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Rezension: Das Pragmatismus-Prinzip- Dirk von Gehlen- Piper

#Dirk_von_Gehlen, der Autor dieses Buches leitet bei der Süddeutschen Zeitung die Abteilung Social Media/Innovation und begleitet den Medienwandel schon einige Jahre auf seinem Blog "Digitale-Notizen" als auch auf Twitter unter @dvg.

Der Untertitel seines Werkes "Das Pragmatismus-Prinzip" skizziert, worum es geht: Um "10 Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen."

Das zwischen Titel und Untertitel abgebildetete Text-Emoticon ¯\_ツ_/¯, genannt "Shruggie" steht für ein Schulterzucken, zeigt also an, dass man gelassen bleiben sollte, in diesem Fall im Umgang mit Neuem, dem Fremden, dem Unklaren, ja selbst vor der eigenen Überforderung keine Angst haben sollte.

Diesen Zustand erreicht man durch das im Buch näher erörterte Pragmatismus-Prinzip. Dabei versteht der Autor dieses Prinzip als Ratgeber zur Ratlosigkeit. Er hält fest, dass wir lernen müssen, Widersprüche, pragmatische Paradoxien, besser auszuhalten, Doppeldeutigkeiten zu akzeptieren und nicht dem ersten Eindruck zu trauen.

Zunächst geht es darum, zu verstehen, wieso man nicht in das alte Weltuntergangslamento verfallen sollte, dass schon Generationen zuvor nicht gestimmt habe. Sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen, die Vergangenheit nicht zu verklären und keineswegs vorzivilisatorische Lebensbedingungen als unbedingt erstrebenswert zu preisen, das  sei wichtig, wenn man Neues annehmen möchte, so wie es ist, um im Neuen kreativ tätig sein zu können.

Man sollte das Neue zunächst anschauen und dann erst werten. Dies ist die Grundregel des Pragmatismus-Prinzips. Als Gründe, weshalb die Welt im Hier und Jetzt als schwerer verstehbar begriffen wird, nennt von Gehlen die Merkmale Geschwindigkeit, Unübersichtlichkeit und Vernetzung. Zwischenzeitlich sei vieles so komplex geworden, dass man ratlos geworden sei.

Die Herausforderungen der Gegenwart bestehen offensichtlich nicht mehr darin, sogleich Lösungen für Überforderungen zu finden, sondern vielmehr sich pragmatisch auf sie einzulassen. Wer die Überforderung akzeptiere, schaffe die erste Voraussetzung, sie zu überwinden.

Am Ende jedes der zehn Kapitel gibt es eine Zusammenfassung für Schnellleser und aus dem jeweiligen Inhalt abgeleitete Shruggie-Regeln, die man sich gut einprägen sollte.

Wer alte Philosophen und gute Ratgeberliteratur aus dem Hier und Jetzt kennt, wird vieles finden, was von Gehlen in seinem Buch verarbeitet hat. Das Besondere an seinem Werk besteht darin, die Gelassenheit, für die viele bereits geworben haben, im schnellen Hier und Heute auf subtile Art zu kultivieren. Das geht nur, indem man Ratlosigkeit zulässt und damit akzeptiert, dass man nicht immer sogleich eine Antwort findet.

Merke: Unterkomplexe Lösungen sind das Ergebnis des nicht Zulassens von Ratlosigkeit.

Man sollte lernen, Menschen und deren Meinungen zu trennen- das gilt speziell im Internet und sich im Perspektivwechsel üben, um sich Wahrheiten anzunähern oder zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Der Autor begreift sein Werk als Handbuch der Hoffnung. Dabei steht diese Hoffnung nicht im Widerspruch zur Ratlosigkeit, sondern ist deren Folge. Wer sich keine Ratlosigkeit gestattet, fände nur Antworten, die er bereits kenne. Die Herausforderungen der Gegenwart benötigen allerdings Lösungsansätze, die auch im Heute und vor allem im Morgen liegen. Geduld sei also notwendig und auch ein entsprechendes Gemeinschaftsdenken.

Später dann geht es um Angst, die durch Veränderungen erzeugt wird. Dieser Angst sollte man sich gelassen stellen, nicht zuletzt deshalb, weil Angst, die man nicht verarbeitet, unsicher macht und uns darin hindert,  kreativ zu sein. Angst zu überwinden,  bedeutet erwachsen zu werden und den Mut zu haben, die Komplexität von Problemen zu akzeptieren.

Es liegt mir fern, nun jedes Kapitels hier zu skizzieren. Gesagt werden kann, dass man Seite für Seite ein wenig mehr darüber erfährt, wie man entspannt sich Neuem zuwendet. Neugierde, Handlungsneigung, Refaming, Achtsamkeit und radikale Kooperation sind  dabei brauchbare Mittel, um gestalterisch etwas zu verändern oder weiterzuentwickeln.

Mit einem fröhlich-gelassenen Schulterzucken haben wir genau die Haltung angenommen, die es uns ermöglicht, mit chaotischen Umständen umzugehen, nicht zuletzt so wie wir sie täglich im Internet oder auch anderenorts erleben.

Der Autor empfiehlt, in einer seiner Shruggie-Regeln stets dazuzulernen, das gesamte Leben hindurch. 

Was noch? Weshalb Gelassenheit die beste Voraussetzung für Toleranz ist, wir zum Schluss erläutert.

Sehr empfehlenswert

 Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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