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Rezension: Beziehungsweise Familie-Globale Geschichten von Bindung und Zugehörigkeit- Hirmer


Dieses Buch haben Laura Goldenbaum und Alia Rayyan für die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss herausgegeben. 

Das Werk umfasst 4 Kapitel, als da sind: 
Kapitel 1: Äußere Einflüsse 
Kapitel 2: Innere Dynamiken 
Kapitel 3: Verbindungen/Verwandlungen 
Kapitel 4: Weitergeben 

Das Cover des komplexen, textreichen Werks zeigt Ausschnitte eines Geflechts aus Beziehungsmustern, Bindungen, Anforderungen und Erwartungshaltungen, zeigt Fotos aus Familienalben aus unterschiedlichen Ländern und auch Zeiten. 

Wie kommt man miteinander aus, wie verlässlich ist das Füreinander? Diese und zahllose andere Fragen sind Gegenstand des Buchs. Vor allem auch, wo liegt der Ursprung der Bilder von "Familie", die wir in uns tragen? 

Die vielen Autoren der Texte in diesem Kompendium haben gemeinsam versucht, Stimmen und Formate aufzuspüren, die darüber berichten, wie Familie heute gedacht, gelebt und hinterfragt wird. Dabei wird darauf hingewiesen, dass es sich keineswegs um ein vollständiges Bild handele. Die Vielstimmigkeit, um die es hier geht, bestehe aus wissenschaftlichen Beiträgen und literarischen Stimmen als auch aus Erzählungen aus dem Alltag, wie etwa Pflegekrisen, Mutterschaft oder Erbschaftskontroversen, die dazu einladen, weiterzufühlen, mitzudenken und mitzugestalten. 

Die Erzählung des Buchs folge dabei der Bewegung vom Äußeren hin zur inneren Dynamik der Zusammenlebens Alle Texte verdienen es, kommentiert zu werden. Doch dies ist im Rahmen eine Rezension leider nicht möglich. Es würde eindeutig den Rahmen sprengen. 

Ein Auszug aus dem "Tagebuch der verschwundenen Worte" des Schriftstellers Mahoud Al Shaer sollte man unbedingt lesen, um zu begreifen, was es bedeutet, in einer Trümmerlandschaft seinen Willen, sich ein Leben auszusuchen, nicht zu vergessen. 

Der japanische Gesellschaftskommentator Kazuhisa Arakawa, prognostiziert, dass in Japan in 15 Jahren die Hälfte aller Erwachsenen allein lebe. In dem Beitrag "Die Singlegesellschaft" der Nachrichtenplattform "Japan Today" werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergründe und Folgen dieses Trends spannend beleuchtet. Was bedeutet in einer Singlegesellschaft die "Familie" als Ort der Geborgenheit? 

In den komplexen Texten werden viele Familienproblemfelder weltweit beleuchtet und anhand von Bildern und Texten Raum für ein breitgefächertes Familienbild geliefert, in dem Schnittmengen erfreuen und zeigen, dass wir bei aller Verschiedenheit uns doch in unseren Sehnsüchten ähnlich sind. 

Wer gerne unterschiedliche Blickwinkel zum Thema "Familie" kennenlernen möchte, sollte dieses Buch lesen. 

Überaus erkenntnisfördernd. 

Helga König

Rezension: Flip-Thinking – 15 Strategien, um Probleme in Chancen zu verwandeln- Berthold Gunster, Piper


Berthold Gunster, der Autor dieses Buches, hat bereits 12 Bestseller über die, auch im vorliegenden Werk, ausführlich erörterte und von ihm begründete Flip-Thinking- Theorie verfasst. "Flip-Thinking" ist eine Denktechnik zur Umwandlung von bestehenden Problemen in Lösungen, aber auch eine Technik, um völlig neue Möglichkeiten zu eröffnen. 

