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Rezension: Weltmedizin- Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer-S.Fischer

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer gründete 1997 das interdisziplinär ausgerichtete Institut für Mikrotherapie in Bochum. Seit Jahrzehnten bittet er weltweit Kollegen, Schamanen und Heilerinnen, ihr Wissen mit ihm zu teilen und genau dieses Wissen hat er in dem vorliegenden Buch zusammengefasst.

Zunächst schreibt der weitgereiste Mediziner über die Kunst des Heilens und fragt, wie viel altes Wissen bereits verloren gegangen ist. Für Grönemeyer hat jede Medizinschule ihre Berechtigung. Deshalb führt er nicht grundlos an, dass man schon vor fast 4000 Jahren den sogenannten "Grauen Star", eine meist altersbedingte Linsentrübung, behandelt hat. Bei mangelndem Erfolg des Eingriffs sollten dem Augenoperateur die Hände abgehackt werden, wie man damaligen Gesetzestafeln entnehmen kann.

Der Autor unterstreicht, dass ihn seine Erfahrung gelehrt hat, dass man nachhaltige Heilungserfolge nur erzielen kann, wenn man sich menschlich auf den Patienten einlässt, ihn individuell wahrnimmt. 

Alte Heilerkenntnisse mit neuen zu verbinden, das ist das zentrale Thema des Buches. Deshalb erfährt man in der Folge mehr zur Akupunktur, zu Ayurveda, zu arabisch-persischer Medizin, zu Heilkräutern, zu Heilzauber, zu Hightech-Medizin, Klostermedizin, Massagen, Medizin der Mayas, Naturheilkunde, Qui Gong, Reflexzonentherapie, Schamanismus. Tai Chi, Traditionelle Chinesische Medizin, Trance, Tuina/Shiatsu, Yoga.

Zu all den Heilmethoden gibt es natürlich zwischenzeitlich viele Bücher, doch ist mir bislang keines bekannt, das so kompakt einen Überblick verschafft. Mit großem Interesse habe ich das Kapitel über das verlorene Wissen der Azteken, Inkas und Mayas gelesen, die ohne das chirurgische Instrumentarium von heute bereits Schädeloperationen durchführten.

Chili und Kakao wurden von diesen Völkern zu Heilzwecken eingesetzt, über die der Autor auch informiert. Zudem liest man u.a. über Weihrauch, von dem man heute weiß, dass er eine hemmende Wirkung auf Tumorzelllinien hat. 

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension all die Heilmethoden kurz anzureißen, fest steht auch  hier: Das Rad wurde nicht erst heute erfunden.

Sehr gut auch ist der sogenannte medizinische Pfadfinder zum Schluss, in der alle traditionellen und alternativen Heilweisen alphabetisch geordnet, kurz erklärt werden. So findet man z.B. unter dem Buchstaben "M" u.a. Näheres zu Makrobiotik, Meditation, Mineralien /Kristalle, Moorbäder, Musiktherapie und Muskelentspannung nach Jacobsen.

Wer das Buch aufmerksam liest, erkennt, dass Mediziner und Patienten klug beraten sind, sich ganzheitliche Heilkunst zu entscheiden. Auch hier gilt es voneinander zu lernen und nicht gegeneinander zu konkurrieren.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich.

Rezension Peter J. König: Tom Holland- Mohammed Der Koran und die Entstehung des Arabischen Weltreichs Klett-Cotta

Noch nie hat der Islam so viel Aufmerksamkeit, aber auch Ablehnung hierzulande erlebt, wie zuletzt, als durch die Wirren und Kriege im Nahen Osten sich Millionen von Menschen auf den Weg nach Mitteleuropa und hier ganz besonders nach Deutschland gemacht haben. Der überwiegende Teil dieser Personen sind als Araber islamischen Glaubens. Um zu verstehen, was es mit dem Islam und dem arabischen Weltreich auf sich hat und wie dieser Glaube entstanden ist und wie er sich explosionsartig über die ganze Welt verbreitet hat, dazu hat der britische Historiker Professor Tom Holland dieses sehr aufschlussreiche und überaus informative Buch mit dem Titel "Mohammed" veröffentlicht. Um ein solches Werk zu verfassen und noch viel wichtiger, es einer breiten, weniger sachkundigen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bedarf es neben der schier endlosen Fülle von geschichtlichen Fakten und Einordnungen, der richtigen Sprache die geeignet ist, den interessierten Leser zu erreichen und zu fesseln, um immer wieder diese Neugierde zu wecken, die es schafft auch noch so komplexe Zeitgeschehen zu verstehen und miteinander zu verbinden. Dies ist dem Autor bestens gelungen und wenn das eine oder andere nach der Lektüre dieses Buches auch wieder aus dem Bewusstsein verloren geht, nach aufmerksamen Lesen und Gebrauch der umfangreichen Zeittafel, der Dramatis Personae, dem Glossar, der Bibliographie, den Anmerkungen und dem Verzeichnis der Karten besitzt man doch einen fundierten Überblick über die Geschichte des Islam von seinen Anfängen bis zu den Tagen eines ausgedehnten arabischen Weltreiches unter der Ägide der islamischen Religion.

Es war keineswegs abzusehen, dass um die Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert die Araber eine weltgeschichtliche Revolution herbeiführen sollten. Alles begann mit dem Propheten Mohammed und den Kalifen, ihrem politischen Wirken und schließlich mit der Gründung Bagdads im Jahre 762. Tom Holland analysiert die geistig-politischen Umwälzungen jener Zeit in der Region und die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Großmächten der damaligen Zeit. Zugleich spürt er den tiefer liegenden Gründen nach, warum und wie Mohammeds Offenbarungen in einem abgelegenen Winkel der damaligen Welt und seine unbedingte Forderung nach Unterwerfung unter Allah der menschlichen Zivilisation ein neues Gesicht gaben. Im Gegensatz zu Jesu Christus, dessen Leben durch die Evangelisten nur vergleichsweise unzuverlässig überliefert wurde, weiß man über das Leben Mohammeds mehr oder weniger fast alles. Bekannt sind seine genauen Lebensumstände, seine Vermögensverhältnisse und seine Liebesbeziehungen. Zudem ist auch recht viel bekannt über die damaligen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Alles hat enorme Bedeutung um zu verstehen, warum der Islam sich auf solch rasante Weise verbreiten konnte. Welche Bedeutung dabei der allmähliche Untergang des Römischen Reiches gespielt hat und welche Rolle das bereits lange bestehende Judentum und die aufstrebende christliche Gemeinde gespielt hat und welche Rolle das Persische Reich dabei einnahm, alles wird hier profunde geschichtlich nachvollzogen. Trotz aller wissenschaftlicher Gelehrtheit bleibt es doch ein Mysterium, warum der Islam so erfolgreich agieren konnte, um sich auf der ganzen Welt zu etablieren. 

"Mohammed" von Tom Holland ist keineswegs ein Buch, das für Wissenschaftler geschrieben worden ist. Ganz im Gegenteil, es vermittelt Wissen auf verständliche und anregende Weise, um verstehen zu lernen, was es mit dem Islam auf sich hat, um die Hintergründe zu erfahren, warum und wie eine neue Welt-Religion entstanden ist und auf welcher intellektuellen Basis sie agiert. Ein solches Wissen erleichtert den Zugang zu den Menschen und ihren religiösen Anschauungen, die durch das politische Chaos nach Europa geflüchtet sind. Zugleich erweitert das Werk den Horizont des Lesers und gibt die Chance diesen Menschen tolerant auf Augenhöhe zu begegnen, denn der Islam ist eine Religion mit positiven intellektuellen Wurzeln und hat nichts mit der politischen Abartigkeit zu tun, die sich zuletzt durch den "IS" gezeigt hat.

Maximal empfehlenswert.

 Peter J. König

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Mohammed, der Koran und die Entstehung des arabischen Weltreichs

Rezension: Die schönsten Bibliotheken der Welt-Massimo Listri- TASCHEN

In diesem reich bebilderten Prachtband von TASCHEN werden die schönsten Bibliotheken der Welt vorgestellt. Dabei sind diese untergliedert in vier Rubriken und zwar in: 

Südeuropa
Italien, Spanien und Portugal 
West- und Nordeuropa 
Irland, England, Frankreich, die Niederlande und Schweden 
Zentral Europa 
Deutschland, Schweiz, Österreich Tschechien 
Amerika
USA, Mexiko, Brasilien und Peru 

Den vier Rubriken vorgeschaltet ist eine umfangreiche Einleitung von Georg Ruppelt mit dem Titel "Gedächtnis der Welt". Dieser und alle weiteren Texte im Buch sind in englischer, deutscher und französischer Sprache abgedruckt. 

In der Einleitung erfährt man u.a., dass die ältesten noch existierenden Bibliotheken Europas aus dem Mittelalter stammen. Doch der Beginn einer allgemeinen Sammeltätigkeit setzte bereits früher ein. Etwa 14 Generationen umfassen diese Jahrhunderte seit dem frühen Mittelalter. Dabei kennen große Bibliotheken idealerweise keine Grenzen und stellen in ihrer Gesamtheit ein Wunder dar, so Ruppelt, weil sie auf vergleichsweise kleinem Raum die Welt abbilden, "wie sie ist, wie sie war, wie sie möglicherweise sein wird, aber auch wie sie sein sollte und wie sie sein könnte."

Ruppelt bezeichnet Bibliotheken als Speicher für die Tatsachen der realen Welt ebenso wie für die vielen Alternativwelten der Fantasie. Sie bilden den Geist vieler Individuen ab. Darüber hinaus lassen sie geistige Prozesse von einzelnen Gesellschaften wie auch Gemeinschaften oder der gesamten Welt erahnen. 

