indem man es der Gewohnheit schwer macht. Mehr dazu S.87 ff. 

Spannend auch die Anmerkungen zum Impuls, wie einem ein echter Neuanfang gelingt. Hier erfährt man die 5 Erkenntnisse der modernen Forschung, was wir für unser Glück benötigen. Gefallen haben mir die Gedanken (eine Perle), die da lauten: "Wenn ich alles in meinem Leben verändere, nicht aber meine Gedanken, habe ich nichts verändert" und (eine weitere Perle) "Wenn ich alles in meinem Leben belasse, aber meine Gedanken verändere, kann ich alles verändern." 

Martin Wehre zeigt des Weiteren, wie unser Geist alles stemmen kann und weshalb Humor unser Leben rettet. 

Gefallen hat mir, dass der Autor einen berühmten Gedanken aus dem Talmud in seinen Text hat einfließen lassen und auch, dass Wehrle sich Sören Kierkegaard anschließt, wenn es ums Vergleichen geht. 

Martin Wehrle zeigt des Weiteren, was Erwartungen mit uns machen, weshalb man keinem nach dem Mund reden soll und gibt noch viele weitere gute Ratschläge, die man beherzigen sollte. 

Dieser Autor überzeugt durch seine Klugheit und pädagogische Fähigkeiten. Ein brillanter Psychologe, der gute Laune verbreitet und dabei wertvolle Erkenntnisse vermittelt. 

Ein Buch, das man nicht aus der Hand nimmt, wenn man es zu lesen begonnen hat. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König
Onlinebestellung bitte hier klicken: mosaik oder Amazon

Rezension: Zusammen- Ronja von Wurmb-Seibel – Kösel



Ronja von Wurmb-Seibel, eine mehrfach auszeichnete Journalistin, Autorin und Filmemacherin,  hat mit "Zusammen" ihr drittes Buch verfasst. Der Untertitel dieser Publikation lässt bereits erkennen, worum es geht. Er lautet "Warum wir für ein gutes Leben Verbündete brauchen und wie wir sie finden."

Im Rahmen von acht Kapiteln wirbt die Autorin für ein besseres Miteinander und erinnert an Hannah Arendts Werk "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft", indem diese beschreibt, dass Einsamkeit, Isolation und das Fehlen tragfähiger Beziehungen die entscheidenden Wegbereiter des Nationalsozialismus in Deutschland waren. 

Aktuelle Studien zeigten, dass Einsamkeit dazu führe, dass Menschen sich weniger stark gesellschaftlich engagierten und weniger an politischen Prozessen teilnehmen würden. 

Die Autorin möchte mit ihrem Werk  Antworten suchen auf die Frage, was uns dabei hilft, verlässliche Verbündete zu finden, was uns hilft, gegen das Gefühl von Einsamkeit anzukämpfen, sowohl gesellschaftlich als auch individuell und diesem etwas entgegenzusetzen. 

Sie fragt u.a., was man tun kann, um trotz Alltagsstress, geographischer Entfernungen und kapitalistischer Zwänge in unserem Leben, Zeit für andere Menschen freizuschalten aber auch, was man selbst tun kann, um den kollektiven Gefühl der Entfremdung etwas entgegenzusetzen. 

Wir benötigten Menschen zum Überleben und damit wir gut lebten könnten. Unser Gehirn reagiere auf soziale Ausgrenzung oder auf das Gefühl isoliert zu sein, mit einer Art Überlebensmodus. Wie dieser ausschaut, beschreibt die Autorin sehr genau aber auch welche Folgen dies hat. 

Auf gesellschaftlich-politischer Ebene habe Einsamkeit bzw. das Bedürfnis, uns mit anderen zu verbinden, auch Folgen, denn einsame Menschen haben ein geringeres Vertrauen, nicht nur in ihre Mitmenschen, sondern  laut dem Pilotbericht "Einsamkeitsbarometer" aus dem Jahr 2023 auch gegenüber politischen Institutionen. Einsame Jugendliche tendierten häufiger zu antidemokratischen Einstellungen bis hin zur politischen Radikalität. 

Die Zusammenkunft mit Dritten und gemeinsame Reden über eine Sache, könne von Menschen als heilend empfunden werden, selbst dann, wenn sie einander zuvor nie begegnet sind oder noch nicht mal wüssten wie ihr Gegenüber heiße. Jedes Mal, wenn wir Gemeinschaft erlebten, schützten  wir unseren Körper vor den Folgen von Einsamkeit. 