Bevor der Autor die 15 Strategien des Flip-Thinking breitgefächert und gut verständlich vorstellt, schreibt er im 1. Teil über das dafür notwendige "Gepäck" und hier zunächst über Akzeptanz, die die Grundlage dieses Denkens darstellt. Das Akzeptieren der Wirklichkeit und genaue hinschauen, das Begreifen, dass es nur Tatsachen gibt, man mit Stress und Unsicherheiten leben muss, gehören zur Grundausrüstung, auch das Beenden des Festdenkens und die Fähigkeit an Widrigkeiten zu wachsen, spielen hier eine Rolle und die Erkenntnis, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, mit einem Problem umzugehen. 

Die 15 Strategien des Flip-Thinking sind in 4 Grundeinstellungen zusammengefasst, mit deren Hilfe man die Wirklichkeit erfassen kann. Es handelt sich dabei um: Liebe, Arbeit, Kampf und Spiel.

Die Strategien 1 bis 4 sind der Liebe zugeordnet. Die Schlüsselelemente dieser Strategien sind Akzeptanz, Versöhnung und Geduld. Bei diesen 4 Strategien finde ich die Strategie des Respekts besonders interessant, weil man sie u.a. dazu nutzen kann, den Spieß umzudrehen, um schlechtes Verhalten vor Augen zu führen. Insgesamt kann die Strategie des Respekts auf viele verschiedene Arten und Situationen angewandt werden können. Diesbezüglich wird man gut aufgeklärt. 

Drei Strategien sind der Arbeit zugeordnet. Hier geht es um Beharrlichkeit, Fokussierung und Neudenken. Am Beispiel von Thomas Alva Edison wird der Erfolg durch Beharrlichkeit sehr gut  dargestellt. Gezeigt wird, dass durch lange Versuchsreihen und entsprechende Fehler am Ende Innovation möglich war. Die Kunst der Beharrlichkeitsstrategie bestehe darin, einfach weiterzumachen, nach Chancen zu suchen, die sich hinter Fehler verbergen und für das Unerwartete offen zu sein. Diese Strategie ist die Strategie der Stehaufmännchen und mir sehr sympathisch. 

Die Strategien des Eliminierens, der Aneignung, der Kollaboration und der Verführung sind dem Kampf zugeordnet. Diese Strategien sollten dann angewendet werden, wenn die Wirklichkeit uns feindlich gesinnt sei. 

Unmöglich, im Rahmen einer Rezension auf all die Strategien kurz einzugehen! Bei der Fülle an Informationen, ist es nur denkbar, einige Punkte zu streifen,

Sehr interessant ist das Prinzip der Knappheit und wie Menschen darauf reagieren. 

Vier Strategien sind dem Spiel zugeordnet. Damit nicht zwingend der gewinnt, der die Spielregeln festlegt, sollte man die Spielregeln ändern. Hier spielen Intelligenz, Humor und Kreativität bei den vier hier zugeordneten Strategien eine Rolle. 

Jede einzelne der 15 Strategien beantwortet die Fragen: 
Was ist die Strategie 
Welche Wirkung hat sie? 
Wann macht man das? 
Wie macht man das? 

Alles in allem sehr überzeugend und vor allem hilfreich. 

Helga König .

Rezension: Bücherschätze - Die ungewöhnlichsten Bibliotheken der Welt - DC Helmuth


In diesem Bildband mit überaus informativen Texten und einem Vorwort der Bibliothekarin Nancy Pearl werden 50 ungewöhnliche Bibliotheken vorgestellt und zwar aus "Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und der Nahe Osten, Europa, Ozeanien und darüber hinaus". 

Neben einem Foto und einer stets spannend zu lesenden Beschreibung der Location, gibt es oft auch noch einen konkreten Hinweis über den Fundort. 

Nach dem ersten Durchblättern wurde mir bewusst, dass man dieses wunderbare Buch nicht chronologisch lesen muss, sondern sich von seiner Neugierde führen lassen kann. So begann ich mit dem Beitrag "Massenunterrichtungswaffe". Es handelt sich um ein Gefährt, das auf den Straßen von Buenes Aires/Argentinien zu bestaunen ist, eine Kreation des Künstlers und Poeten Raul Lemesoff. 