Das Wort Bibliothek kommt aus dem Griechischen und bedeutete ursprünglich eine Bücherkiste für Papyrusrollen. Heutzutage wird allerdings damit eine Bücher- und Mediensammlung bezeichnet. Diese dient zumeist nicht kommerziellen Zwecken und steht einem eingeschränkten Benutzerkreis oder der Allgemeinheit für Information, Wissenschaft, Bildung und Unterhaltung zur Verfügung. 

Wissen sollte man, dass Bibliotheken seit alters her vier Hauptaufgaben  zu bewältigen haben: 

1. Informationen als Texte, Bilder oder Daten planvoll zu sammeln 

2. Diese zu konservieren und zu schützen 

3. Sie zu ordnen und zu erschließen 

4. Sie bereitzustellen und zu vermitteln

Man erfährt Wissenswertes über das Bibliothekswesen im Alten Orient und in der Antike, des Weiteren im Mittelalter, im Humanismus und in der Reformation, im Barock, im 18. Jahrhundert wie im 19. und 20 Jahrhundert. Thematisiert werden zudem die Gefahren, die Bibliotheken ausgesetzt waren und es noch immer sind. So haben Kriege und Unruhen Bibliotheken stets gefährdet und Bücherdiebstähle hat es leider auch immer gegeben. Auch darüber erfährt man Wissenswertes. Schlussendlich erfährt man Näheres über die Bibliotheken der Zukunft, bevor man in die traumhaften Bilderwelten einsteigen kann, die die schönsten Bibliotheken der Welt präsentieren. Das Staunen lässt selbst  bei mehrfachem Studieren der Seiten nicht nach, zumal die Fotos von ausgesuchter Qualität sind.

Im Rahmen von interessanten Texten erfährt man dann Näheres über die gezeigten Bibliotheken, deren Schönheit Seite für Seite überwältigt. Natürlich hat man die Herzogin Amalia Bibliothek in Weimar nicht vergessen und auch nicht die Stiftsbibliothek in St. Gallen, die seit 1983 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. 

Für Bücherliebhaber hat dieser Bildband natürlich einen besonderen Reiz und macht neugierig, die eine oder andere Bibliothek persönlich aufzusuchen, um vor Ort nachzuvollziehen, was uns Menschen eigentlich ausmachen sollte und wozu wir auf dieser Welt sind: Um uns zu bilden, Bildung weiterzugeben und dadurch Frieden und Wohlstand für alle zu ermöglichen. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Massimo Listri. Die schönsten Bibliotheken der Welt

Rezension: Innovation- Streitschrift für barrierefreies Denken- Wolf Lotter- Edition Körber

Der Journalist und Autor Wolf Lotter ist Gründungsmitglied des Wirtschaftsmagazins "brand eins" und verantwortet dort seit 2000 die Leitartikel zu den Schwerpunkten. Der Autor gilt als Vordenker in der Entwicklung von der alten Industriegesellschaft hin zur neuen Wissensgesellschaft. 

Sein neues Buch hat Wolf Lotter in vier große Abschnitte untergliedert, dem er einen einleitenden Text mit dem Titel "Der Stoff, aus dem das Neue ist" vorangestellt hat. Er verdeutlicht hier u.a., dass die Auseinandersetzung von Alt und Neu nicht zwangsläufig die zwischen Alt und Jung sei. Es handele sich um einen Mythos, dass Erneuerung, Innovation und Veränderung stets der Kampf der Ungestümen, der Jungen, der Revolutionäre gegen die Alten, Verstockten, Unbelehrbaren sei. Dieser Mythos müsse durch eine neue Innovationskultur beseitigt werden, übrigens keineswegs nur, weil der Rohstoff "Erfahrung" in der Wissensgesellschaft von größter Bedeutung sei. 

Eine Innovationskultur für die Wissensgesellschaft, die tatsächlich barrierefrei sei, sei eine inklusive Innovationskultur- oder keine. Sie nütze alle geistigen und kreativen Ressourcen. Sie verbinde Erfahrung und Experiment. Auf diese Weise werde Innovation zu einem Prozess, der auf Gemeinsamkeit, auf Austausch, auf Kooperation und Konsens beruhe. 

In der Wissensgesellschaft verlasse das Individuum die Zone der Massenkultur. Nun werden Selberdenker und Selbstermächtiger benötigt. Menschen müssen sich jetzt frei entwickeln können. Hierarchien seien nun untauglich geworden. Nun bedürfe es einer Vertrauenskultur. Totale Kontrolle und totale Fixierung seien eine schlechte Umgebung für Innovation. Diese habe zum Ziel, mehr Freiraum zu schaffen, denn sie sei der Gegensatz zur Normalität, eine Alternative zur Regel sozusagen und mithin das Andere. 

Da die statische Wohlstandswelt primär aus Besitzstandswahrern und Verteidigern der Normalität ihrer Machtbereiche und Regeln bestehe, werde jeder, der ernsthaft Innovation betreibe, ein Außenseiter, jemand, den man nicht besonders gerne sehe. 

Innovation sei dynamisch und nicht dogmatisch. Querdenken helfe der Innovation nur selten, sondern diene dem Systemerhalt. Man liest von Scheininnovationen und solchen, die den Namen verdienen. Wirkliche Innovationen lösten oder verringerten Probleme und erhöhten die Chancen. Wichtig sei, dass man Innovationen verstehe und annehme. 

Wolf Lotter erinnert an die Brille als zentrale Innovation der Neuzeit, gewissermaßen war dies der Computer der Renaissance. Hier wurde ein Defizit zu einer Chance, ein Nachteil wurde in einen Vorteil verwandelt. Genau dies sei das Grundmuster der Innovation. 

Für die Innovation benötige man Erwachsene, ganz gleich, welchen Alters, Menschen eben, die eigenständig denken, solche die Mut haben, sich ihres Verstandes zu bedienen. Im Gegensatz zum Opportunismus sei Innovation nicht ausgrenzend und keine Denkbarriere. 

In den Transformationsphasen der Gesellschaft  hin zur Wissensgesellschaft benötige man  allerdings Grundsicherungen, um diese erträglicher zu gestalten, aber diese Innovation müsse sein, nicht zuletzt weil innovationsarme Gesellschaften auch materiell verarmen. 

Man erfährt äußerst Erhellendes zu den Kondratjew-Wellen der Erneuerung. Sie helfen beim Denken über Innovation, weil sie entschleunigen. Man lernt durch diese Theorie, das Ganze gründlicher zu betrachten und sich nicht von Moden und kurzlebigen Trends ablenken zu lassen. Wir sind nun an dem entscheidenden Punkt angelangt. So viel nur dazu. Dann erfährt man Näheres über die sieben Archetypen der Innovatoren und liest schließlich mehr zur Innovationsgesellschaft und was diese auszeichnet. Es sind die Räume, die hier geschaffen werden, auf die es ankommt, wenn kreativ, talentiert und innovativ gearbeitet werden soll. In diesen Räumen ist Routine fehl am Platz. 

Allerdings muss man wissen, dass das Streben nach Innovation all das ausschließt, wonach sich Menschen elementar sehnen: Gewissheit, Eindeutigkeit und Sicherheit. Innovation  erfordert also Mut.

Innovation möchte eine nachhaltige Veränderung und möchte keinesfalls die Leistungsfähigsten an das Mittelmaß anpassen, denn dies wäre kontraproduktiv. Innovation will barrierefreies Denken, möchte Vielfalt, vielleicht weil diese ein Garant dafür ist, dass der Raum sich immer mehr erweitert und damit die Möglichkeit eröffnet, immer mehr Probleme zu lösen und Chancen zu eröffnen. Das klingt sehr reizvoll.

Willkommen in der Wissensgesellschaft, in der keiner mehr Angst hat, sich seines Verstandes zu bedienen, sondern ihn als das begreift, was er ist: ein  Raumöffner.

Sehr empfehlenswert
Helga König

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Innovation: Streitschrift für barrierefreies Denken

Rezension: Die Angstprediger- Liane Bednarz- Droemer

Liane Bednarz ist promovierte Juristin und Publizistin. Ihre Schwerpunkte sind Populismus und religiöse Bewegungen. Sie schreibt Kolumnen und andere Artikel in den Printmedien und in Online-Magazinen sowie auf den Autorenblogs Starke Meinungen und Carta.

Als ich den Untertitel ihres hier vorliegenden, neuen Buches  las, war ich zunächst etwas irritiert. Die Irritation wandelte sich aber sogleich in Neugierde. 

Rechtslastigkeit ist in der Regel mit Fremdenfeindlichkeit verbunden und diese widerspricht der Nächstenliebe. Kann sich jemand Christ nennen, der rechtslastigen Gedanken anhängt? Nach meinen Vorstellungen ist das nicht möglich. So meine ersten Gedanken beim Anblick des Buchdeckels.

Die Autorin reflektiert zunächst im ersten Teil ihres Werkes wie aus konservativer Frömmigkeit bei einem bestimmten Personenkreis von sogenannten Christen ein Denken in Feindbildern wurde. Sie erwähnt u.a. Thilo Sarrazin, dessen 2010 erschienenes Buch "Deutschland schafft sich ab" eine Schlüsselrolle im christlichen Milieu und anderenorts spielt, wenn es um das Vordringen rechter Ideen in die bürgerliche Mitte geht. Die Neue Rechte begreift Sarrazin, so Bednarz, nicht grundlos als Türöffner für die Verankerung ihrer eigenen Ideen im Bürgertum. Ohne diesen Autor gäbe es die AfD wohl nicht, so Bednarz und ebenso wenig die Pegida-Bewegung.

Dass Sarrazin Anfang 2018 zu den Erstunterzeichnern einer AfD-nahen "Gemeinsamen Erklärung 2018", zählt, in der es heißt: "Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt wird. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die friedlich dafür demonstrieren, dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird", möchte ich hier zur Illustration dieses Herren nicht unerwähnt lassen.

Die Autorin betrachtet konservativ versus rechts nach 1945. Dabei vergisst sie nicht zu erwähnen, dass es neben gemäßigten Konservativen weiterhin Rechte gab, die von ihren Vordenkern Carl Schmitt und Arthur Moeller van der Bruck nicht ablassen wollten. "Rechtsintellektuelle" bezeichneten sich im Hier und Heute regelmäßig als "konservativ", obschon sie tatsächlich der Neuen Rechten angehören. Der Begriff "konservativ" wurde also gekapert und verhilft  nun dazu, dass vormals konservative Christen meinen, sich  bei der Neuen Rechten gut aufgehoben zu fühlen. Liane Bednarz verdeutlicht, in welcher Weise sich die Neue Rechte hierzulande auf das Christentum beruft und schreibt vom sogenannten Ethnopluralismus unter rechten Christen. Dieser möchte eine strikte räumliche Trennung von Rassen bzw. Völkern. Dabei zählt zu den radikalsten Vertretern des Ethnopluralismus die "Identitäre Bewegung".  Diese stellt den jüngeren Teil der Neuen Rechten dar.  Diese Bewegung geht von einer geschlossenen "europäischen Kultur" aus, deren "Identität" vor allem von einer Islamisierung bedroht sei.  Auch für diese Gruppierung gibt es Zuspruch seitens christlicher Seite, wie Liane Bednarz belegt.  

Des Weiteren liest man von einer antipluralistischen Grundhaltung als ein Grundpfeiler der Ideenwelt der Neuen Rechten, der zugleich das Kernelement rechtspopulistischer Bewegungen und Parteien sei.

Im zweiten Teil des Buches geht es um Themen Feindbilder und Akteure. Dass man in diesen Kreisen sogar Putin als "Garant christlicher Werte" sieht, zeigt wie aberwitzig diese sogenannten rechten Christen ticken. Homosexuelle sind ein Reizthema und man glaubt sogar, dass diese "geheilt" werden können. Des Weiteren, wie sich denken lässt, wird die "Ehe für alle" abgelehnt. So wird Intoleranz auf der ganzen Linie  rasch erkennbar und man beginnt zu beten, je mehr man von diesem ganzen Unsinn erfährt: "Lieber Gott, schicke diesen verblendeten Zeitgenossen bitte etwas mehr Hirn und befreie sie von ihrer Borniertheit."

Größtes Feindbild der Angstprediger, davon gibt mehr als man glauben will, ist der Islam und entsprechend gibt es krude Mythen im Hinblick auf die Islamisierung unseres Landes. Gegend die Moderne wird zu Felde gezogen, auch gegen die "Politische Korrektheit" und schlussendlich sehen die Verblendeten in Bewegungen wie der Pegida "Retter des Abendlandes". 

Wohl dem, dem solche Möchtegernchristen persönlich noch nicht begegnet sind. Eines ist gewiss, Sie schaden dem guten Ruf aller wirklicher Christen, die sich der Nächstenliebe verpflichtet fühlen und für ein positives Miteinander stark machen.

Was bleibt zu sagen? Die Kirchen sind angehalten, Aufklärung zu betreiben und ihre Schäfchen nicht vom bösen Wolf fressen zu lassen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Die Angstprediger: Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern

Rezension: Bluthochdruck Gefahr muss nicht sein- Michael Petersen

Michael Petersen ist Heilpraktiker, Online-Redakteur und Autor. Nach langjähriger Tätigkeit in einer großen Praxis, vermittelt er heute seine Erfahrungen auf publizistischem Wege weiter. Diese basieren auf Erkenntnissen, die er über fünfzehn Jahre durch einen ganzheitlichen orientierten Ansatz gewonnen hat. 

Wie der Untertitel des Buches bereits verrät, geht es um clevere Lösungen und intelligente Ansätze, Bluthochdruck natürlich und nachhaltig zu senken.

Das Buch ist in insgesamt 8 Kapitel untergliedert und enthält einen Anhang, der in die ursachenorientierte Regulationsmedizin einführt. 

Michael Petersen erläutert in seinem Ratgeber, was Bluthochdruck tatsächlich bedeutet und macht dem Leser klar, dass der Hauptgrund, weshalb Menschen mit Blutdruck dauerhaft Tabletten schlucken müssen, in der Tatsache begründet liegt, dass die Ursachen dafür zu wenig Beachtung finden. 

Zum Verständnis für alle, die sich mit dem Thema noch nicht befasst haben, definiert Petersen den Blutdruck als Arbeitsdruck, der in den Blutgefäßen vorherrscht, oder präziser vorherrschen muss, damit seine Funktionen gewährleistet sind. Es geht darum, die Versorgung des Körpers mit Nährstoffen sicherzustellen. 

Man erfährt Wissenswertes über grundlegenden Funktionsweisen unseres Körpers beim Blutdruck und lernt zu begreifen, dass der Bluthochdruck stets zwingende Gründe hat. Die Schulmedizin erkenne diese Gründe allerdings nur in 5% aller Fälle. 

Heute wird der Blutdruck mit digitalen Messgeräten gemessen. Die Maßeinheit, so Petersen, ist geblieben. Der Normalwert liegt im Regelfall bei 120/80. 

Mediziner mit ganzheitlichem Ansatz betrachten den Bluthochdruck als Folge einer ganzheitlichen Regulationsstörung und überprüfen die gesamten Regulationsmechanismen des Blutdrucks und zwar im energetischen Sinn. Was damit gemeint ist, wird im Buch näher erläutert. Man erfährt Wissenswertes über äußere Einflüsse, die zu einem erhöhten Blutdruck beitragen und liest von diversen Einzelbeispielen aus der Praxis und Wissenschaft, primär aus der jüngeren Vergangenheit. 

Thematisiert wird  u.a. das gefährliche Trio Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht, das das Risiko im Hinblick auf Folgeerkrankungen wie etwa Schlaganfall erhöht. Dabei sehen ganzheitlich orientierte Mediziner in verschiedenen Regulationsstörungen des Organismus den gemeinsamen Nenner für die tieferen Ursachen aller drei Erkrankungen. 

Spannend ist, was man hinsichtlich von Salz liest, dem bekanntermaßen nachgesagt wird, dass es den Blutdruck erhöht. Das Salz, so wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse, sei wichtig für unser Immunsystem. Es stärke unsere Immunabwehr in infektiösem Gewebe. Vermindern Menschen mit überhöhtem Blutdruck ihren Salzkonsum, können sie zwar den Blutdruck senken, aber möglicherweise die chronischen Krankheitsprozesse nicht ausreichend bewältigen. 

Die Ursachen für Bluthochdruck sind vielfältig. Das wird bei der Lektüre des Buches immer klarer. So liest man u.a. im Hinblick auf Cholesterin, dass energetische Regulationssysteme den Cholesterin-Haushalt mit beeinflussen. 

Es führt zu weit, auf die vielen, sehr interessant zu lesenden, erkenntnisreichen,  medizinischen Details des Buches im Rahmen einer Rezension  einzugehen. Wichtig scheint zu sein, mögliche energetische Regulationsstörungen des Organismus zu identifizieren und zu harmonisieren. 

Der Autor zeigt zunächst, welche Möglichkeit die Schulmedizin bei Bluthochdruck anbietet. So weiß man, dass Wasser den Blutdruck erhöht und Wassertabletten ihn senken. Schulmedizinische Blutdrucksenker sind aber bloß Notmaßnahmen, die nicht dazu geschaffen sind, die tatsächlichen Ursachen des Bluthochdrucks zu verändern. Weil das so ist, empfehlen immer mehr Ärzte: Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, Stressabbau, auch vermehrtes Sonnenlicht. 

Thematisiert werden in der Folge eine Reihe natürliche Helfer und Therapien, wobei in diesem Fall auf die individuellen Ursachen abgestimmt werden muss. Dann gibt es da noch ein spezielles Verfahren aus der biogenetischen Medizin. Es handelt sich dabei um die Bioresonanz. Sie wirkt in einer Tiefe und Feinheit wie keine andere Methode. Hier stellt der Therapeut fest, in welchen Bereichen der Patient Regulationsstörungen aufweist und welchen Belastungen der individuelle Organismus ausgesetzt ist. Wichtig sind dabei die Analyse der Stoffwechselprozesse und  in der Folge die Entgiftung. Michael Petersen verweist hier auf  eine Website und einen  speziellen Blog, wo man sich weiter informieren kann. 

Erörtert werden ferner die Möglichkeiten selbst etwas gegen einen erhöhten Blutdruck zu unternehmen. Zur Sprache gebracht wird hier u.a. die Ernährung.  

Menschen mit schlechtem Stoffwechsel neigen zur Übersäuerung. Harnsäure, Phosphate und Fette werden dann zuhauf in den Zellen abgelagert, führen zur Gewichtszunahme und u.U. zu Bluthochdruck. Der Säure-Basen-Haushalt ist existentiell wichtig für die Stoffwechselprozesse. Stimmt das Verhältnis nicht, kommt es zur Übersäuerung. Wer den Blutdruck senken möchte, sollte seine Blutgefäße entlasten, indem er der Übersäuerung vorbeugt. Man erhält Tipps wie man den Säure-Basen-Haushalt verbessert und erfährt, dass noch weitere Mittel  zur Blutdrucksenkung hilfreich sein sollen. Genannt wird u.a.  auch klassische Musik. 

Dauerhaft erhöhter Blutdruck ist stets ein Zeichen dafür, dass der Organismus den Bluthochdruck wegen einer vorhandenen Regulationsstörung benötigt. Diese Störung gilt es aufzuspüren und zu behandeln am sinnvollsten mittels Bioresonanztherapie. Das ist meines Erachtens die wichtigste Lehre des Buches. 

Spannend zu lesen ist die "Einführung in die ursachenorientierte Regulationsmedizin" im Anhang des Werks, doch hier möchte ich nicht vorweggreifen, um die Neugierde nicht zu mindern. Bioresonanztherapien scheinen einen Versuch wert zu sein.  Was Michael Peters dazu schreibt, überzeugt mich.


Das Buch ist überaus lehrreich 
Maximal empfehlenswert. 
Helga König

Rezension: Peter J. König: Nie die Lust aus den Augen verlieren- Lebensthemen- Ulrich Wickert- Hoffmann und Campe

Ulrich Wickert besonders vorzustellen, heißt eigentlich "Eulen nach Athen tragen". Und doch ist es eine Hommage an ihn, seine journalistische und schriftstellerische Tätigkeit noch einmal Revue passieren zu lassen, so wie sein neustes Buch: "Nie die Lust aus den Augen verlieren" es höchst interessant vermittelt. Wickert gilt noch heute, obwohl schon einige Jahre seiner beruflichen Tätigkeit als Moderator der Tagesthemen in der ARD passé sind, als der Journalist, den die Deutschen mit am meisten lieben und vertrauen. Dies liegt nicht allein an seiner entspannten, ruhigen und bisweilen ironischen Art, der weltläufige Journalist hatte zumeist ein gutes Näschen für aktuelle Themen in Politik und Kultur besessen, um dies seinen Zusehern und Zuhörern anschaulich zu vermitteln. 

Ulrich Wickert ist Weltmann und als solches ist er prädestiniert die großen Zusammenhänge zu erkennen und sie aus seiner Warte aus zu erklären. Seine journalistischen Stationen haben ihn rund um den Globus gebracht, ob in die USA, nach China, Frankreich oder sonst wo hin. Als Sohn eines bekannten Diplomaten hat er das Kosmopolitische mit der Muttermilch eingesogen, und selbst im diplomatischen Dienst anzuheuern, schien vorprogrammiert. Sein Studium der Politischen Wissenschaften und der Juristerei in Bonn war da nur eine notwendige Zwischenstation, die ihm aber bewusst machte, dass die Neugierde und diese zu stillen sein eigentliches Ziel war. So landete er nach bestandenem Examen und auf der Suche nach einer bezahlten interessanten Tätigkeit beim WDR in Köln und als freier Mitarbeiter bei der Sendung "Monitor", dem Beginn seines Fernsehschaffens. 

Publiziert hat Ulrich Wickert schon mit 14 Jahren, als er als Schüler in Paris einen Artikel über den Eiffelturm verfasste. Hier in Paris begann auch seine Liebe zu dieser Stadt, den Franzosen und Frankreich zu wachsen, die ihn nie mehr losgelassen hat. So kam es, dass in seinem Herzen zwei Lieben sich verbanden, zwei Kulturen ihn geprägt haben, die deutsche und die französische. Wir alle kennen seine wunderbaren Reportagen über das Leben in Frankreich, seien es die mondänen aus Paris oder an der Cote d´Azur oder die stillen, nachdenklichen vom Leben in der französischen Provinz und ihren liebenswerten Besonderheiten, wobei man zu erkennen glaubt, dass es gerade diese Erfahrungen sind, die ihn zu einem französisch-geprägten Deutschen gemacht haben. Welch wunderbare Symbiose, zumal er jeweils die besten Seiten dieser Kulturen lebt. So ist es nicht verwunderlich, dass er als Vermittler und Botschafter beider Nationen geliebt und anerkannt wird. 

Die Franzosen schätzen besonders seinen Sinn für das "savoir vivre", sodass er für diese Intention von ihnen höchst dekoriert wurde, seine Aufnahme in der Gilde der allerbesten "Maitre fromager affineur" für französischen Käse zeugt davon und vieles anderes mehr. Die Deutschen hingegen schätzen sein kosmopolitisches Wissen, seine schriftstellerische Produktivität, die zu einigen Bestsellern geführt hat, aber auch seine entspannte Lockerheit, sein kühler Charme und seine angenehme Ausstrahlung, die nie anbiedernd, doch immer verbindlich ist. Die deutsch-französische Freundschaft ist sein Thema und er lebt sie bedingungslos. Wen wundern da, dass sich der frankophile Hanseat mit einer Bleibe auf den Hügeln in der Nähe von Vence oberhalb der Cote d´Azur geerdet hat. 

Hier spürt er dem Zeitgeist nach, der die einfachen Franzosen so umtreibt. Die großen politischen Strömungen erfährt er von seinen vielen Freunden aus der Zeit als er Fernsehkorrespondent in Paris war oder auf offiziellen Einladungen der französischen Staatsspitze. Ulrich Wickert ist auch mit fünfundsiebzig ein überaus gefragter Mann, sei es in Talk-Shows, bei Symposien oder bei Staatsbesuchen französischer Präsidenten in Deutschland oder wenn der Bundespräsident oder die verschiedenen Kanzler oder die Kanzlerin in Paris zur Visite weilen. Wickert ist dann stets ein gern gesehener Gast, und es ist ihm immer ein Anliegen, seine Eindrücke aus der Sicht eines "Deutsch-Franzosen" zu vermitteln. Seine Leidenschaft für Kriminalromane hat er nicht alleine durch das Lesen befriedigt, nein er hat selbst welche geschrieben, gleich sechs davon, höchst erfolgreich, und alle handeln vom Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou, einem Individualisten, Wickert nicht unähnlich.

In Wickerts neustem Buch "Nie die Lust aus den Augen verlieren", zeigt bereits der Titel, wie der Journalist tickt. Seine Maxime: Bei allem Verdruss des täglichen Lebens sollte man jedoch niemals die Lust am Leben in all seinen wunderbaren Facetten außer Acht lassen. Da sind die Franzosen den Deutschen bei weitem voraus, und doch ist die Erkenntnis "Leben und leben lassen" ein unverzichtbares Element in den Augen dieses erfahrenen Europäers. Dass dieser auch die Kehrseiten kennt und benennt, hat er in einigen sehr beachteten Sachbüchern thematisiert. Dabei liegt Ulrich Wickert Ethik und Moral, Gesetzestreue und Philosophie zutiefst am Herzen, seine intellektuellen Ausführungen in seinen Büchern zeugen davon. Das aktuelle Werk nun gibt einen wunderbaren Einblick in das facettenreiche Schaffen des Autors. 

Episoden aus seinen Büchern werden verbunden mit bisher nicht veröffentlichten Erzählungen und Erlebtem aus seiner Zeit als Korrespondent an verschiedenen Orten. Interviews z.B. mit Politikern wie Richard von Weizäcker und Schriftsteller wie Günther Grass zeigen die Vielseitigkeit des Journalisten und auch ganz besondere Geschichten, wie etwa das Leben des deutschen Arztes, der zum Führungskader der chinesischen Volksversammlung avancierte, sind absolut lesenswert. Ganz besonders beeindruckend sind seine philosophischen Gedanken die im Buch einen breiten Raum einnehmen, immer auch in Anlehnung an seine früher verfassten Einlassungen. 

So ist eine sehr beachtliche Bandbreite von Ullrich Wickerts Leben und seinem Denken hier entstanden, die zeigt, das bei aller Lust zum Leben die Tiefe des Denkens und der ethischen Besinnung nie zu kurz gekommen sind. Und da das Ganze im Buch nie belehrend und doch immer auch kurzweilig erzählt wird, ist es einfach nur spannend und anregend Ulrich Wickert zuzuhören.

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König 

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Rezension: Gerade gestern- Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten- Martin Meyer-Hanser

Der Autor dieses hervorragenden Buches ist der Schweizer Martin Meyer, der bis 2015 das Feuilleton der Neuen Züricher Zeitung leitete. Bereits 2004 erhielt er den Europäischen Essay-Preis Charles Veillon. Im Hanser Verlag sind einige bemerkenswerte Bücher von ihm erschienen.

Geboren wurde Martin Meyer 1951. Er kann also  schon recht lange auf den sich ständig verändernden Zeitgeist zurückblicken und scheint daraus eine Art Hobby gemacht zu haben.

Wie man der Vorbemerkung zu der hier vorliegenden spannend zu lesenden Textsammlung entnehmen kann, versucht das Werk zwischen Nostalgie und Gegenwartspathos eine Mitte zu finden. Dabei schreibt Martin Meyer so, dass man immer wieder innehält und begeistert ist wie er Vergangenes in seinen Sätzen ohne Larmoyanz einfängt.

Loslassen ist heute nicht einfach, das erfährt man im Essay "Zeitverlust" ganz nebenbei. Hier beginnt Meyer seinen Text mit den Worten: "Der entfesselte Narzissmus, der in den Spiegelbildern kristallisiert, die die bild- und tongebenden Digitalverfahren ermöglichen, wäre kein massiver Grund zur Sorge, wenn er nicht eine weitere der klassischen Todsünden bedienen würde: die Gier oder Sucht, davon nicht loslassen zu können und die Umwelt zu Dauerzeugen dafür aufzurufen."

Für den Autor sind handgeschriebene Briefe unendlich wertvoll geworden, weil sie Höhepunkte der Kommunikation zwischen Menschen darstellen, obschon sie für uns heute fast künstlich erscheinen und man in ihnen verdeckte Motive vermutet in unserer schönen neuen Welt des entfesselten Narzissmus, dem Dialoge offenbar fremd sind.

Martin Meyer besinnt sich vieler Dinge, die an Bedeutung verloren haben. Ganz klar, der Zeitgeist hat an Tempo zugelegt und wir mit ihm. Unmöglich die Texte an diesen Stelle im Einzelnen unter die Lupe zu nehmen. Man braucht sie nicht chronologisch zu lesen, aber selbst wenn man es tut, findet man sich sehr oft selbst wieder, erkennt wie man war, was man liebte und wie man heute nicht mehr  sein kann.

Nichts verändert uns mehr als der Zeitgeist. Sich ihm zu entziehen, ist noch nicht einmal möglich, wenn wir auf einer einsamen Insel leben, seit der Klimawandel uns zwingt, egal wo wir  uns hin verkrochen haben, auf die durch ihn bedingten Veränderungen vielschichtig  zu reagieren.

Dass Charismatiker dem Gestern angehören, wusste ich bislang noch nicht, wohl aber dass die Schönschrift ganz ähnlich wie der handgeschriebene Brief den Schlager "Marina, Marina" keine Lichtjahre überdauern konnten. Warum?  Vermutlich weil  die Wertschätzung des Du ein Ladenhüter geworden ist

Im Gegensatz zum Autor erhalte ich hin und wieder noch Ansichtskarten und freue mich über die Menschen, die entspannt und ohne Scham solchen alten Gewohnheiten nachgehen. Ansichtskarten zu versenden ist ja fast schon schrullig, aber man sollte bedenken: Schrulliges ist fast immer liebenswert.

Wer nicht schrullig, aber dennoch liebeswert sein möchte,  kann den Hula-Hoop kreisen lassen. Eine sportliche Übung steht nie im Verdacht gestrig zu sein, selbst wenn der Zeitgeist Kapriolen schlägt...

Empfehlenswert

Helga König

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Gerade gestern: Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten

Rezension: Die Meinungsmaschine- Petra Gerster, Christian Nürnberger- Ludwig

Das Autorenteam Petra Gerster und Christian Nürnberger haben mit "Die Meinungsmaschine" ein Buch verfasst, in dem sie zeigen, wie Informationen gemacht werden und wem wir noch glauben können. 

Petra Gerster moderiert seit 1998 die "heute"- Sendung und wurde mit dem Hanns-Joachim-Friedrich-Preis für Fernsehjournalismus und mit der goldenen Kamera ausgezeichnet. Der Publizist Christian Nürnberger schreibt u.a. für die Zeit und die "Süddeutsche Zeitung“"  Gemeinsam hat das Ehepaar  bereits mehrere Bücher verfasst u.a. den Bestseller "Der rebellische Mönch", den ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert habe. 

Das vorliegende Werk ist in sechs Teile untergliedert. Als da sind: 
-Die sogenannte Informationsgesellschaft 
-Die Medienmaschine 
-Macht und Ohnmacht der Journalisten 
-Macht und Ohnmacht der Medien
-Die fünfte Gewalt 

Medien, so die Autoren, wirken an der Persönlichkeits- und Charakterbildung jedes Einzelnen mit. Was aus einem Kind werde, hänge im hohen Maße davon ab, mit welchen Medien es seitens seiner Erziehungsberechtigten gefüttert worden sei. Dabei seien es die Medien., die jedem Einzelnen helfen, sich in einer stets komplexeren Welt zu orientieren. 

Eine Flut neuer Buchtitel, dazu 6000 Magazine, deren Inhalten rund 85 Prozent aller Leser vertrauten, sind nicht die einzigen Informationsquellen, derer man sich bedienen kann. Es kommen über 400 Radiosender und 74 TV-Sender und das Internet hinzu, welches immerhin bereits 63% aller Haushalte erreicht. Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet: Leben wir tatsächlich in einer Informations- oder doch eher in einer Desinformationsgesellschaft? Seit zu Beginn der Jahrtausendwende die Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftenwelt von der Digitalisierung stark in Bedrängnis geraten sind und  sich Werbeerlöse drastisch minimiert haben, auch die Zahl der Abonnenten gesunken ist, stellt sich obige Frage plötzlich.

Kann weiterhin seriöser Qualitätsjournalismus garantiert werden, wenn die Finanzierungsquellen versiegen? Kann man den sozialen Medien trauen, wo doch mittlerweile allgemein bekannt ist, dass dort Fake Accounts, Fake News, Meinungsroboter, Propagandeschleudern, Hoaxes und Trolle für ständige Verwirrung sorgen? 

Ja, man kann, wenn man lernt wie Medien funktionieren, welchen Mechanismen sie gehorchen und welchen Zwängen sie unterliegen. Erkennen muss man Übertreibungen und hinwegsehen sollte man über Zynismus. Dabei sollte man sich nicht beirren lassen vom Medien-Bashing, sondern genau hinschauen, was gesagt und  was verbreitet wird. 

Die Autoren nennen die Ursachen für ein begründetes Misstrauen vieler Bürger dem Establishment gegenüber. Dabei sei allerdings gerade ein starkes Indiz für die Funktionsfähigkeit der Medien die Tatsache, dass man noch immer über Missstände unterrichtet wird. Dennoch ist von Main-Stream-Medien die Rede. Trotz alledem wird die Art wie informiert wird, von verschiedenen Kreisen durchaus in Frage gestellt. Offenbar ist Vertrauen und Misstrauen gleichermaßen gewachsen und zwar auf Kosten der Unentschiedenen. 

Man liest von den ökonomischen Schwierigkeiten der Medienmacher, sinnstiftenden Lesestoff zu vermarkten. Es ist weitaus einfacher, den Voyeurismus und die niederen Instinkte  von Lesern zu bedienen wie auch, sich als Ratgeber für alle Lebenslagen einen Namen zu machen. Die Großen im Medienbusiness sind gewinnorientiert und müssen es wohl auch sein. ARD und ZDF finanzieren sich aber über Gebühren und werden von Gremien kontrolliert. Das macht sie eindeutig unabhängiger. 

Man erfährt Wissenswertes über Medienmilliadäre wie Rupert Murdoch, Haim Saban und Silvio Berlusconi und auch Näheres über die deutschen Pressezaren. Die meisten von ihnen leben nicht mehr, wohl aber noch Hubert Burda und Frank Otto, die von den Autoren mehr als Kaufleute denn als politisch agierende Verleger einschätzt werden. 

Man erfährt in der Folge auch, wer genau die Medienmaschine bedient. Weltweit gibt es etwa 180 Nachrichtenagenturen. Genannt werden die vier wichtigsten Agenturen, die keinem Medienmogul angehören. Man erfährt  zudem nach welchen Regeln die Maschine bedient wird und auch wie sich Regeln ändern können. Weshalb manche Wahrheiten Zeit benötigen, wird auch thematisiert.

Die Autoren machen klar, weshalb es für Journalisten so schwierig ist, Fehler, Lügen, Machtmissbrauch, Korruption und unverantwortliches Handeln aufzudecken und weshalb so selten über Positives berichtet wird. Man liest weiterhin  Wissenswertes über den Treibstoff der Maschine und hier auch, wann eine bestimmte Nachricht Relevanz hat. 

Zudem wird natürlich die Pressefreiheit  thematisiert und aufgezeigt, wo sie endet und wo der Selbstmord der Medienmacher beginnt. Die Medien leben u.a. von den Einnahmen ihrer Anzeigenkunden und je weniger Abonnenten es gibt, umso mehr sind sie auf andere Quellen angewiesen.  Das macht sie nach Ansicht der Autoren zurückhaltender als früher. 

Wie kann in Zukunft in unserer Demokratie journalistische Qualität finanziert werden? Wenn diese Antwort nicht gefunden wird, wird die freie Presse bald der Vergangenheit angehören, so die Autoren.  

Es ist unmöglich, an dieser Stelle alle Facetten dieses klugen Buches auch nur zu streifen. Lesenswert sind u.a. die fünf wichtigsten Regeln und Methoden, Objektivität im Hinblick auf journalistisches Arbeiten zu erlangen. 

Nicht nur nach der Macht und Ohnmacht der Journalisten, sondern auch der Medien wird gefragt. 

Spannend für alle, die im Netz aktiv sind, ist der fünfte Teil des Buches. Hier geht es um die so genannte 5. Gewalt. Sie ist neu und bekanntermaßen sehr unterschiedlich im Niveau. Es handelt sich um Facebook, Twitter, die Foren der sozialen Netzwerke, die Blogs, Instagram etc. Alle sind geschützt durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Dabei kann Macht ausgeübt werden durch anarchische Äußerungen. Wer sich intelligent im Netz bewegt, kann, so die Autoren, es als Instrument der Demokratie einsetzen, d.h. man ist keineswegs ausschließlich Propaganda- und Desinformationskampagnen ausgesetzt. Was alles möglich ist, wird kurz skizziert, so etwa auch Online-Petitionen, die durchaus etwas bewirken können. Verdeutlicht wird, dass der neuartige Bürgerjournalismus, dem professionellen Journalismus nicht schaden muss. Im Gegenteil.

Was noch? Lesen und sich klar machen sollte man zum Schluss die wichtigsten Regeln für Mediennutzer. Sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, schadet auch im Falle der Meinungsmaschine nicht. 


Sehr informativ, von daher  sehr empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Die Meinungsmaschine: Wie Informationen gemacht werden - und wem wir noch glauben können

Rezension: The Art and Science of Ernst Haeckel- TASCHEN

Die Texte dieses reich bebilderten Prachtbandes von TASCHEN sind in englischer, französischer und deutscher Sprache abgedruckt. Um sich einen ersten Überblick über das Leben des deutschen Mediziners, Zoologen, Philosophen und Freidenkers Ernst Haeckels zu verschaffen, empfiehlt es sich, die biographischen Daten zu Ende des Buches zuallererst zu lesen, um sich alsdann in den Aufsatz von Rainer Willmann mit dem Titel "Ernst Haeckel- Kunstformen des Lebens" zu vertiefen. 

Ernst Haeckel (1834-1919) war einer der einflussreichsten Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts und schuf ein wissenschaftliches und philosophisches Monumentalwerk, das seinesgleichen sucht. Dabei verwob er ausgehend von Darwins Überlegungen und seinen eigenen biologischen Untersuchungen sein Wissen um die Entwicklung des Lebens zu einem ganzheitlichen Weltbild. Sein Werk "Welträtsel" von 1899 erschien in 30 Sprachen und erzielte Auflagen, die in die Hunderttausende gingen. 

Als begnadeter Zeichner hat er seine künstlerische Befähigung in den Dienst der Wissenschaft gestellt. So schuf er u.a. Tafelwerke und biologische Atlanten, die, was Anmut und Präzision anbelangen, bislang unerreicht geblieben sind. Konzipiert waren sie allesamt vor dem Hintergrund,  die durch die Evolution entstandene grenzenlose Vielfalt des Lebens aufzeigen zu wollen.

Zudem hat Haeckel die Literatur mit neuem Gedankengut bereichert. Mit seinem Radiolarien-Werk, über das man im Buch Näheres erfährt, wurde der Wissenschaftler 1864 mit der Cothenius-Medaille ausgezeichnet. Es folgten weitere Publikationen, zunächst 1866 die "Generelle Morphologie der Organismen" in zwei Bänden, in deren Zentrum das Wissen um die Evolution und nicht zuletzt die Herkunft des Menschen stand. 

Nach der Drucklegung des Werks arbeitete Haeckel an weiteren Publikationen zur Vielfalt der Arten und publizierte 1872 eine Monografie über Kalkschwämme.

Willmann erläutert in seinem Aufsatz u.a. Haeckels Artenbegriff. Der Wissenschaftler verstand Arten nicht als natürliche Einheiten. Deshalb auch beschrieb er Formen ein und derselben biologischen Art mitunter mit mehreren Namen. 

Bereits 1866 hatte Haeckel eine wichtige Erkenntnis zu Papier gebracht, als er im Zellkern den Träger der Vererbung sah und betonte im Hinblick auf die Herkunft des Menschen, dass dieser sich ebenso aus den Affen entwickelt habe, wie diese aus niederen Säugetieren und ging von einem Übergang des Menschen im Tertiär aus. Für Haeckel stand fest, dass alles untrennbar miteinander in Verbindung steht und ergänzte den Monismus durch das "ethische Grundgesetz" kompromissloser Nächstenliebe. Da es nach seinen Kenntnissen keinen Beweis für ein Leben nach dem Tode gab, war es für ihn selbstverständlich, dass jeder sein Leben im Hier und Jetzt so gut und glücklich wie möglich gestalten solle. 

Der Wissenschaftler setzte sich übrigens für Pazifismus ein, indem er 1910 einen "Aufruf zur Begründung eines Verbandes für internationale Verständigung" unterzeichnete. Zudem unterstützte er Bertha von Suttner und gründete eine Friedensvereinigung, die für einen andauernden Frieden zwischen Deutschland und Frankreich eintreten sollte. 

Julia Voss schreibt in ihrem Aufsatz über Ernst Haeckel und die Evolution der Modernen Kunst, der dann eine Fülle von künstlerisch wertvollen Darstellungen Haeckels folgen,  untergliedert in:

Monographie der Radiolarien 
Siphonophoren 
Atlas der Kalkschwämme 
Arabische Korallen 
Monographie der Medusen 
Bericht über Tiefsee-Keratosoa 
Kunstformen der Natur 

Den einzelnen Kapiteln gehen textliche Erläuterungen voran, die Haeckels Werke begreifbarer machen. Dabei findet sich im Anhang ein weiterer bemerkenswerter Beitrag Rainer Willmanns zu "Verwandtschaftsbeziehungen der Organismen und dem Biologischen System".  Haeckel hatte 1904  seine "Kunstformen zur der Natur" durch eine Übersicht hierzu ergänzt, auf die Willmann Bezug nimmt. 

Ernst Haeckel beeindruckt in diesem Buch vor allem durch seine visuellen Darstellungen, die sogar die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts beeinflussten. 

Das Werk veranlasst den Betrachter (m/w) zu einem  nicht enden wollenden Staunen. Haeckels weltanschauliche und wissenschaftliche Positionen hier allerdings im Rahmen der Rezension auszudiskutieren, führt zu weit. Die Kunstformen der Natur  zu bewundern, scheint mir zumindest ergiebiger.

Sehr empfehlenswert .

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

Hardcover, 28,5 x 39,5 cm, 704 Seiten

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The Art and Science of Ernst Haeckel

Rezension: Die Geschichte des Kinderbuchs in 100 Büchern- Roderick Cave Sara Ayad- Gerstenberg

Autoren dieses sehr informativen und dabei spannend zu lesenden Buches sind Rodeick Cave, Bibliothekar und Spezialist für historische Bücher und Sara Ayad, Buchhändlerin, Lektorin und Forscherin für Abbildungen, sowie gefragte Bildrechercheurin für renommierte britische Kunstinstitute.

Im Rahmen von elf Kapiteln mit zahlreichen Illustrationen erfährt man Wissenswertes zur Geschichte des Kinderbuches. So liest man zunächst vom ältesten erhaltenen Schlaflied. Es handelt sich dabei um ein sumerisches Schlummerlied, das auf einer Keilschrifttafel aus der Zeit um 2500 v. Chr. überliefert ist.

Die ersten gedruckten Kinderlieder stammen aus dem 18. Jahrhundert. 1766 erschien in Leipzig der erste für Kinder geschriebene deutsche Gedichtband und 1781 erschienen "Fritzchens Lieder" von Christian Adolf Overbeck, die  für die damalige Zeit geradezu antiautoritär waren.  Aus der Feder Overbeck stammt übrigens  das  Kinderlied "Komm, lieber Mai,  und mache, die  Bäume wieder grün", das noch heute gesungen wird.

Dann erfährt man mehr über die Techniken von Autoren, die Kindergeschichten weitervermitteln. Die Fabel ist eine dieser  Techniken, insofern wird auch Äsop, der Vater der europäischen Fabel erwähnt. Diese Fabeln reichen zurück bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. Erwähnt wird eine weitere Fabelsammlung aus Indien,- das Panchatantra- die in der arabischen Welt noch heute gelesen wird.

Ritter- und Pilgergeschichten, auch Volkserzählungen, so von Trollen, Nissen und Fjorden begeisterten einst Erwachsene und Kinder gleichermaßen,  vor allem wenn Erwachsene aus  solchen Büchern vorlasen. All diese Geschichten transportierten Botschaften, die nicht nur zur Erbauung, sondern auch zur moralischen Erziehung dienen.

Die ersten illustrierten Bücher für Kinder erschienen um 1650. Schon im 18. Jahrhundert dann gab es bewegliche Bücher, solche kann man sich im Rahmen der Buchillustrationen ansehen.

Von alten Erziehungsratgebern liest man, so etwa von einem böhmischen Hussiten, der in der Erziehung den Ausgang aus der Rohheit sah, auch das Bildungskonzept Rousseaus wird thematisiert  um schließlich irgendwann Seiten später die Kinderjahre der kleinformatigen Kinderbücher kennenzulernen.

Man liest von Büchern wie "Robinson Crusoe", auch über Tiergeschichte für Kinder und den ersten Zeitschriften für die Kleinen, Märchen und natürlich der "Struwwelpeter" sind ein Thema, auch "Peter Pan", eine komplexe, geheimnisvolle Figur. Serien wie die "Fünf Freunde" etc, etc, zeigen, was Kinder gebannt, belehrt und mitunter verängstigt hat.

Das faktenreiche Werk, in dem viel Arbeit steckt, sorgt für manches Aha-Erlebnis und ist vor allem lehrreich. Mit viel  Sorgfalt und Liebe zum Detail gestaltet, ist  "Die Geschichte des Kinderbuchs in 100 Büchern" eine Besonderheit in jeder Privatbibliothek.


Sehr empfehlenswert
Helga König

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Die Geschichte des Kinderbuches in 100 Büchern

Rezension: Die Winnetou-Strategie- Werde zum Häuptling deines Lebens- Frank Behrendt- Gütersloher Verlagshaus

Frank Behrendt, der Autor dieses unglaublich kurzweilig geschriebenen Buches ist seit rund 20 Jahren PR- und Kommunikationsfachmann mit besten Kontakten zu Medien, Wirtschaft und Politik. Der Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München war Deutschland-Chef bei Ketchum Pleon, bevor er 2011 als Vorstand zur fischerAppelt AG wechselte. Seit 2017 ist er in der Serviceplan-Gruppe tätig und wurde im März dieses Jahres von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) als "PR-Kopf des Jahres" ausgezeichnet. 

In seinem neuen Buch zeigt er wie man es schafft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Frank Behrendt nennt sein Werk "Die Winnetou-Strategie", weil er als Leser von Karl-May Büchern sich schon sehr früh die positiven Werte der Protagonisten zu Eigen gemacht hat, die ihm ein erfolgreiches Leben beschert haben. Nach der Definition Behrendts ist ein Häuptling vor allem ein Mensch, der in seinem Leben für Ordnung sorgt und für sich selbst die richtigen Entscheidungen trifft. 

Sein Buch untergliedert der Autor in 10 Kapitel. Um sein Anliegen dem Leser näher zu bringen, erzählt er Episoden aus seinem Leben und reflektiert immer auch die Indianerwelt, wobei er die Phantasiegestalten Karl Mays mit tatsächlich gelebt habenden Indianern in Beziehung setzt und auf den letzten Seiten sehr kluge Zitate Tecumsehs (1768-1813), er war Häuptling der Shawnee Indianer, angefügt hat. 

Eines der Zitate heißt: "Missbrauche niemanden und nichts, denn dies macht Weise zu Narren und beraubt dem Geist seine Vision."

Behrendts erstes Kapitel gilt den Seelenverwandten, gemeint sind die Blutsbrüder und -schwestern, die notwendig sind, um in einem selbstbestimmten Leben den Rückhalt zu haben, der uns über schwierige Zeiten trägt. Dabei begründet sich die starke Bindung nicht nur darin, dass die Seelenverwandten uns zur Seite stehen und wir ihnen, sondern vor allem in den gleichen Werten. Im Falle von Winnetou und Old Shatterhand sind es Gradlinigkeit, Fairness und Menschlichkeit. 

 Frank Behrendt
Foto: John M. John
Für den Autor war die zentrale Botschaft der Winnetou-Geschichten, dass man miteinander wachsen kann,  schon als Junge von großer Bedeutung. Frank Behrendt  hat sich natürlich nicht nur mit Karl May, sondern auch mit Philosophen wie Aristoteles befasst, der in einer seiner Schriften über Ethik drei Typen von Freundschaft unterscheidet. 

Blutsbrüder oder- schwestern gibt es neuerdings auch im Beruf immer öfter, so der Autor und das hängt damit zusammen, dass die Zeit der Einzelkämpfer vorbei ist. Gnadenloser hierarchischer Kampf, das war gestern. Heute geht es um Teamwork. 

Wie aus Feinden Blutsbrüder werden, auch das zeigt Karl May und Frank Behrendt verdeutlicht an einem Beispiel, weshalb er von einem vormaligen Blutsbruder Abstand nahm, nachdem dieser die gemeinsamen Werte durch ein unakzeptables Verhalten Dritten gegenüber in Frage stellte. 

Weshalb ein Häuptling einen Stamm benötigt und wie er sich in diesen einbringen sollte, ist auch ein Thema des Buches, sogar ein sehr wichtigstes. Damit ein Stamm Zukunft hat, müssen die Mitglieder gut zueinander passen und sollten das Wohl des Stammes an oberster Stelle positionieren. Das gilt für Familien in gleicher Weise wie für die Arbeitswelt, wobei dort die Bindungen nicht für die Ewigkeit gemacht sind und die Start-Crew zumeist aus mehr als zwei Personen besteht. Je größer der Stamm, umso mehr muss er untergliedert werden, damit er nicht zerbricht. 

Wer Häuptling seiner selbst werden möchte, sollte auf weise Ratgeber hören. Darüber schreibt der Autor auch ausführlich und berichtet aus seiner reichen Erfahrungswelt. Von einem seiner weisen Ratgeber hat Behrendt  gelernt, sich nicht in seine Arbeit zu verlieren, denn je mehr man sich darin verliert, umso mehr verliert man den Überblick und die Gelassenheit. Ein guter Häuptling benötigt Gelassenheit und sollte sich davor hüten, ängstlich zu sein, wenn er entscheidet. 

Frank Behrendt plädiert zudem für gleiche Augenhöhe mit Frauen im Beruf und in der Familie und zeigt am Beispiel von Indianerfrauen aus vergangenen Tagen wie hoch ihr Ansehen bei den Männern ihres Stammes war, speziell bei den Irokesen. 

Der Autor gehört zu den Menschen, die der Digitalisierung sehr viel Positives abgewinnen und zeigt am Beispiel seiner über 80 jährigen Mutter wie wichtig es für alle Stammesmitglieder ist,  den Wandel im Leben immer und immer wieder neu zuzulassen, denn Leben heißt Wandel. 

Wer Häuptling seiner selbst sein will, benötigt Humor und wer im Leben bestehen möchte, sollte sein humorvolles Wesen allen anderen auch gönnen. Die Karl- May- Figur Sam Hawkens ist für Behrendt ein Beispiel dafür, wie das funktioniert. 

Für Frank Behrendt gehört Kämpfen zum Leben dazu. Dabei steht ein Krieger für alles ein, was ihm wichtig ist, vor allem für sich selbst. Es geht also um Verantwortung. Diese zu übernehmen, könne man nicht früh genug erlernen. Der Autor hat sich sehr zeitig darin üben müssen, dank seiner Eltern. 

Es ist ungemein erfreulich, in diesem Buch zu erfahren, wie Behrendt reagiert, wenn andere ungerecht behandelt werden, was ihm Fairness bedeutet und welchen Stellenwert bei ihm Ehrenhaftigkeit hat. Ein echter Krieger ist für ihn ein Alpha-Mensch mit Ecken und Kanten, einer der mit offenen Karten spielt und der in der Lage ist, andere wertzuschätzen. 

Teamgeist und Fairplay sind das A und O eines Häuptlings nach Zuschnitt von Frank Behrendt. Er weiß, dass die Federhaube noch keinen Häuptling macht, sondern dass es andere Dinge sind, nicht zuletzt Anstand, der sich aus Wertschätzung, Fairness und Offenheit zusammensetzt. 

Das Buch ist eine Verneigung vor ethischen Werten,  ohne die unsere Gesellschaft ins Chaos versinkt. Dass Frank Behrendt dabei Karl- May- Figuren zu Rate zieht, hat mir besonders gut gefallen und mich darin bestätigt, wie wichtig solche Vorbilder in jungen Jahren sind, wenn es um die Herausbildung eines guten Charakters geht. 

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Die Winnetou-Strategie: Werde zum Häuptling deines Lebens

Rezension: #Bunte –Republik Deutschland- #Prestel

Der Prestel-Verlag hat anlässlich des 70 jährigen Jubiläums der Zeitschrift "Bunte" den vorliegenden Bildband auf den Weg gebracht. #Patricia_Riekel, die derzeitige Chefredakteurin  und Herausgeberin der Bunten, schreibt, dass diese Zeitschrift seit nunmehr 70 Jahren die Informationsbörse für alle sei, die am gesellschaftlichen Leben Interesse haben. Für Riekel sind Neugierde, der Wunsch nach Anerkennung, auch Neid und Voyeurismus die wichtigsten Triebfedern menschlichen Verhaltens. 

Die "Bunte" wird von ihr als "Kunst, Geschichten zu erzählen"  definiert und das Blatt als Wegweiser durch das Dickicht der sozialen Regeln begriffen. Es sind, wie Riekel weiß, menschliche Tragödien und Abgründe von Superstars, die ihr Publikum weitaus mehr interessieren als glatte Lebensläufe. Dabei gehöre zur Grundmelodie der Bunte-Berichterstattung, das Triviale mit dem Relevanten und Erhabenen zu verbinden.  Da die  sozialen Medien zur Konkurrenz der Bunten geworden seien, habe diese sich verändern müssen. Jetzt genüge die Geschichte hinter der Geschichte nicht mehr. Nun seien mehr Fakten, mehr Einordnung notwendig. In den vergangenen Jahren hätten die wichtigsten Politiker der Bunten Interviews gegeben. Das ist natürlich beachtlich. 

Aus rund 3500 Bunte-Ausgaben und Millionen von Namen in den letzten 70 Jahren eine Auswahl zu treffen, war gewiss nicht einfach. Die Macher des Buches haben sich entschieden, die Bunte-Story in sieben Jahrzehnte zu untergliedern und diese dann jeweils in die Rubriken: Leute, Adel, Politik, Helden, Unterhaltung, Schicksal, Zeitgeist und Gesellschaft. 

Den bildreichen und  dabei keineswegs textarmen Kapiteln ist die Bunte- Story vorgeschaltet. Diese erzählt #Dr_Hubert_Burda im Rahmen eines Interviews. Nicht nur über den Beginn des Unternehmens, auch über die Zeit, wo er einst Chefredakteur wurde,  erfährt man Wissenswertes. Dann liest man wie die #BUNTE sich zum People-Magazin entwickelte und welchen Einfluss Andy Warhol auf das Blatt hatte. Dr. Burda traf sich mit Andy Warhol damals häufiger. Hier entstand sein neues Credo: "Media is art."

Man liest im Interview auch wie die digitale Revolution sich auf die Bunte auswirkt hat. Hier erfährt man wie die Wechselwirkung zwischen Print und Online funktioniert und weshalb Geschichten sich nun weitaus rascher ausbreiten. Noch ist die BUNTE das führende People-Magazin in Europa und repräsentiert als solches die europäische Gesellschaft.  Das glaube ich gerne.

Texte und Fotos aus den 1950er Jahren und kurze Erläuterungen dazu, stehen am Anfang. Eine Reihe berühmter Schauspieler und Schauspielerinnen, die schon lange unter der Erde liegen, kann man bewundern, teilweise noch in Schwarz-Weiß und kann  zudem nacherleben, was Spießigkeit in jenen Tagen hieß. Titelbildschönheiten von damals kennt heute keiner mehr. So vergänglich sind Gesichter. Spannend dann von Soraya zu lesen und die oberspießige Diktion  dazu zur Kenntnis zu nehmen, die an Durchhaltefilme aus der NS-Zeit erinnern. Der Begriff "Heimat" verbreitete damals offenbar noch keine Kopfkrisen. 

Dann erfährt man etwas vom Liebesdrama Prinzessin Margrets, kann sehr schöne Bilder von Grace Kelly bestaunen und erfährt, dass sie damals der neue Typ auf der Kinoleinwand war. Hochzeiten aus Adelskreisen waren offenbar sehr gefragt. Weit interessanter allerdings ist der Zeitgeist in den einzelnen Jahrzehnten, so etwa die Möbel, das Bestreben nach einer besseren Figur und manch anderes mehr. Schlagzeilen kann man nachlesen, sich auch rasch in die die 1960er Jahre durchblättern und sich darüber im Klaren werden, wie Schönheitsideale geprägt werden und Einstellungen zur Gesellschaft entstehen.

Die Mondlandung war wohl ein wirklich großes Ereignis, damals im Juli 1969. Doch der Klatsch um Jackie scheint die Leser der Bunten mehr interessiert zu haben. Während ich die Bilder betrachte und lese, versuche ich zu analysieren, wo mein Blick länger haften bleibt, was mich besonders anspricht. Es sind nicht die Adelsgeschichten, eher die Rubrik "Leute". Romy Schneider, auch Curd Jürgens und schließlich Gunter Sachs in den 1970er Jahre waren solche Leute, die faszinierten. 

Die Texte  in den 1970ern werden übrigens besser, der Kitsch der 1950er Jahre ist jetzt endlich weggebröselt. Dennoch, interessant ist, auf welche Weise politische Themen damals  in der Bunten abgehandelt wurden, so etwa das Ende der Ära Brandt. 

Als Helden in den 1980er Jahre werden u.a. #Boris_Becker und #Steffie_Graf und auch #Reinhold_Messner gefeiert. #Nena ist noch jung und Petra Kelly lebt noch. Sie war übrigens eine sehr schöne Frau. 

Irgendwann dann sieht man  erneut ein Foto von Romy Schneider und wird daran erinnert, dass sie nur 43 Jahre alt wurde. Getitelt wurde "Im Morgengrauen brach ihr Herz". Das klingt nach deutschem Schlager und nicht angemessen für diese Schauspielerin, so die Empfindung von heute. 

Alles, was dann kommt, ist in noch guter Erinnerung, wenn man regelmäßig den Friseur besucht hat. Die Bilder werden schöner, die Menschen leider nicht immer. Dann erlebt man Gerhard Schroeder, damals 53 Jahre alt. Der geschilderte Fall hat sich längst wiederholt. Hillu Schröder hat ihn ganz gut skizziert. Sie ist eben eine intelligente Frau. Damals nannte man sie rachsüchtig, aus heutiger Sicht würde man sie eher analytisch nennen. 

Seite für Seite sieht man wie Menschen den Zeitgeist verändern und dieser wiederum auf die Menschen wirkt. 

Gibt es ein Bild, das  mir besonders gefällt? Ja. Ein Foto, dass #Papst_Franziskus mit der Bunte- Herausgeberin Patrica Riekel und der Bunte-Reporterin Tanja May zeigt.  Sehr sympatisch.

Insgesamt ist dies ein  gelungenes Buch über die Vergänglichkeit all dessen, was Menschen eitel werden lässt und als solches ein Zeitdokument der besonderen Art, nämlich  der Media-Art.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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BUNTE Republik Deutschland

Rezension: Der Stärkencode- Die eigenen Talente entschlüsseln, anerkennen und weiterentwickeln- Frank Rebmann- Campus Verlag

Frank Rebmann, der Verfasser dieses bemerkenswerten Buches ist als Stärkentrainer für Führungskräfte und Mitarbeiter zahlreicher Unternehmen der Industrie, Finanzdienstleistung und der IT-Branche tätig. Dabei berät, trainiert und schult er in den Bereichen Mitarbeiterentwicklung, Veränderungsprojekte und Talent-Management. Zu seinen Kunden zählen sehr namhafte Firmen, was Rückschlüsse auf seine Stärken und sein Renommee zulassen. 

Der Autor möchte den Lesern dazu verhelfen, ihre Stärken zu ermitteln und sie sinnstiftend für sich einzusetzen. Im Rahmen von 12 lesenswerten Kapiteln eröffnet er Interessenten den Weg dazu. 

Damit jedem klar ist, wovon Rebman in seinem Buch schreibt, definiert er den Begriff Stärke zunächst und zwar "als etwas, was wir gut können, gerne machen und wobei wir hervorragende Ergebnisse erzielen." Im Gegensatz zur Stärke definiert er Talent "als eine Begabung, die jemand zu hervorragenden intellektuellen, sozialen, künstlerischen und sportlichen Leistungen befähigt." Davon grenzt der Autor Können ab. Dieses definiert er als das erworbene Vermögen, um bei einer bestimmten Tätigkeit etwas Besonderes zu leisten. Neben Talent, Können und Stärke, die sich alles andere als im Wege stehen, gibt es dann noch die Schwäche. Diese definiert der Stärketrainer als "Mangel an Wissen, Fähigkeit, Talent, Motivation oder aber als eine Eigenart der Persönlichkeit beim Ausführen einer bestimmten Tätigkeit". 

Frank Rebmann beginnt sein Buch mit einem historischen Exkurs und zeigt  u.a. wie die Philosophen in der Antike das Phänomen "Talent" betrachtet haben. Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass Sokrates bereits wusste, dass das ständige Annähern an die eigenen Gaben zu einem hohen Grad an Zufriedenheit führt. 

Dank Schopenhauers Werk "Die Kunst, glücklich zu sein", hat man erkannt, dass Talent naturgegeben und Stärke erarbeitet werden muss. Wer Stärke entwickelt hat, werde sich nicht mehr verbiegen, um den anderen zu gefallen und werde auch keine Aufgaben mehr übernehmen, die den eigenen natürlichen Gaben widersprechen. Eine selbstbewusste Eigenständigkeit erarbeite man sich mit Fleiß und Disziplin, primär aber durch das Anerkennen unseres Talents. Das Wissen um unsere Gabe erhält man durch Selbstbeobachtung, das wusste Schopenhauer bereits.

Damit man im Stärkebereich agieren kann ist es notwendig, sein Talent zu entdecken, es anzuerkennen, zu trainieren, damit dieses Talent auf ein stets abrufbares Stärkeniveau angehoben werden kann. Wichtig ist dazu noch der Wille, die Stärken anzuwenden und zu verfeinern sowie keinen Zweifel an den eigenen Stärken zuzulassen und schlussendlich die Freude daran, seine Stärken in die Aufgaben einfließen zu lassen. 

Das Wahrnehmen eines Talents könne zufällig geschehen, das Erkennen einer Stärke hingegen sei nur mit Selbstachtsamkeit und einer gezielten Spurensuche möglich. 

Rebmann untergliedert Stärken in fünf Dimensionen:

Analytische Stärken
Entdeckende Stärken 
Kooperative Stärken 
Praktische Stärken 
Stabilisierende Stärken 

Anhand einer Tabelle kann man stärkeorientierte Eigenschaften ermitteln, die den fünf Dimensionen zugeordnet sind. Auf diese Weise kann man sein Stärkeprofil erstellen. 

Damit Stärken sich  zu entfalten vermögen, müssen sie vollständig wirken können. Dort, wo unsere Stärken sind, befinden wir uns auf unserem Kompetenzreservoir. Dabei muss man wissen, dass eine außergewöhnliche Leistung auf sehr hohem Niveau entsteht, sobald aus einem besonderen Talent eine verlässliche Stärke wird. 

Die sehr guten Fragen zur Stärkefindung im vorliegenden Buch sollte man mit viel Sorgfalt beantworten, sich auch klar darüber werden, was man unter Stärkeblockaden zu verstehen hat und wie man diese auflöst. 

Sehr wichtig: Unser Stärkeprofil kann durch ein sinnstiftendendes Werteprofil verstärkt werden. Um sich der Werte bewusst zu werden, listet Rebmann eine Vielzahl von Werten auf, die sich jeweils in ein bestimmtes Stärkeprofil einfügen. Immer deutlicher tritt zu Tage, dass ein Bewusstsein für das eigene Talent, die eigenen Stärken und Werte vorhanden sein muss, um erfolgreich sein zu können und dabei innere Zufriedenheit zu empfinden. 

Wer starke Ergebnisse erzielen möchte, sollte sein Leben und damit auch seine Zeitplanung nach seinen Stärken organisieren. Wie das funktioniert, erläutert der Autor ebenso hervorragend, wie die fünf Fallen in der Zeitplanung. 

Zudem lernt man mit seinen Schwächen umzugehen und hier etwa sich aus seinem Mangeldenken zu befreien. 

Fünf Arten von Schwächen gibt es, die man überwinden kann, sobald man sich der Ursache und Lösung bewusst wird. Auch hier steht Rebman hilfreich zur Seite. 

Über all das und weitere Facetten in punkto stärkeorientiertes Leben wird man sehr gut aufgeklärt und kann sich mithilfe des inkludierten Selbsttests klar über sein Talent werden, lernt es anzuerkennen und zu echten Stärken entwickeln. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König 

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Der Stärken-Code: Die eigenen Talente entschlüsseln, anerkennen und weiterentwickeln

Website des Autors Frank Rebmann:  Stärkentrainer Frank Rebmann und Team