Einsam fühle sich, wer weniger soziale Kontakte habe als er oder sie sich wünsche. Dabei unterscheiden Forschende, so die Autorin, grundsätzlich zwischen emotionaler Einsamkeit- dem Mangel an engen Beziehungen, sozialer Einsamkeit – einem Mangel an Freund*innen und Bekannten- als auch kollektiver Einsamkeit- dem Mangel an Zugehörigkeit zu einer größeren Gruppe oder der Gesamtgesellschaft.

Einsamkeit sei ein Zustand. Als solcher ist er veränderbar. Im Jahr 2023 fühlten sich in Deutschland 25% der Menschen "sehr einsam". Dabei sei das Risiko junger und alter Menschen sehr hoch und Frauen seien stärker als Männer betroffen. 

Um der Einsamkeit zu entgehen, werden nach jedem Kapitel Experimente für den Alltag präsentiert, die es lohnt auszuprobieren. Spannend zu lesen, das Kapitel "Das Geheimnis des gesunden Älterwerdens". In 148 Studien kam man zum Ergebnis, dass soziale Beziehungen die Lebenserwartung steigern und zwar um mehr als 50%. 

Wichtig für soziale Beziehungen ist die Neugierde, sie schaffe die Grundlage für ein tieferes Gespräch. Weiter erfährt man, wie man neue Menschen in sein Leben lassen kann und weshalb es wichtig ist, Gespräch von Angesicht zu Angesicht zu suchen. 

Wie schafft man es gar eine "Community" zu gründen? Weshalb ist es so wichtig, Freude zu empfinden? Über das und vieles mehr, schreibt die Ronja von Wurmb-Seibel packend und erwähnt die Autoren Chip und Dan Heath, die so treffend formulieren "Menschen fühlen sich eng miteinander verbunden, wenn sie erkennen, dass das, was sie tun, wichtig ist und dringend und größer als jeder Einzelne von ihnen."

Mximal empfehlenswert.

Helga König

Onlinebestellung: Kösel oder Amazon


Rezension: Wir müssen reden- aber richtig! Robert Burdy-Herder


Robert Burdy, der Autor dieses Buches, ist Journalist und Kommunikations-Coach. Mit Gerald Hüther gemeinsam schrieb er das Werk "Wir informieren uns zu Tode".

Das Vorwort des vorliegenden Buches hat übrigens Gerald Hüther verfasst, dessen Bücher ich sehr zu schätzen weiß. Die aus 10 Kapiteln bestehende Publikation beginnt nach dem Vorwort mit einer Einleitung des Autors. Hier lässt uns Robert Burdy wissen, dass man Kindern im Grunde nur vermittele, wie man Wortgeräusche mache, nicht aber, was man sage. Durch diese falsche Kommunikation entstehe wortreiche Sprachlosigkeit. 

Burdy möchte zeigen, wie wir Information mit anderen teilen, denn nur das Teilen von Informationen mit anderen Menschen, die unser Leben in irgendeiner Form berühren, sei geglückte Kommunikation. Gescheiterte Kommunikation töte gemeinsame Projekte, Beziehungen und Lebensträume. Perfektes Teamwork setze rund laufende Kommunikation voraus. 

Der Autor geht zunächst der Frage nach, was sich ereignet, wenn man miteinander kommuniziert. Es gehe letztlich darum, in einer stets komplexer werdenden Welt, Lösungen für Probleme zu finden, indem man von den Erfahrungen anderer profitiere. Gegenseitig voneinander zu lernen, sei eine essentielle Grundmotivation für Kommunikation. 

Während verletzende Kommunikation einer Körperverletzung gleichkomme, bedeute gelungene Kommunikation Entwicklung. Dabei muss uns klar sein, dass wir mit "Offenheit" verletzen könne und damit unser eigenes Bedürfnis nach "Verbundenheit" verletzen. Neben  dem Bedürfnis nach Gestaltung des eigenen Lebens sei das Bedürfnis nach Verbundenheit das zweite essentielle Grundbedürfnis  von uns Menschen. 

Sich fragen, was man mit zu sendenden Botschaften erreicht, ist im Vorfeld sinnstiftend. Der Autor geht auf die Frage ein, was man emotional bewirken möchte und unterstreicht die Tatsache, dass Kommunikation, die gelingen soll, mit großer Achtsamkeit vorgenommen und umgesetzt werden müsse. Es geht nicht darum, was man sagen kann, sondern, was man sagen will. 

Wichtig vor allem, ist Freundlichkeit, wenn man kommunizieren möchte. Dies aber scheint nur wenigen bewusst zu sein. Die Ergebnisse sind entsprechend. 

Der Wunsch, mit anderen verbunden zu sein und sich gegenseitig zu helfen, sei der Ursprung jeglicher Kommunikation. 

Spannend zu lesen ist nicht zuletzt Kapitel 4, wo man mehr über Unaufmerksamkeitsblindheit erfährt, die ein Ausdruck des Relevanzfilters im Gehirn verkörpere. Die meisten Menschen richteten ihre Aufmerksamkeit genau dorthin, wo sie Relevanz erkennen würden. Für den Überblick in Sachverhalten, ist das nicht immer genug.

Was es mit Narrativen auf sich hat, wir sehr gut erläutert. Sie seien der Versuch, alle Informationen in einen erzählten Zusammenhang zu bringen. Obschon dies eine wichtige Funktion sei, dürfe man nicht außer Acht lassen, dass diese Geschichten unser Bild von unserer Welt und unsere Mitmenschen bis zur Unkenntlichkeit verzerrten. 

Wie notwendig es ist, auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, wird auch erklärt. Dabei gilt es offen zu bleiben, Bewertungen in unseren Narrativen zu hinterfragen und manche unserer Geschichten umzuschreiben, wenn wir emotional intelligent kommunizieren möchten. 

Wichtig natürlich sei auch das Zuhören. Worin der Wert des aktiven Zuhörens liegt, kommt auch zur Sprache und noch vieles andere mehr. Doch ich möchte nicht zu viel verraten...

Die insgesamt acht Maximen emotional intelligenter Kommunikation, die im Buch ausführlich und gut erläutert werden, sollte man sich klar vor Augen halten, damit Gespräche in Zukunft wirklich  gelingen und alle Beteiligten zufrieden  mit dem Verlauf und den Ergebnissen  sein können. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken:  Herder oder Amazon

Rezension: Hidden Potential- Die Wissenschaft des Erfolgs-Adam Grant-Piper


Adam Grant, der Autor dieses Buches ist Professor für Organisationspsychologie an der renommierten Wharton Business School. Dort forscht er im Bereich Motivation und Produktivität und wurde vielfach ausgezeichnet. Seine internationalen Bestseller wurden in 35 Sprachen übersetzt und erzielten Millionenauflagen. 

Nach einem ausführlichen Prolog ist das Buch in drei Teile untergliedert, die mit einem 10 seitigen Epilog enden.

Bei den drei Teilen handelt es sich um: 
Teil I: Charakterstärken 
Teil II: Strukturen und Motivation 
Teil III: Chancensysteme 

Wie der Autor schreibt, sind es unsere Charaktereigenschaften, die uns über Maschinen erheben. So ist beispielsweise der Mut, sich dem Unangenehmen zu stellen, eine charakterliche Fähigkeit, eine besondere Form der Entschlossenheit, die dazu befähigt, Unbehagen anzunehmen, zu suchen und zu verstärken, um sich weiterzuentwickeln.

Lernen bedeute, sich Unbequemem zu stellen, Fehler zu machen, um daraus zu lernen.

Es geht dabei nicht darum, sich zu optimieren, sondern eher darum, über sich hinauszuwachsen. Es geht nicht darum, das eigene Ego zu streicheln, sondern darum, die eigene Entwicklung zu fördern. Dies geschieht, indem man sich nach neuen Kenntnissen, Perspektiven und Fähigkeiten umschaut, sich Ratschläge geben lässt und dabei lernt. 

Während das sich Optimieren von uns wegführt, ist das, was Adam Grant thematisiert, eine Methode seine Gaben kennenzulernen und zu nutzen. Es gehe nicht darum, Perfektion anzustreben, sondern stattdessen darum, Spitzenleistungen zu erzielen. Das setzt voraus, dass man eigene Fehler akzeptiert, um sie mit der Zeit auszumerzen. 

Der Autor zeigt, wie man mit richtigen Hilfsmitteln Hindernisse überwinden kann, dass es wenig Sinn macht, wie besessen zu arbeiten, weil dies nur zum geistigen Ausgebranntsein führe. 

Um zu lernen, müsse man sich aufs Üben freuen. Es gehe darum, spielend zu lernen, dabei auch Pausen zu machen. 

Wenn man in eine Sackgasse gerät, heißt es umzukehren und einen neuen Weg einzuschlagen. Dazu sei nicht selten ein Kompass nötig, mehrere Unterstützer und eventuell Nebenprojekte. Auch darüber erfährt man Wissenswertes. 

Letztlich geht es auch darum, dass auch Außenseitern und Spätzündern, die Möglichkeit eröffnet wird, es weit zu bringen, dass man Schülern die Freiheit gibt, ihre individuellen Interessen zu wecken, aber auch zu teilen. 

Thematisiert wird u.a. wie man kollektive Intelligenz entdeckt und Gruppen in Teams verwandelt. Wichtig zu wissen: Kollektive Intelligenz ist eine Frage des Zusammenhalts. Dies und manches mehr, macht das Werk interessant.

Nicht nur das Werk in seiner Gesamtheit, sondern auch dessen Schlusssatz hat mir gefallen. Dieser lautet: "Der ultimative Maßstab für Potential ist nicht die Höhe des Gipfels, den man erklimmt, sondern auch die Strecke, die man zurückgelegt hat- und bei deren Bewältigung man anderen geholfen hat."

Es ist ja letztlich das Helfen, dass uns Menschen reifen und zu Persönlichkeiten werden lässt,

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Piper oder Amazon

Rezension: 12 Gesetze der Dummheit- Henning Beck-Econ



Henning Beck, der Autor dieses Buches, ist studierter Biochemiker und wurde in Neurowissenschaften promoviert. Ihm geht es darum, Denkfehler aufzuzeigen, die vernünftige Entscheidungen in der Politik und bei uns allen verhindern, so seine Worte im Untertitel der hier vorliegenden Publikation. 

Wie er im Vorwort bereits schreibt, resultieren viele Formen der Dummheit nicht aus mangelnder Intelligenz, sondern daraus, dass wir unsere Denkfähigkeit nicht sinnvoll oder besseren Wissens einsetzen. So spielten kognitive Verzerrungen eine Rolle, beispielsweise bei unserer Risikowahrnehmung. 

Im Rahmen von 12 Kapiteln lernt man die 12 Gesetze der Dummheit kennen und wird zunächst damit vertraut gemacht, dass wir offenbar in einer Zeit postwissenschaftlichen Denkens leben. Das heißt konkret, dass spirituelle Bewegungen, trotz unserer auf technisch-wissenschaftlichem Fortschritt gründenden Gesellschaft aktueller denn je sind. Ursächlich hierfür sei der drohende Kontrollverlust. Ein Phänomen unseres Denkens bestehe darin, Zusammenhänge zu sehen, wo es keine gäbe. Speziell in problematischen Zeiten suche der Mensch ebenda Muster, wo keine sind. Das führe dazu, dass beispielsweise ein schlechter Verlauf am Aktienmarkt zur Folge habe, dass sich Horoskope besser verkauften. Astrologie oder ein magisches Ritual verschaffe dann eine vermeintliche Sicherheit.

Zu glauben, dass Bildung ein gutes Gegenmittel gegen unwissenschaftliches Denken sei, sei ein Irrtum. Dies zeigt der Autor an mehreren Beispielen überzeugend auf. So könne nachgewiesen werden, dass ein höherer Bildungsgrad zu Dogmatismus führe. Weshalb das so ist, erklärt der Autor sehr gut und fragt wie man postwissenschaftlichem Denken begegnen könne. Er verdeutlicht, dass ein ideologiefreier Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen der ergebnisfreie und meinungsoffene Gedankenaustausch sei. 

Es führt zu weit, auf alle 12 Gesetze der Dummheit im Rahmen der Rezension näher einzugehen. Erwähnen möchte ich, dass es lt. Beck wichtig ist, häufiger zu erklären, als zu begründen. Begründung ziele auf Nützlichkeit ab und dies führe zwangsläufig zur Konfrontation. Dem kann man nicht widersprechen. 

Der Autor erläutert des Weiteren, weshalb wir uns die Zukunft stets falsch vorstellen. Hier zeigt er u.a. auf, weshalb wir unterschätzen, wie sehr wir uns verändern, auch weshalb wir denken, die Welt sei statisch. 

Des Weiteren bringt er zur Sprache, dass durch das Individualisieren von Meinungen im Internet, die Gefahr besteht, dass sich Menschen in ihren Meinungen radikalisieren und in der Folge antidemokratischer handeln. Dies zeigen bereits Studien aus dem Jahre 2017. Ursächlich sind die sogenannten Bestätigungsfehler, die sich online leichter entfalten können als offline. Die Polarisierung nimmt bekanntlich zu. 

Der Autor schreibt u.a. auch über das Phänomen der Reaktanz, wonach die Menschen lieber frei als klug entscheiden. 

Beck nennt dann die drei Grundregeln des menschlichen Denkens: das Streben nach Freiheit, das Streben nach Ergebnissen, das Streben nach sozialer Anerkennung und macht deutlich, was zu tun ist, dass sich kluge Ideen durchsetzen. Weiter verdeutlicht er, weshalb uns die Zukunft im Grunde egal sei.

Zwei Gründe spielen hier eine Rolle: Wir würden lieber an die Gegenwart denken als an die Zukunft und hielten im Zweifel an dem fest, was wir schon hätten. Jetzt ist bekanntermaßen das esoterische Credo, dem derzeit mit Fleiß gehuldigt wird. Doch das scheint dumm zu sein, denn, so der Autor "Wer an die Zukunft denkt und kurzfristige Impulse unterdrückt, ist erfolgreicher, altert langsamer und lebt gesünder."

Was noch? Sehr viel, so beispielsweise erfährt man, weshalb wir die falschen Probleme zuerst lösen und ungern Risiken eingehen und weshalb dies unklug ist. 

Als Grund, weshalb politische Minderheiten nicht der Sprung in die Mehrheit gelänge, nennt er, dass die Minderheiten Feinbilder schaffen und so an ihrem Untergang arbeiteten. Auch das ist dumm. 

Die Dummheit der bürokratischen Verkomplizierung bleibt auch nicht ausgespart und es wird der Frage nachgegangen, wie sich das Bürokratiemonster bändigen lässt. 

Vielleicht noch etwas: Ja, vielleicht sollte man sich in die vier Zutaten des Schwarzsehens vertiefen und begreifen lernen, dass es klug ist, anstelle schwarzzusehen,  Lösungen zu finden und tatkräftig Kurs zu halten, wenn unsere Welt, wie jetzt gerade, angeblich unterzugehen droht. Schwarzseherei und Larmoyanz wird sie nicht retten.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Econ oder Amazon

Rezension: Frauen des Jahres-Lernen von den Besten für die eigene Karriere-Callwey


In diesem spannend zu lesenden Jahrbuch der "her Career- die Karriere- und Networking- Plattform für Frauen-" werden die herausragendsten 24 Frauen des Jahres porträtiert, die in unterschiedlichen Berufen aufgrund innovativer Ideen, Entschlossenheit und Leidenschaft Karriere gemacht haben.

Das Grußwort zum Buch hat die Gründerin der Messe, Rocks GmbH Natascha Hoffner verfasst, die dazu einlädt,  sich die Vielfalt weiblicher Karrieren zu vergegenwärtigen, sich inspirieren zu lassen und den eigenen Weg zu entdecken. 

Nach drei Vorwörtern zum Buch dann kann man die mit den 24 Karrierefrauen befassen, die in ganz unterschiedlichen Organisationen- vom Start-up bis zum Großkonzern- ihre Karrieren gestaltet und ihre persönlichen Erfahrungen gesammelt haben. 

Wie Andrea Wasmuth, die Vorsitzende der Geschäftsführung Handelsblatt Media Group, so treffend formuliert, spiegeln die Geschichten die Vielfalt der Arbeitswelt wider und dokumentieren, dass es nicht nur einen Weg zum Erfolg gibt. 

Es empfiehlt sich, die Porträts als Leitfaden zur eigenen Karriere begreifen, sich die vielen Ratschläge und praktischen Tipps zu Herzen nehmen und alsdann den "Samen für Veränderung" zu säen. 

Neben den textlichen Porträts der Damen lernt man diese auch stets durch ein Konterfei kennen, kann sich mittels hervorgehobener Zitate rasch mit deren jeweiliger Denke vertraut machen, erhält dazu drei Karriere-Tipps der einzelnen Frauen, des Weiteren eine Leseliste, Infos, welche Webseiten man besuchen solle, welche Studien gibt, worauf es ankommt bei einer Bewerbung und viele andere Tipps und Ratschläge, die für die Karriere wichtig und hilfreich sind. 

Authentizität  ist das A und O, niemals die eigene Persönlichkeit aufzugeben, bleibt bei allem wichtig, wenn man durchstartet und die Bodenhaftung niemals zu verlieren, das sollte man auch nie vergessen, denn sie schützt vor Absturz.

Voneinander zu lernen, das ist die Botschaft, die  hier  sehr gut vermittelt wird.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Callwey oder Amazon