Zu sehen ist ein umgebautes Fahrzeug voller Bücher, das 1979 von den Schergen des Diktators General Videla allerdings anderweitig genutzt wurde und zwar um StudentInnen, JournalistInnen und RegimekritikerInnen zu entführen. Der Künstler hat das Modell "Ford Falcon" zu einer Bibliothek umgebaut, liest man, um das Symbol des Bösen in ein Mobil des Friedens zu transformieren, das Bücher und damit Bildung verteile, um auf diese Weise die Wiederkehr der Diktatur zu verhindern. 

Ein zuversichtlicher Gedanke in unserer, durch das Böse geknebelten Welt! 

Man staunt, was alles diese Bibliothek enthält. 900 Bücher aus unterschiedlichen Bereichen bilden die Bepanzerung des Vehikels. Eine großartige Idee, die man nur begrüßen kann, speziell in unserer erschreckend militant gewordenen Zeit!

Dann blieb mein Blick auf dem Titel eines der nächsten Beiträge hängen: "Die Kraft der Wörter". Assoziiert wird der Titel mit einer verborgenen Bibliothek in Bogota, Kolumbien. In dieser Metropole gibt es nur 13 Bibliotheken für 9 Millionen Bewohner. José Alberto Gutiérrez, ein Müllmann hat in seinem Leben rund 30 000 Bücher aus dem Müll gefischt und sie gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern gereinigt und aufgearbeitet. In seinem Haus, gelegen in einem Viertel, in welchem nicht begüterte Menschen leben, hat er die Bücher untergebracht, damit Kinder und Jugendliche dort lesen  oder ihre Hausaufgaben machen können, umgeben von Bildung, die ihren weiteren Lebensweg bestimmen soll. 

Die Idee, dass Bücher Menschen zugänglich gemacht werden sollten, damit sie sich emanzipieren können, steckt in vielen dieser in die Realität umgesetzten Bibliotheksentwürfe im Buch. So auch im "Reading Club 2000" in Manila, Philippinen. 

Dann aber gibt es auch solche Beiträge wie über die "Timbuktu-Manuskripte", in Djenne, Mali, die ich voller Neugierde las. Das Mittelalter soll es im westafrikanischen Reich Sangohai ein Paradies für Gelehrte gewesen sein. Bis zu 25.000 Geistesgrößen lebten dort und verfassten Texte aller Art. Schreiber fertigten Manuskripte zu unterschiedlichen Themen an, die trotz des Untergangs dieses Reiches erhalten blieben und in Privatbibliotheken aufbewahrt worden sind. Über diese "Timbuktu-Manuskripte" erfährt man im Beitrag Wissenswertes und darf sich freuen, das die Liebe zum geschrieben Wort in allen Kontinenten Freunde gefunden hat.

Bücher bewahren und vom Untergang zu schützen, das war auch das Motiv für die "Bethnal Green Underground Library" in London. In diesem Bunker fanden bei einem besonders schweren Luftangriff durch die Nazis rund 7000 Menschen Schutz, des Weiteren 4000 wertvolle Bücher der Zentralbibliothek von Bethnal Green. 

Jeder Beitrag im Buch zeugt von der Liebe zu Büchern und dem Bewusstsein, dass wir ohne sie zur Kulturlosigkeit verdammt sind.

Wie Harald Welzer in seinem neuen Buch, "Das Haus der Gefühle" so treffend schreibt: "Kultur erlaubt Kooperation, Empathie, Perspektivenübernahme, Zusammenarbeit, Care-Arbeit, Fairness, Gerechtigkeit und alles, was uns im positiven Sinn auszeichnet.“ 

Grund genug, Bücher als kulturelle Schätze zu begreifen, die von Hand zu Hand gehen sollten, damit ihr Inhalt, die Welt verändert und zwar im positiven Sinn. 

Demokratie braucht Bildung, wenn sie fortbestehen soll!

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich.